Abgetaucht in Argentinien

Mit ihm ist seine 42-jährige Freundin Dolores Iglesias Benavides, eine in Hof geborene Spanierin, unterwegs.

Polizei und Staatsanwaltschaft schätzen, dass sich das Paar mit rund zwei Millionen Euro an unterschlagenen Geldern aus dem Staub gemacht hat. Der Löwenanteil, rund 1,4 Millionen Euro, stammt von Konten der katholischen Pfarrei Sankt Marien, deren ehrenamtlicher Kirchenpfleger Kaus von 2008 bis zu seinem Verschwinden war. Der Rest sind Privatdarlehen, die sich Kaus von Bekannten geben ließ. Als er abtauchte, waren sie ebenso fassungslos wie die Verantwortlichen der Kirchengemeinde, die dem gelernten Banker blind vertraut hatten.

Das korpulente Paar trat eine Flucht rund um den halben Erdball an. Über Wien, Dubai und Australien flogen beide nach Argentinien. Im Badeort Plata del Mar mieteten sie sich vom 5. bis zum 12. Juni 2012 in einem großen Hotel ein. Dort verliert sich die Spur. Das bayerische Landeskriminalamt geht allerdings davon aus, dass sich beide immer noch in Argentinien aufhalten und nun mit falschen Papieren unter anderem Namen unterwegs sind.

Millionenschulden

Die religiöse Einstellung, die Kaus in Hof gern demonstrativ zur Schau stellte, darf man auch ohne den finanziellen Betrug als Scheinheiligkeit bezeichnen. Bei seiner Flucht ließ er nicht nur Millionenschulden, sondern auch Frau und Familie zu deren völliger Überraschung zurück. Monate nach der Flucht wurden sie noch einmal bitter verhöhnt: Im Internet bedankten sich Kaus und Benavides für den guten Service einer kommerziellen Hochzeitskapelle in Las Vegas. Dort hatten sie sich Wochen vor dem Abtauchen – unwirksam – trauen lassen. Seiner Ehefrau hatte Kaus erklärt, dass er sich auf eine Geschäftsreise begeben müsse.

Unklar ist, wie lange der ehemalige Prokurist der Vereinigten Volksbanken Hof-Helmbrechts-Münchberg eG sein Abtauchen geplant hatte. Schon zu Bankzeiten war Kaus nicht nur durch seine demonstrative Kirchennähe, sondern auch durch sein überaus selbstbewusstes Auftreten aufgefallen. Zudem verfügte er über eine erstaunliche Vielzahl verschiedenster Kreditkarten. „Für einen Bankangestellten in einigermaßen gehobener Stellung eigentlich ein unmögliches, weil unseriöses Verhalten“, erinnert sich einer der damaligen Bankmitarbeiter.

Liste der meistgesuchten Straftäter

Nun wird spekuliert, ob er diese Karten auch einsetzte, um die Meldepflicht regulärer Banken bei Verdacht auf Geldwäsche zu umgehen und seine Beute ins Ausland zu transferieren.

Nach seinem Ausscheiden aus den Bankendiensten hatte Erwin Hans Kaus ein Finanzberatungsbüro in Plauen eröffnet. Zudem war er Geschäftsführer einer Gesellschaft, die ein Restaurant und einen Feinkostladen in nobler Lage am Dresdner Neumarkt betrieb. Geleitet wurde es von seiner heimlichen Freundin Dolores Iglesias Benavides. Sie stand ihm auch bei der Buchhaltung der Kirchenstiftung Sankt Marien zur Seite.

Das Insolvenzverfahren hatte eine ehemalige Angestellte von Kaus im November 2012 in Gang gebracht. Finanzielle Vorteile hatte sie sich davon nicht erwartet. „Es war nur mit Ärger und Gebühren verbunden“, sagte die Frau unserer Zeitung, „aber ohne den Antrag hätte ich nicht einmal Insolvenzgeld vom Arbeitsamt bekommen.“

Klosterschwestern schöpfen Verdacht

Beim Bundeskriminalamt werden Kaus und Benavides immer noch auf der Liste des meistgesuchten Straftäter Deutschlands geführt. In Argentinien gehört das Paar zu den acht meistgesuchten Flüchtigen – in beiden Ländern gemeinsam mit Terroristen und Mördern. Im Sommer 2016 sah es schon einmal so aus, als ob die Suche ein Ende hat. Klosterschwestern hatten in Baden-Württemberg Verdacht geschöpft und die Polizei verständigt. Doch es war ein anderes Paar. Der Einsatz lohnte sich trotzdem: Sowohl der Mann als auch die Frau wurden mit mehreren Haftbefehlen gesucht.

In seinem jüngsten Fahndungsaufruf geht das bayerische Landeskriminalamt davon aus, dass sich Erwin Hans Kaus und Dolores Iglesias Benavides immer noch in Argentinien aufhalten. Für Hinweise, die zu ihrer Festnahme führen, ist eine Belohnung von 5000 US-Dollar ausgesetzt.

Nicht bewertet

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Kommentare

"rund 1,4 Millionen Euro, stammt von Konten der katholischen Pfarrei Sankt Marien"
Ist der Betrag richtig, oder handelt es sich um einen Druckfehler ?

Wenn ja, muss man sich als braver Zahler der Kirchensteuer und Spender in der Kollekte schon Gedanken machen.
Bin ich froh über meine Verfehlung: ich habe das zusätzlich eingeforderte Kirchgeld nie bezahlt.
Man kann nur jedem den Austritt nahelegen!
Hallo hohehu
ich wollte es nicht so schreiben,
hatte aber den gleichen Gedanken: schnell weg .......!
G'schmarr...
wer zahlt dem AN nun die Feiertage ? die Kirche oder der Arbeitgeber ?
...mit G'schmarr meine ich Schnuffi 53 und hohehu! Alle christliche Feiertage ausnutzen!
Aber AUSTRETEN aus der christlichen Gemeinschaft! Wie ERMÄRLICH!!!
Nein, Sie irren, Vox13!
Reden Sie einmal im Vertrauen mit einem Pfarrer, den Sie auch privat kennen, dann wissen Sie was Sache ist und was gärt selbst innerhalb des Kirchensystems. Viele Pfarrer würden selbst austreten, wenn sie es denn nur könnten, weil sie längst nicht mehr der dem zustimmen, was ihre Staats- und Systemkirche offiziell predigt... allein die pure Angst vor Kritik und Karriereende hindert sie daran. Sie verabscheuen längst ihren Beruf, weil sie vielmehr zu Lakaien des Systems geworden sind, denn Bewahrer der Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe im Dienste der Gläubigen (sprich ihrer Gemeinde).
Der Austritt aus der christlichen Gemeinschaft per se ist nach der Taufe nicht möglich; wenn dann tritt man nur aus der Steuergemeinschaft aus. Das habe ich vor einigen Jahren getan mit gutem Gewissen; ich unterstütze lieber Tierschutzorganisationen oder deutschfreundliche Parteien und Medienorgane denn die "Kirchen", die das Geld eh nur in zweifelhafte Selbsthilfeorganisationen stecken.
wer zahlt dem AN nun die Feiertage ? die Kirche oder der Arbeitgeber ?