Abschiebung nach Mali droht

Für Daniel Titze war es ein Glücksfall. Da steht ein Praktikant vor ihm, fleißig, kommunikativ, höflich, wissbegierig und Muttersprachler in Französisch. So einen kann der Direktor des Stempferhofs in Gößweinstein gut brauchen, als Praktikant sowieso, als Auszubildenden zum Hotelfachmann noch viel mehr. Titze erlebt es nicht oft, dass jemand zum Schnuppern kommt. Auch im Stempferhof gibt es tendenziell mehr Arbeit als talentierte Berufsanfänger, die sie erledigen wollen.

Innerhalb von zwei Wochen Widerspruch

Aber Dianguina Niakate wollte es. „Der Impuls, bei uns eine Ausbildung machen zu wollen, kam von ihm“, sagt Titze. Über ein Jahr ist es her, dass Niakate für ein Praktikum in seinem Haus war, seit Februar 2017 ist er Auszubildender. Wie lange noch, wissen weder Niakate selbst noch Titze. Dem sogenannten negativen Bescheid, den Niakate vom Bamf erhalten hat, sei zu entnehmen, „dass er innerhalb von zwei Wochen Widerspruch einlegen muss, sonst ist er in einem Monat weg“, fasst Titze zusammen.

Begeistert von seinem Azubi

Der Hoteldirektor würde beim Bundesamt gerne erzählen, dass er begeistert von seinem Azubi im ersten Lehrjahr ist, „aber es werden ja nur die Asylsuchenden zum Interview eingeladen, nicht der Ausbilder. Das ist schwer nachzuvollziehen“. Vor allem, weil das Beispiel Niakates für Titze zeigt, „wie Integration funktioniert“.

Negative Signalwirkung

Auch für die Arbeit von Veronika Kobert war Niakates Werdegang bishier her Gold wert. „Dianguina ist ein Anführer und ein Vorbild“, sagt die Integrationsbeauftragte der Stadt Pegnitz, „er zeigt den anderen Jungs, was man erreichen kann, wenn man hart arbeitet.“ Kobert befürchtet allerdings, dass es eine negative Signalwirkung auf die jungen Asylbewerber haben wird, wenn ausgerechnet die Geschichte von Dianguina Niakate mit einer Abschiebung endet.

Pegnitzer Integrationsarbeit

Der 31-Jährige mag zwar das Vorzeigebeispiel der Pegnitzer Integrationsarbeit sein, doch Kobert hat einige Schützlinge, die es wie Niakate Schwarz auf Weiß haben, dass sie sich eigentlich keine Hoffnung auf eine Zukunft in Deutschland machen brauchen: 30 Flüchtlinge besuchen insgesamt die Berufsintegrationsklasse (BIK) und deren Vorstufe (BIKV) an der Berufsschule Pegnitz. Nach Informationen der Redaktion hat knapp die Hälfte der Schüler bereits einen negativen Bescheid vom Bamf erhalten, ihr Antrag auf Asyl wurde abgelehnt.

Vorfall stellt Arbeit der Lehrer in Frage

„Die Schüler haben Angst, dass sie geholt werden“, sagt Katrin Regn, Klassenleiterin der BIKV. Ein Schüler, der abgeschoben werden sollte, ist seit Ostern verschwunden. „Ich kann ihm keinen Vorwurf machen“, sagt Regn. Der Fall des jungen Afghanen Asef N. aus Nürnberg, der aus dem laufenden Berufsschul-Unterricht herausgeholt wurde um ihn abzuschieben, habe der Lernmoral geschadet. „So ein Vorfall stellt unsere Arbeit als Lehrer massiv in Frage“, sagt Regn. Sie hat sich informiert, was zu tun ist, falls auch in der Pegnitzer Berufsschule eines Tages die Polizei an die Klassenzimmer-Tür klopft. „Dann bin ich verpflichtet, den Schüler zu übergeben. Ich habe keine andere Möglichkeit.“

Leistung und Charakter gelobt

Dianguina Niakate hat die BIK schon hinter sich gelassen. Er besucht den gewöhnlichen Berufsschulunterricht. Regn: „Viele junge Asylbewerber träumen davon, zu studieren oder nach der Ausbildung gleich eine Weiterbildung zu machen. Dianguina ist einer, dem ich zutraue, dass er gleich nach der Abschlussprüfung weiter macht.“ Niakate möchte das. Aber kann er nachvollziehen, dass er sich nach Ansicht seines Arbeitgebers perfekt integriert hat, seine Leistung und sein Charakter gelobt werden — und er trotzdem das Land verlassen soll. „Das ist eben die große Politik“, sagt Niakate und klingt dabei wesentlich unaufgeregter als Lehrerin Regn, Kobert und Titze. Obwohl er über seine eigene, unsichere Zukunft spricht. Die Hoffnung hat er trotz negativem Bescheid nicht verloren. „Ich möchte mich nach der Ausbildung weiterbilden. Die Arbeit im Hotel macht mir Spaß, ich möchte auf jeden Fall in dieser Branche bleiben“, sagt er.

An Weiterbildungen denken Susanne Bauer und Werner Dunst vom Unterstützerkreis Pegnitz noch nicht. Erst einmal geht es darum, dass Niakate zumindest seine Ausbildung zu Ende machen darf. Das will der Unterstützerkreis mittels einer Duldung des Landratsamtes erreichen.

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