Allstar-Coach Korner: „Unbedeutende Rolle"

„Kein Zuschauer kommt, um den Trainer coachen zu sehen“, hatte Korner schon gleich nach seiner Berufung geäußert, und an dieser Gelassenheit hat sich auch wenige Tage vor seinem Allstar-Debüt nicht geändert: „Ein Allstar-Spiel ist ein Forum für Spieler. Die Trainer sind dabei nur Statisten im Hintergrund, und das ist auch gut so.“

Daher hat der Medi-Coach (übrigens mit seinen Vereinsassistenten Lars Masell und Tim Nees an der Seite) auch kein Problem damit, dass der Zeitplan lediglich ein gemeinsames Training vorsieht für seine aus neun Vereinen zusammengewürfelte Auswahl mit zehn Amerikanern, einem Italiener und einem Bosnier: „Basketball spielen können die doch alle, und taktisch wird man nicht viel machen müssen. Schließlich steht der Showgedanke im Vordergrund.“ Nicht einmal die Frage nach einer bevorzugten spielerischen Grundausrichtung entlockt ihm nicht mehr als ein Schulterzucken: „Keine. Das ist einfach nicht die Aufgabe.“

Hauptaufgabe: Genug Einsatzzeit für alle

Statt dessen betrachtet sich Korner am Spielfeldrand eher als Moderator: „Die Hauptaufgabe wird sein, die Einsatzzeit so zu verteilen, dass jeder Spieler zur Geltung kommt und zeigen kann, was er drauf hat.“ Eine Auszeit könne höchstens mal fällig sein, um einen speziellen Spielzug aufzuzeichnen: „Und der sollte dann möglichst spektakulär ausgehen.“

Ernsthafte fachliche Herausforderungen erwartet der Allstar-Coach erst in der Schlussphase, falls der Spielausgang bis dahin offen bleiben sollte: „Am Ende will man dann schon gewinnen“, gesteht Korner. „Man hätte ja auch gern den MVP in seinen Reihen, und der wird nun mal aus dem Siegerteam gewählt.“

Dabei verhehlt er durchaus nicht, dass Trey Lewis als sein einziger Bayreuther Vereinsspieler im Team aufgrund seiner attraktiven Spielweise einer der Anwärter auf die Auszeichnung als wertvollster Spieler werden könnte: „Grundsätzlich hat jeder, der für ein Allstar-Spiel nominiert wird, auch das Zeug zum MVP. Aber es stimmt schon, dass es Außenspieler etwas besser haben als Innenspieler – einfach weil sie den Ball früher in der Hand haben. Am Ende wird jeder Kandidat meine Unterstützung bekommen, um sich entsprechend in Szene setzen zu können. Wenn das Trey ist, wäre das natürlich schön, aber wir werden sicher nicht das Spiel darauf ausrichten.“

Andreas Seiferth: Aus dem Heimaturlaub ins Allstar-Team

Ein paar freie Tage beschert das Allstar-Wochenende den meisten Bundesligaspielern. Das galt zunächst auch für Andreas Seiferth von Medi Bayreuth, doch dann erreichte den Nationalcenter beim Heimaturlaub in Berlin die Nachricht von seiner Berufung ins nationale Auswahlteam als Nachrücker für den verletzten Tim Ohlbrecht (Ulm).

Als Störung seiner privaten Pläne empfindet Seiferth diese Umstellung aber nicht: „Es ist nur eine kleine Änderung und ja auch eine willkommene.“ Sein Besuch in Berlin sei von Anfang an darauf ausgerichtet gewesen, am kommenden Wochenende wieder in Bayreuth zu sein: „Da komme ich jetzt eben einen oder zwei Tage später hin.“ Zudem sei auch ein völliger Ausstieg aus dem Basketball-Alltag ohnehin nicht vorgesehen gewesen: „Auch ohne Allstar-Spiel hätte ich Mitte der Woche schon wieder etwas trainiert, um dann in Bayreuth nicht wie Falschgeld herumzulaufen.“

Auf den speziellen Saisonhöhepunkt in Bonn freut sich der 27-Jährige: „Das sind immer Spiele, in denen viele Punkte fallen und die allen Spaß machen.“ Dass sich die Center schwerer in Szene setzen können als die Spieler auf den kleinen Positionen, weil sie mehr auf die Vorarbeit ihrer Teamkollegen angewiesen sind, betrachtet er nicht als Problem. „Da wird schon auch immer viel gepasst“, sagt Seiferth. „Dass nicht jeder auf 20 Punkte kommen kann, ist schon auch klar. Aber niemand geht mit Groll aus dem Spiel, weil er keine Möglichkeiten bekommen hat.“
Mannschaftlich könnten die deutschen Spieler sogar einen gewissen Vorteil gegenüber Team International haben: „Wir kennen uns ja fast alle schon aus der Nationalmannschaft. Ich habe jedenfalls schon mit jedem auf dem Feld gestanden. Da stimmt dann auch die Chemie.“

Für Andreas Seiferth ist es bereits der zweite Auftritt bei einem Allstar-Spiel. Seine Premiere auf dieser Ebene feierte er vor vier Jahren in Nürnberg, als Team National einige Mühe hatte, um sich nach einem hohen Halbzeitrückstand von 38:65 noch einigermaßen respektabel mit 95:113 aus der Affäre zu ziehen. Der damals erst 23 Jahre alte und noch für Trier spielende heutige Medi-Center trug sich mit vier Punkten in die Scorerliste ein. Während er sich in diesem Spiel noch mit 15 Minuten Einsatzzeit in der deutschen Auswahl begnügen musste, wird er diesmal schon zur Startformation von Trainer Thorsten Leibenath (Ulm) gehören.

Josh Mayo ersetzt Julius Jenkins

Nach vier Absagen für Team National (Günther, Ohlbrecht, Theis, Wachalski) gibt es kurzfristig auch noch eine Veränderung im Aufgebot der internationalen Auswahl. Julius Jenkins (Jena) hat sich verletzt abgemeldet und wird durch Josh Mayo (Bonn) ersetzt. Seinen Platz im Dreier-Wettbewerb nimmt laut statistischer Rangfolge ein anderer Routinier ein: Rickey Paulding (Oldenburg).

Team International: Babb, Morgan (beide Ulm), Melli, Miller (beide Bamberg), Mayo, Thompson (beide Bonn), Paulding (Oldenburg), Knight (Jena), Lewis (Bayreuth), Kikanovic (Berlin), Wells (Gießen), Cooley (Ludwigsburg).


Team National: Barthel, Gavel, Kleber (alle München), Lo, Heckmann (beide Bamberg), Seiferth (Bayreuth), Schwethelm (Oldenburg), Giffey (Berlin), Stuckey (Würzburg), Philmore (Tübingen), Thiemann (Ludwigsburg), Standhardinger (Vechta).

Zum achten Mal wird das Allstar-Spiel in diesem Format ausgetragen (zuvor Nord gegen Süd).

Die ersten sieben Duelle gingen an die internationale Auswahl, aber vor einem Jahr in Bamberg gab es mit 128:118 den ersten deutschen Sieg.

Nicht bewertet

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