Alles hat ein Ende: Goldfuß schließt

Metzger – ein anstrengender Job. Metzger – ein Beruf, den immer weniger machen wollen. Für Heinrich Goldfuß war es auch nicht der erträumte Beruf. „Es hat einen keiner gefragt, damals“, sagt er mit einem Lächeln im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Vater, Jahrgang 1902, Landwirtssohn aus Creez im Hummelgau, „war Metzger mit Leib und Seele“, sagt Goldfuß. „Nach dem ersten Weltkrieg war es schwer, einen Beruf zu finden, deshalb ist er Metzger geworden.“ Sein erstes Geschäft eröffnet Metzgermeister Fritz Goldfuß 1929 in Kemnath.

1939 eröffnet die Familie in Bayreuth ihre erste Metzgerei

Im Sommer 1939 kauft die Familie die Metzgerei Schilling im Kreuz, in der Kulmbacher Straße 19. „Das war wohl eine der letzten Gelegenheiten, ein Haus zu kaufen.“ Bis 1942 ist die Metzgerei offen, dann wird der Vater einberufen. „Im Herbst 1945 kam er aus russischer Gefangenschaft zurück, wir konnten wieder aufmachen“, erinnert sich Goldfuß.

55 Metzgereien nach dem Krieg

Wenige Jahre später, Heinrich Goldfuß, „Baujahr 1936“, wie er sagt, ist gerade 15 Jahre alt, steigt er ins Geschäft ein. „Mein Vater hat gesagt, er brauche einen Lehrling.“ Viel Handarbeit wartet auf den jungen Mann. Nicht nur in der Werkstatt, in der das Fleisch weiterverarbeitet wurde. „Wir waren nicht weit weg vom Schlachthof. Das Fleisch wurde mit dem Handwagen direkt dort abgeholt. Ein Auto hatten nur die großen zehn Metzgereien in Bayreuth.“ Zehn von damals rund 55 Metzgereien in der Stadt.

Spaß machte es erst, als der Erfolg kam

Auf die Frage, ob es denn Spaß gemacht habe, muss Goldfuß wieder lächeln. „Spaß hat es erst gemacht, als sich später der Erfolg eingestellt hat.“ Den Grundstein für Wachstum legt Fritz Goldfuß 1958. „Die Übernahme des Geschäfts in der Bahnhofstraße war der Schlüssel“, sagt Heinrich Goldfuß. „Wir haben uns mit einem Schlag um das Zwei- bis Dreifache vergrößert.“

Schicksalsjahr 1960 für Heinrich Goldfuß

1960 nennt Goldfuß „ein Schicksalsjahr“: Erst macht er die Meisterprüfung, dann heiratet er seine Frau Elfriede und wenige Monate später stirbt der Vater nach kurzer Krankheit. Die Arbeit wächst, die Kapazität von Produktion und Maschinen ist längst an der Grenze. Deshalb sucht Goldfuß nach einem Grundstück. „Innerhalb eines Jahres haben wir geplant, gebaut und eröffnet.“ Im November 1963 – "in der Woche, als Kennedy erschossen wurde“ - macht das neue Stammhaus in der Böcklinstraße auf. Und eröffnet der Metzgerei den Weg, weiter zu wachsen.

Mehrere Millionen Euro investiert der Metzger in seine Geschäfte

Goldfuß muss nicht lange überlegen: Mehrere Millionen Euro hat er Zeit seines Lebens investiert. „Ich bin viel am Bauamt rumgekugelt.“ Viele Tage hat er damit verbracht, mit Architekten zu feilen, „um die richtigen Lösungen zu finden“, wenn neue Filialen umgebaut und neu eingerichtet werden sollten. „In der Bahnhofstraße, heute Metzgerei Vogel, haben wir allein zwei Mal umgebaut.“ Goldfuß macht gemeinsame Sache mit dem Schneidermarkt, als der am Roten Hügel und später am Y-Haus eröffnet. Ist 15 Jahre bis Mitte der 80er Jahre zusätzlich mit einer Filiale in der Brautgasse vertreten. Und seit 1994 mit einer Filiale im Grunaupark. „Der Mietvertrag dort läuft Ende März aus. Das war einer der Auslöser für mich, den Betrieb jetzt zu schließen“, sagt der 80-Jährige.

Schlemmerland und Handwerkerstolz

Die Investitionen haben allerdings auch eine Schattenseite: Für seine beiden Töchter baut Goldfuß das Schlemmerland. Ein großes Haus mit Metzgerei, Hotel, Restaurant. Das Haus an der Ecke der Kulmbacher Straße zum Ring, das 1984 eröffnet, wird mit fünf statt der geplanten drei Millionen D-Mark deutlich teurer als geplant, läuft nicht richtig und wird 2005 von der Bank verkauft. „Wir haben viel Lehrgeld gezahlt“, sagt Goldfuß. „Wir hatten nichts ausgegliedert damals. Ich war immer Einzelkaufmann. Der Handwerkerstolz ...“ Doch Goldfuß steckt nicht auf: "Nachdem wir die Filialen reduziert haben, haben wir uns verstärlt um Großkunden gekümmert." Anfang des neue Jahrtausends gehören das Klinikum, die Hohe Warte, das Bezirkskrankenhaus und die Justizvollzugsanstalten in Bayreuth und Hof zu seinen Kunden. 

Lange und vergebliche Suche nach einem Nachfolger

Wie viele andere Metzger auch, hat Goldfuß in den vergangenen Jahren verstärkt mit dem Strom der Zeit zu kämpfen. "Die Umsätze sind in den vergangenen Jahren geschrumpft, weil sich das Verhalten der Kunden geändert hat: Die Alten sind nicht mehr da, die Jungen kaufen anders ein", sagt er. Er habe lange nach einem Nachfolger für sein Geschäft gesucht - gefunden hat er keinen. Von ehemals 55 Metzgern, sagt Goldfuß, "gibt es jetzt vielleicht noch zehn in Bayreuth". Und nach dem Samstag noch einen weniger. Dennoch: In dieser Woche will Goldfuß noch einmal richtig Gas geben, alles anbieten, was seine Kunden mögen. "Vielleicht kommt ja der eine oder andere, der uns schon vergessen hatte, noch einmal vorbei."

Nicht bewertet

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Kommentare

Der beste Leberkäs in Bayreuth! Alles Gute für die Zukunft!