Alte Instrumente, neue Klänge

Mit einem Motto ist das so eine Sache: Nimmt man es richtig ernst, engt es womöglich ein. Nimmt man es gar nicht nicht ernst, wird’s beliebig. Am besten macht man es wie Vladimir Ivanoff – und fasst das Motto weit. So weit und ausgedehnt wie die Seidenstraße: „Silk Road“ hieß das Konzert, das Sänger und Instrumentalisten aus China, Jordanien und Syrien in Bayreuth zusammenbrachte. Frei nach Goethe, der in seinem "West-östlichen Divan" von einer Verschmelzung der Kulturen träumte. „Die traditionellen Klänge sind immer auch ein Weg in die Zukunft, wenn sich junge Musiker und Komponisten damit beschäftigen“, erklärte Xia Ran, die zusammen mit Ivanoff durch das Programm führte.

Den ersten Teil des Konzertes gestalteten die jungen chinesischen Musiker aus Peking, die am Central Conservatory for Music studieren. Der Klang der traditionellen chinesischen Instrumente ist dem mitteleuropäischen Ohr zwar meist bekannt, die Instrumente eher weniger. Die Sanxian (eine dreisaitigen Langhalslaute), die Sheng (eine Mundorgel) die Guzheng (eine Wölbbrettzither) oder die Yangqin (ein trapezförmiges Hackbrett) machten neugierig und enttäuschten nicht. „Uns gingen Augen und Ohren über“, erzählte Vladimir Ivanoff, „als wir während der Proben hautnah die unglaubliche Virtuosität der chinesischen Musiker mitbekamen.“ Man glaubte es ihm sofort, denn ungeachtet der Klänge war es vor allem die Fingerfertigkeit an diesen ungewöhnlichen Instrumenten, die die Zuschauer in den Bann schlug.

Der zweite Teil des Konzerts wurzelte im Maghreb. Fadhel Boubaker aus Tunesien brachte mit einer Improvisation auf seiner Oud (einer traditionellen Schalenhalslaute) die Klänge seiner Heimat zu Gehör. Er schien so versunken in seiner Musik, dass ein junger Konzertbesucher sich flüsternd an seine Mutter wandte: „Mama, ich glaub, der träumt jetzt von daheim.“

Eine rasante Mischung

Drei Eigenkompositionen von Fadhel Boubaker, dem Jazz-Saxophonisten Niko Seibold und dem syrischen Sänger Rebal Alkhodari hatten an diesem Abend mit der Instrumentalbesetzung aus dem Nahen und dem Fernen Osten ihre Premiere. Zum Abschluss dieser musikalisch-geographischen Karawane zog der Amaan-Chor aus Jordanien in den Europasaal und verzauberte das Publikum mit einem Medley liturgischer Gesänge aus Jerusalem. Dieses musikalische Friedensgebet, so sagte es Vladimir Ivanoff, werde sowohl von den Musikern als auch von den Zuhörern vor dem Hintergrund der politischen Lage als wichtiger denn je empfunden. Die Begeisterung der jungen jordanischen Sänger, die zu den beiden Schlussstücken zu den Instrumentalisten auf die Bühne kamen, setzte diesem musikalischen Experiment noch einen Akzent auf. Vladimir Ivanoff hatte angekündigt, dass „wir uns ein bisschen zusammengeträumt haben, was wohl auf einer chinesisch-marokkanischen Hochzeit gespielt werden könnte“. Das Ergebnis war eine rasante und von viel Selbstbewusstsein getragene Mischung, die das Publikum beim Schlussapplaus von den Sitzen riss. Zurecht.

Eine Mischung, die das Publikum von den Sitzen riss – auch beim Schlussapplaus.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06