Agus: Förderung für neue Projekte

Es sei selten, dass der Verein mehrere Förderanträge auf einmal von einem Geldgeber bewilligt bekomme, sagt Jörg Schmidt, der Leiter der Bundesgeschäftsstelle, im Gespräch mit unserer Zeitung. Einer dieser seltenen Fälle sei jetzt eingetreten: Die Krankenkasse Barmer GEK habe Fördermittel in Höhe von 17.000 Euro zur Verfügung gestellt, um fünf Projekte zu unterstützen. "Normalerweise bekommen wir mal 2500 oder 3000 Euro an Zuschuss. Das ist schon außergewöhnlich", sagt Schmidt.

Jahrestagung im Oktober

Der gemeinnützige Verein Agus, der 1995 von der Bayreutherin Emmy Meixner-Wülker gegründet worden war, versucht mit Seminaren, einem Rundbrief, einem Internetforum, aber vor allem mit mehr als 60 Selbsthilfegruppen in allen größeren Städten in Deutschland Betroffenen eine Hilfestellung zu geben, die einen Menschen aus ihrem nächsten Umfeld durch Suizid verloren haben. In wenigen Wochen, am 14. und 15. Oktober, hält Agus in Bad Berneck wieder seine Jahrestagung ab, zu der rund 200 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet kommen werden. "Der erste Tag wird dominiert von Berichten betroffener, wie sie mit der Situation umgegangen sind, im Anschluss gibt es verschiedene Gesprächsrunden. Am Sonntag wird mit Chris Paul eine der führenden Trauerbegleiterinnen einen Vortrag halten", sagt Schmidt.

Neue Broschüren für mehr Hilfe

Mit der Förderung durch die Barmer wird Agus nach Angaben von Schmidt eine Broschüre zum Thema "Vergebung", eine zum Thema "Trauer bei Männern" neu auflegen. Außerdem habe man den Infostand für den Kirchentag in Berlin damit finanziert, werde die Wanderausstellung, die durch Deutschland tourt, aktualisieren. "Und wir können damit unsere Homepage neu gestalten", sagt Schmidt. Das Internet sei eine der wichtigsten Anlaufstellen für Menschen, die nach dem Suizid eines Angehörigen Hilfe suchen und so auf den Verein und seine Selbsthilfegruppen stoßen. "Etwa 800 Menschen wenden sich pro Jahr bundesweit an uns", sagt Schmidt. "Ja, eine vergleichsweise kleine Zahl. Aber: Suizid ist mit vielen Schuldgefühlen belastet. Die Hinterbliebenen machen sich enorme Gedanken, ob sie Fehler gemacht haben. Außerdem kommt die Scham dazu." Hinterbliebene, sagt Schmidt, fürchteten den Blick von außen, die Frage, "welche Zustände denn da geherrscht haben müssen", dass ein Mensch Suizid begeht. "Gerade das hat etwas nachgelassen. Aber es ist immer noch da", sagt der Leiter der Bundesgeschäftsstelle.

Betroffene sollen so schnell wie möglich Hilfe bekommen

"Manche Betroffene wenden sich nach zwei Tagen an uns. Andere haben unsere Telefonnummer ein Jahr vor sich liegen, bevor sie bei uns anrufen", sagt Schmidt. Ziel sei, Betroffene so schnell wie möglich an Selbsthilfegruppen vor Ort zu vermitteln. Oder ihnen Material an die Hand zu geben, um Verständnis zu wecken, um zu zeigen, "dass jeder auf andere Art und Weise trauert" und mit dem schweren Thema umgeht. Dass Agus gerade die beiden Broschüren "Vergebung" und "Trauer bei Männern" neu aufgelegt habe, gehe auf "Anregung Betroffener zurück, die Fachvorträge gehört haben, die sie als hilfreich eingestuft haben", wie Schmidt sagt.

Förderung "außergewöhnlich" in dieser Höhe

Carsten Jacob, der Regionalgeschäftsführer der Barmer in Bayreuth, sagt auf Anfrage unserer Zeitung, der Betrag von 17.000 Euro für die Förderung der Projekte von Agus sei in "dieser Höhe außergewöhnlich". Die Krankenkasse stufe die Arbeit von Agus "als extrem wichtig ein, weil sie eine sehr sensible Thematik betrifft, in der Angehörige Schutz brauchen. Das war der Grund für uns, das Geld zur Verfügung zu stellen."

Info: Den Verein Agus erreichen Sie im Netz unter www.agus-selbsthilfe.de.

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