Ab Donnerstag läuft das Volksbegehren gegen Studiengebühren

Manfred Müller ist froh. Der 26-jährige Jura-Student bekommt den vollen Bafög-Satz. Müller muss nicht arbeiten gehen, um sich sein Studium zu finanzieren. Er arbeitet nur ehrenamtlich. Vielen Kommilitonen gehe es nicht so, sagt er. Sie müssten zusehen, wie sie die Studiengebühren bezahlen. „Die verteilen zum Beispiel Flyer, gehen kellnern oder tragen Zeitungen aus“ sagt er.

Oft leide darunter das Studium, weil zum Lernen nicht mehr viel Zeit bliebe. Müller engagiert sich als Vertreter der JuSo-Hochschulgruppe im lokalen Aktionsbündnis für das Volksbegehren gegen Studiengebühren. Das Bündnis setzt sich aus einer bunten Mischung zusammen. Grüne, Sozialdemokraten, Linke, Piraten, Ver.di, Kirchen- und Elternvertreter, die freien Wähler und die Bayreuther Gemeinschaft setzen sich gemeinsam für die Abschaffung der Gebühren ein. Gestern erklärten sie bei einer Pressekonferenz, warum.

Gefahr, dass Studenten abwandern

„Studiengebühren sind einfach ungerecht gegenüber denjenigen, die weniger Geld haben“, sagte der Landtagsabgeordnete der SPD, Christoph Rabenstein. Es sei nicht einsehbar, wieso das wohlhabende Bayern seinen Studenten Geld abknöpfe. Die Gefahr sei groß, dass Studenten in andere Bundesländer ohne Studiengebühren abwanderten. In der Familie von Manfred Müller ist genau das bereits passiert. „Meine Schwester hat sich für ein Studium in Fulda entschieden“, sagt er. Sie studiere mittlerweile in fünften Semester Lebensmitteltechnik. Die Gebühren waren der Grund für die Wahl der Uni.

„Es schreckt einfach vom Studium ab, wenn man hinterher mit einem Schuldenhaufen ins Berufsleben startet“, sagt Tim Pargent, Vorsitzender des Kreisverbandes der Grünen. Bafög müsse schließlich zurückgezahlt werden. Und wer stattdessen nebenbei jobbt – der hat eben weniger Zeit für das Studium. Die Auswirkungen bekommt Manfred Müller jeden Tag in seinem Kreise seiner Kommilitonen zu sehen. „Wenn sieben Klausuren anstehen, man aber noch dreimal die Woche Flyer verteilen muss – dann wird das schon schwierig“, sagt er.


Den ausführlichen Artikel lesen Sie in der Dienstagsausgabe (15. Januar) des Kuriers.

Symbolbild: dpa

Nicht bewertet

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Kommentare

Rabenstein ist einfach nur ein kleiner Populist!
Natürlich sehen Studiengebühren auf den ersten Blick unsozial aus.
Aber warum bezahlt der Ingenieur für sein Studium nichts? Gleichzeitig aber - die typische Klientel der SPD - muß der Handwerksmeister seine Ausbildung selber bezahlen?
Der Meister bekommt, da er keinen Hochschulabschluß hat, weniger Lohn, bezahlt vom ersten Tag seiner Ausbildung Steuern und bezahlt seine Ausbildung. Wenn Ingenieur und Meister nachher zusammen arbeiten, hat der Ingenieur weniger für seine Ausbildung bezahlt, als der Meister, bei gleicher Qualifikation?
Danke, Herr Rabenstein! Das soll sozial gerecht sein?
"Der Meister bekommt, da er keinen Hochschulabschluß hat, weniger Lohn..."

Das trifft vielleicht zu, wenn man tatsächlich den Ingenieursabschluss heranzieht und nochmal zehn Jahre wartet. Es ist aber so, dass a) der "Meister" schon während seiner Ausbildung Geld verdient und es b) genügend Studienfächer und Abschlüsse gibt, bei denen das Einstiegsgehalt eines Ingenieurs schlicht utopisch ist.

Ich bin auch kein Freund von Herrn Rabenstein. Aber: Sozial gerecht ist, wenn alle die Möglichkeit haben, ihren bevorzugten Bildungsweg zu gehen - unabhängig davon, was ihre Eltern verdienen.

Ja, das klappt in Bayern nicht mal in Sachen Schulbildung. Aber irgendwo muss man anfangen - und die Abschaffung der Studiengebühren ist da ein sehr guter Anfang.

Herr Seehofer hat sein Fähnlein ja bereits nach dem Wind ausgerichtet und zweifelt ebenfalls an diesem Fehlschluss der jüngeren Bildungspolitik. Insofern dürfte sich die Sache - hoffentlich - bald so oder so erledigt haben.
Rabenstein ist einfach nur ein kleiner Populist!
Natürlich sehen Studiengebühren auf den ersten Blick unsozial aus.
Aber warum bezahlt der Ingenieur für sein Studium nichts? Gleichzeitig aber - die typische Klientel der SPD - muß der Handwerksmeister seine Ausbildung selber bezahlen?
Der Meister bekommt, da er keinen Hochschulabschluß hat, weniger Lohn, bezahlt vom ersten Tag seiner Ausbildung Steuern und bezahlt seine Ausbildung. Wenn Ingenieur und Meister nachher zusammen arbeiten, hat der Ingenieur weniger für seine Ausbildung bezahlt, als der Meister, bei gleicher Qualifikation?
Danke, Herr Rabenstein! Das soll sozial gerecht sein?
Das sind Bauernfängertricks.
ja, ich weiß, dass es Ausnahmen gibt aber trotzdem werde ich es schreiben:

Es sind die typischen Rot/Grün-Wähler, denen die Studiengebühren ein Dorn im Auge sind, weil ein langjähriges Versumpfen an der Uni so nicht mehr umsonst möglich ist.

Soweit ich weiß, muss in Bayern nur ein Kind Studiengebühren zahlen, wenn ein oder mehrere Kinder ebenfalls an einer bayerischen Universität eingeschrieben sind. Kann es sein, dass Hr. Müller hier etwas flunkert, was die Studienortwahl seiner Schwester betrifft?
Na, mal wieder zu lange den Kopf in die Vorurteilskiste gesteckt?

"Die typischen Rot/Grün-Wähler" sind eine homogene Masse, die natürlich alle studiert haben. Das ist ja völlig klar, ein Blick auf die Sozialstruktur dieser Leute bestätigt das. Besonders die Wähler der Grünen und ihre Kinder könnten sich mehrjährige Bildungsaufenthalte an deutschen Unis gar nicht leisten, da sie ja bekanntermaßen zu den Bildungsfernsten und Ärmsten gehören...

Was für a Gwaaf, fei ehrlich! Da habe ich von Ihnen schon Fundierteres gelesen.

Und ja, es gibt Familien, für die sind auch gut 500 Euro für das erste studierende Kind viel Geld. Es gibt auch Familien, deren Kinder nicht alle gleichzeitig in Bayern studieren - Stichwort Fächervielfalt oder günstiger Wohnraum, der dann eher woanders zu finden ist.
Studiengebühren sind nicht per se schlecht. Nur leider war die Durchführung nicht durchdacht, zumal nicht bundeseinheitlich. Entweder also massiv nachbessern oder sein lassen.