Alles wieder offen: Aktenzeichen XY rekonstruiert den Fall Peggy

Seit dem 7. Mai 2001 ist Peggy Knobloch aus Lichtenberg verschwunden. Die Neunjährige wurde auf dem Heimweg von der Schule das letzte Mal gesehen, um 13.15 Uhr. Seither fehlt von dem Mädchen jede Spur. Nachbar Ulvi K. wurde 20-- wegen Mordes an Peggy verurteilt, in der Wiederaufnahme des Falls im vergangenen Jahr wurde er jedoch freigesprochen (siehe Chronologie). Nun beginnen die Ermittlungen von vorne.

Seit dem Freispruch von Ulvi K. ist alles wieder offen

Unterstützt werden diese nun auch von der bekannten TV-Sendung Aktenzeichen XY ungelöst. Der Tag von Peggys Verschwinden wird filmisch rekonstruiert, produziert wird der rund zehnminütige Beitrag von der Deutschen Kriminal-Fachredaktion (DKF) in München. "Durch den Freispruch von Ulvi K. ist ja alles wieder offen", sagt Ina-Maria Reize-Wildemann, Leiterin der Redaktion Eduard Zimmermann, für die der Fall Peggy "einer der größten Vermisstenfälle des Landes" ist.

In der Datei der Produktionsfirma sind seit 2012 auch die Brannaburger Schauspieler. Damals spielte das Team um den Vorsitzenden Stephan Müller in einem Aktenzeichen XY-Beitrag über den vermissten Anton Krügel mit. Müller suchte in seiner Truppe und bei befreundeten Theatergruppen nach möglichen Darstellern, die den echten Personen ähnlich sehen.

Schauspieler müssen realen Personen ähnlich sehen

Diese Authentizität ist bei der filmischen Rekonstruktion wichtig, sagt Regisseur Rudolf Schweiger, der auch das Drehbuch verfasst hat. "Der Zuschauer muss nah ran kommen an die dargestellten Menschen", erklärt er. Dann steigt die Chance, dass sich auch nach so langer Zeit noch Zeugen melden.

Produktionsfirma: Erfolgsquote ist bei Altfällen sehr hoch

Und das, sagt Chefredakteurin Ina-Maria Reize-Wildemann, ist gar nicht so unwahrscheinlich: „Wir sind sehr erfolgreich mit Berichten über solche Altfälle. Die Erfolgsquote liegt sogar meist höher als bei zeitnahen Fällen." Oft haben Menschen nach vielen Jahren eher die Bereitschaft, sich zu einem Kapitalverbrechen wie etwa Mord zu äußern. „Zum Beispiel Mitwisser wie eine Ehefrau, die nach vielen Jahren nicht mehr das Bedürfnis hat, ihren Ehemann zu schützen“, erklärt Reize-Wildemann.

Ihr Aussehen hat Patricia Lerners Tochter Charlotte, die wie die Mutter schon mehrfach beim Kulturstadl auf der Bühne stand, nun einen Fernsehauftritt eingebracht. Die Neunjährige spielt eine Freundin Peggys - der sie verblüffend ähnlich sieht, wie die Mutter anhand zweier Fotos zeigt. Bis auf ein Detail: "Wir haben für Charlotte eine Brille besorgen müssen", sagt Patricia Lerner.

Kinder wissen, worum es beim Fall Peggy geht

Ein Mädchen, das seit vielen Jahren vermisst wird, von dem man nicht weiß, ob es noch lebt - darüber habe sie mit ihrer Tochter ganz offen gesprochen, sagt Lerner. Wie emotional aufgeladen der Fall auch nach fast 14 Jahren noch immer ist, zeigt die Reaktion einer anderen Mutter: Das Mädchen, das Peggy darstellt, soll namentlich nicht in der Zeitung genannt werden.

Emotional bewegend sind die Dreharbeiten, die am Samstag in Straßdorf, einem Ortsteil von Schwarzenbach am Wald (Lkr. Hof) begannen, auch für Melanie Fraas. Die 22-jährige aus Neuenmarkt spielt Peggys Mutter Susanne Knobloch; in dem Privathaus wird gefilmt, wie Peggy und ihre Mutter sich am Morgen im Bad fertig machen, wie die beiden streiten, weil Peggy an diesem Tag nicht in die Schule gehen will.

Darstellerin der Mutter so alt, wie Peggy heute wäre

Aufwühlend ist für Melanie Fraas, die Mitglied der Laienspielgruppe Neuenmarkt ist und schon öfter als Statistin bei Fernsehfilmen dabei war, aber etwas anderes: "Es ist ein seltsames Gefühl in der Magengegend, weil ich so alt bin, wie Peggy jetzt wäre." Und das Mädchen, das als Neunjährige verschwand, ist der Studentin schon lange nahe: "Ich habe als Kind das Fahndungsfoto gesehen und ich kann mich erinnern, dass mich ihr Verschwinden damals sehr bewegt hat."

Stadtrat Ernst-Rüdiger Kettel spielt Zeugen

Nach so vielen Jahren diesen Fall vielleicht doch noch aufklären zu können, deshalb ist Melanie Fraas beim Dreh für Aktenzeichen XY dabei. Das ist auch die Motivation für Ernst-Rüdiger Kettel,  mitzumachen. Stephan Müller vermittelte seinem Stadtrats- und Fraktionskollegen, der am Sonntag seinen 70. Geburtstag feierte, eine Rolle; am Montag und Dienstag wird Kettel in Lichtenberg vor der Kamera stehen: als der ältere Mann, der kurz nach Peggys Verschwinden eine Leiche an einem Feldweg gesehen haben will, die aber beim späteren Eintreffen der Polizei nicht mehr aufzufinden war. "Eine angenehme Vorstellung ist das nicht", gibt Kettel zu, so wie der Fall Peggy insgesamt "kein schöner" sei. Zurückgehalten habe ihn das aber nicht: "Wenn der Film den Ermittlungen dienlich ist, dann habe ich meinen Auftrag erfüllt."

Die Sendung

„Wo ist mein Kind?“ heißt die Sondersendung der Reihe Aktenzeichen XY Ungelöst, für die der Beitrag über den Fall Peggy produziert wird. „Ganz neutral „ wolle man an den Fall herangehen, sagt Ina-Maria Reize-Wildemann, Leiterin der Redaktion Eduard Zimmermann bei der Deutschen Kriminal-Fachredaktion (DKF). In dem zehnminütigen Beitrag werden Peggys letzte Stunden rekonstruiert, die Ermittlungen hingegen spielen keine Rolle. So werden in dem Beitrag zum Beispiel die Männer, die im Laufe der Untersuchungen in den Fokus rückten, keine Rolle spielen. Ausgestrahlt wird der Beitrag über den Fall Peggy am 3. Juni um 20.15 Uhr in der Sendung Aktenzeichen XY ungelöst (ZDF).

Der Fall Peggy beschäftigt auch den Nordbayerischen Kurier seit vielen Jahren. Was wir berichtet haben, können Sie in unserem Dossier nachlesen.

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