AfD: Neuanfang im Kreisverband

Ein ungewöhnlich leiser Abgang für den 67-Jährigen, der seit 2014 das Bild der AfD im Raum Kulmbach und Lichtenfels nach außen wie kaum ein anderer prägte. Hock setzte sich im Europawahlkampf für die rechte Partei ein und kandidierte zwei Mal für den Bundestag. Zuletzt erzielte er im Bundestagswahlkampf 2017 im Wahlkreis Kulmbach 11,6 Prozent der Erststimmen (Zweitstimmenergebnis: 13,4 Prozent).

Im Kurier-Wahlsteckbrief sagte Hock, er wolle sich für "die Abwahl des Altparteienkartells, der Eliten aus Parteien, Medien und staatsnahen Institutionen, für ein Fortbestehen unseres Volkes, unseres Landes ohne die EU, den Euro und Flüchtlinge" einsetzen. Außerdem wolle er für die Abschaffung des Rechtes auf Asyl kämpfen. Ein anderes Mal erklärte er gegenüber dieser Zeitung, die AfD werde der Regierung bei ihrer Migrationspolitik auf die Finger schauen, damit es zu keinen "überfallartigen Immigrationsströmen" mehr kommen. Ein Einzug in den Bundestag gelang Hock jedoch nicht, da er nur auf einem hinteren Listenplatz gestanden hatte.

"Politik der klaren Kante"

Zuletzt wurde Hock als erneut in den Landesvorstand der Partei gewählt, wo er einer der Beisitzer ist. Aus dem alten Landesvorstand, teilte Hock damals mit, sei nur noch Katrin Ebner-Steiner aus Deggendorf vertreten. Die Mitglieder hätten damit die "Politik der klaren Kante, ihre Authentizität und Unerschrockenheit im Kampf gegen die Altparteien und für Deutschland" honoriert.

Nach den Worten des neuen Kreisvorsitzenden Taubmann ist Hock nur "mit knapper Mehrheit" wiedergewählt worden. Als Landtagsdirektkandidat sei er gegen Gerd Kögler, Schulleiter in Oberkotzau, mit nur sieben Stimmen durchgefallen. Da habe Hock vermutlich erkannt, dass die Mehrheiten für ihn schwinden würden, sagte der bisherige Schatzmeister Taubmann im Gespräch mit dem Kurier. Auf die Frage, ob es Differenzen gegeben habe, antwortete Taubmann: "Herr Hock lässt andere Meinungen nicht zu. Wer nicht bei ihm war, war sein Gegner." Er habe den Kreisverband zwar mit Elan aufgebaut, aber ihn irgendwann so betrachtet, als gehöre er ihm allein. Jetzt habe ihn das gleiche Schicksal ereilt wie schon Frauke Petry und Bernd Lucke. Hock war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Rhetorik der Provokation?

Mit seiner Rhetorik sei Hock manchmal zu weit gegangen. Sich provokativ zu verhalten, um in die Presse zu kommen, halte er für einen falschen Ansatz, so Taubmann. Die Basis habe dies offenbar auch so gesehen. Denn bei der Versammlung hätten 30 von 40 Anwesenden für ihn gestimmt. Hock habe lediglich seinen Rechenschaftsbericht abgegeben und sei dann gegangen. Im neuen Vorstand wieder vertreten ist auch Mandy Myszak (Schatzmeisterin), die wegen der Aussagen von AfD-Kreisverbandsvize Edwin Hübner aus Himmelkron in einem TV-Beitrag von „kontraste“ den Vorstand verlassen hatte. Hübner war sogar vom Verfassungsschutz beobachtet worden. Stellvertreterin ist mittlerweile Daniela Förster.

Bezirksvorsitzender Tobias Peterka begrüßt den Neuanfang im Kreisverband. Er halte die Wahl Taubmanns "durchaus für eine inhaltliche Entscheidung". Der 35-jährige Jurist und Bayreuther Bundestagsabgeordnete fügt hinzu: "Das deutliche Ergebnis spricht für sich." Auch im Bezirksvorstand ist Hock nicht mehr vertreten.

5 (2 Stimmen)

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Kommentare

Die AfDler sind halt (noch) ein gäriger Haufen.

Was positiv zu vermelden ist:
über 40% des Kulmbacher Führungspersonals sind Frauen...
So ist es!
Moderne Feministinnen wählen eh blau.
Na wenn Sie das sagen...
Sollte man "moderne Feministinnen" auch mögen?
Ums "Mögen" geht es nicht... es geht darum, sie zu akzeptieren, was dem ein oder anderen hier sichtlich schwer fällt...
Der Wonseeser Georg Hock hatte seine Zeit,
in dieser war er für die AfDler nützlich.
Spätestens nach jener kruden Fernsehsendung war für ihn klar,
dass es abwärts geht,
abwärts für ihn und seinen Stellvertreter.

Das gleichwohl passable Abschneiden der Kulmbacher bei der letzten Wahl zeigt, dass es bei dieser Partei (in der unteren Führungsebene) nicht unbedingt entscheidend ist, wer führt.

Mit dem ehemaligen SPD-Mitglied und Schulleiter Gerd Kögler aus Oberkotzau verfügt der Kulmbacher Kreisverband über eine kommunikative Persönlichkeit, die ausgleichend wirken kann.