Als Rolli-Fahrer unterwegs in Pegnitz

Seit zwei Jahren hat er nun ein sogenanntes Rollstuhlzuggerät, das ähnlich wie ein halbes Fahrrad aussieht und mit wenigen Handgriffen vorne an den Rollstuhl montiert werden kann. „Damit bin ich unabhängiger und kann auch leichte Steigungen und längere Strecken zurücklegen“, sagt Egli. Bis zu zwölf Prozent Steigung schafft er mit dem Gerät, der Akku für die Motorunterstützung reicht für rund 30 Kilometer. „Das hängt aber vom Streckenverlauf ab“, erklärt er, „bei Anstiegen wie nach Körbeldorf, Penzenreuth oder von Buchau zu den Windrädern wird mehr Strom verbraucht.“

Eigene Kraft gefragt

Durch den Motor bekommt er aber nur Unterstützung, eigene Kraft ist trotzdem gefragt. Aber immer wieder wird Egli auch mit Barrieren konfrontiert, wenn er in der Stadt unterwegs ist. Zum Beispiel in der Hauptstraße ist es stellenweise schwierig, wenn einige Geschäfte ihre Verkaufsstände auf dem Gehweg aufgebaut haben. Wenn dann noch manche Autos zum Teil auf dem Gehweg stehen, dann wird es für Egli mit dem Durchkommen schwierig. Außerdem sind immer noch viele Läden nur über Treppenstufen zu erreichen oder die Eingangstüren für seinen Rollstuhl zu eng. Oder da sind die Schlaglöcher auf den Wegen im Bereich des Wiesweihergeländes. Für einen gesunden Menschen alles kein Problem, aber der 60-Jährige merkt jede Unebenheit. Auch in manchen Supermärkten sind die Gänge zwischen den Regalen oft zu eng.

Wie ein E-Bike

Mit seinem Speedy kann Egli nun auch weitere Strecken zurücklegen. Fast 4500 Kilometer hat er in den vergangenen zwei Jahren damit schon zurückgelegt – und das, obwohl er nur bei gutem und vor allem trockenen Wetter fährt. „Das funktioniert so ähnlich wie bei einem E-Bike“, sagt er. Ein Nummerschild braucht er dafür aber nicht, es gelten die gleichen Regeln wie für „Nur-Rollstuhlfahrer“.

„Aber die die Gehwege sind oft gefährlich“, hat Egli festgestellt, denn sie sind meist geneigt. Da weicht er dann schon mal auf die Straße aus. „Ein paarmal hat es mich auch schon geschmissen“, sagt er grinsend. Und es gibt auch nicht überall Radwege. Hier müsste unbedingt noch das Radwegenetz mehr ausgebaut werden, findet er. Mit seinem Speedy war er schon bis zum Craimoosweiher und auf dem Radweg nach Creußen bis zur Sandgrube unterwegs. Weiter hat er sich nicht gewagt, das könnte mit dem Akku zu knapp werden.

Es begann mit Zuckungen

Begonnen hat es damals mit Zuckungen, die er nachts in den Beinen hatte. Nach Nervenwasseruntersuchung und Kernspintomographie stand die Diagnose Multiple Sklerose ziemlich schnell fest. „Das war schon hart, aber ich muss damit eben fertig werden“, sagt der 60-Jährige. Seit drei Jahren ist er nun erwerbsunfähig. „Als der Bescheid dazu kam, war das ein Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden“, sagt Egli. Er hätte lieber in seinem Beruf als Bankberater weitergearbeitet. Aber in dem Alter kam auch eine Umschulung nicht mehr in Frage. Doch Egli will nicht passiv sein, dafür sei er noch zu jung, er will probieren, was noch geht.

Billig war das nicht

Zuhause kommt er ohne Rollstuhl klar, benutzt nur seine Stöcke oder den Rollator. Auch das Treppensteigen geht, da auf beiden Seiten ein Geländer ist. Das Fahren mit dem Speedy hat er sich selbst beigebracht. „Do it yourself“, sagt er. Nein, billig war das Hilfsgerät nicht, aber über den Preis will er nicht sprechen. Erst wollte die Krankenkasse nichts dazugeben, nach seinem Widerspruch hat sie dann aber doch die Hälfte der Kosten übernommen.

Seit vergangenem Jahr gehört Hermann Egli dem neugegründeten Seniorenbeirat der Stadt an. Hier versucht er insbesondere auf die Situation von Behinderten aufmerksam zu machen, die Erfahrungen, die auf seinen Fahrten macht, einbringen. So hat er bereits den elektronischen Türöffner am Bürgerzentrum sowie eine Bordsteinabflachung beim Wiesweiher-Kindergarten angeregt. Beide Vorschläge wurden mittlerweile umgesetzt. Nun hofft er darauf, dass bald ein besseres Durchkommen auf dem Gehweg entlang der Hauptstraße möglich ist.

Was die Stadt dazu sagt

„Bisher wurde es von der Stadt geduldet, wenn Geschäftsinhaber Verkaufsstände auf dem Gehweg platzieren“, sagt zweiter Bürgermeister Wolfgang Nierhoff auf Kurier-Nachfrage. Sie seien aber angewiesen, mindestens einen Meter Durchgangsbreite zu lassen. Wie Bauamtsleiter Manfred Kohl ergänzt, soll im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) ein Sondernutzungsrecht für Geschäftsleute erarbeitet werden. „Ziel ist es, eine einheitliche Gestaltung zu erfordern“, so Kohl. Diese müsse aber selbstverständlich auch Behinderten entgegenkommen und entsprechend koordiniert werden. „Karten und Künstlerisches bereichern schließlich das Erscheinungsbild der Stadt“, ergänzt Nierhoff.

Gehwege abgesenkt

Er wolle aber auf die Geschäftsinhaber zugehen und sie bitten, vor ihren Läden mehr Platz auf dem öffentlichen Gehweg zu schaffen. Insgesamt habe sich im Stadtgebiet seit der Innenstadtsanierung schon Einiges in Sachen Barrierefreiheit getan. Zahlreiche Gehwege wurden beispielsweise abgesenkt oder im Alten Rathaus eine Rampe installiert. „Aber dann steht der Rollstuhlfahrer drinnen und kommt nicht in den ersten Stock“, gibt Nierhoff zu bedenken, denn es gibt keinen Aufzug.

Es gebe zwar vom Freistaat die Vorgabe, in kommunalen Gebäuden für Barrierefreiheit zu sorgen, aber das sei eben auch oft ein finanzielles Problem für die Kommunen.

Info: Wer Anregungen zur Barrierefreiheit in Pegnitz hat oder Fragen zum Rollstuhlzuggerät hat, kann sich an Hermann Egli unter der Nummer 0 92 41/66 09 wenden.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06