65 Jahre Zärtlichkeit

Einträchtig sitzen die beiden im Esszimmer. Beide ein Glas Sekt in der Hand. Er trägt einen blauen Anzug, ein blau-weiß gestreiftes Hemd und eine blaue Krawatte. Sie hat eine graue Stoffhose, ein grau gemustertes Oberteil und eine rosarote Blazerjacke an. Die beiden strahlen eine innere Zufriedenheit aus, die beneidenswert ist.

Ganz stolz zeigt er den Brief mit Glückwünschen zur eisernen Hochzeit vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier her. „Wir haben vom Bundespräsidenten einen Brief bekommen.“ Annemarie und Horst sind bescheiden, wenn es um ihre Ehe geht und wie sie es geschafft haben, so lange zusammen zu sein. „Es ist doch nichts Besonderes“, sagt sie.

Gekuschelt und geküsst wird auch noch nach 65 Jahren Ehe. „Aber wir streiten auch ab und zu“, sagt Horst. Das gehöre einfach dazu. „Wenn zwei Menschen immer die gleiche Meinung haben, ist das doch langweilig“, sagt Annemarie.

Zufrieden sein mit dem,was man hat

Was das Geheimnis ihrer langen Ehe ist, wissen sie selbst nicht so genau. „Gegenseitige Rücksichtnahme ist wichtig. Nicht immer nur „Ich, Ich, Ich“, sagt Horst Rupprich. Annemarie ergänzt, dass man im Leben zufrieden sein müsse mit dem, was man hat. „Und nicht immer alles haben wollen.“

Die Familie ist wichtig. Annemarie liebe ihre ganze Familie, sagt sie gerührt. „Im Sommer sitzt oft die ganze Familie außen im Garten“, sagt Horst. Aber das Haus hat er schon vor Jahren seinem Sohn überschrieben. Der wohnt im ersten Stock ihres Hauses, das Jubelpaar unten im Erdgeschoss. 1952 haben sie angefangen das Haus zu bauen. Einige Dinge habe er selbst gebaut, zum Beispiel die Treppe, erzählt Horst.

Er war 30 Jahre beim Stadtgartenamt in Bayreuth tätig, erst als Gärtner, später als Meister. Die jetzige Chefin habe er noch ausgebildet, erzählt er. Seit 25 Jahren ist er in Rente. Sie hat in der Schokoladenfabrik am Brannaburger gearbeitet und war für die kleinen Ostereier zuständig.

Auch in der evangelischen Kirche in Laineck war sie sehr engagiert. Die ersten zehn Jahre nach dem Bau der Kirche, also von 1972 bis 1982, hat sie dort zusammen mit einer anderen Frau geputzt. „Das waren für jeden zehn Fenster“, sagt sie. „Wenn wir alles geputzt haben, mussten die ganzen Stühle rausgeräumt werden“. Mit einer Putzmaschine wurde der Boden zum Glänzen gebracht.

Das Paar versorgt sich noch selbst

Annemarie ist stolz auf ihre Arbeit in der Epiphaniaskirche in Laineck. Ihre Söhne waren unter den ersten Konfirmanden der Epiphaniaskirche. Die Rupprichs haben drei Söhne, erst kam Werner, dann die Zwillinge Udo und Harald. „Wir haben drei gute Schwiegertöchter“, sagt sie. Die Familie ist inzwischen gewachsen. Sechs Enkeltöchter, einen Enkelsohn, fünf Urenkel und eine Urenkelin haben die beiden inzwischen. „Alle wohnen in Bayreuth und der Umgebung“, sagt Horst Rupprich.

Doch von einschneidenden Ereignissen sind die Rupprichs nicht verschont geblieben. Sie waren mitten im Hausbau, der älteste Sohn Werner war noch ganz klein, als Horst einen Arbeitsunfall hatte: er stürzte von einem Baum und fiel sieben Meter tief auf die Teerstraße. Die Folge war ein doppelter Wirbelbruch.

Ein Jahr lang musste er liegen bleiben. Vor seinem Zimmer im Krankenhaus hörte er, wie sich seine Ärzte miteinander unterhielten. „Hoffentlich kann er wieder laufen“, haben sie gesagt. „Und wie ich wieder laufen kann“, sagt Horst strahlend. Gesundheitlich sind beide fit. Er braucht nur zum Lesen eine Brille, aber bloß mit schwachen Gläsern. Sie leidet unter der Augenkrankheit Makula. Viele Dinge sind unscharf. Deswegen kann sie alleine nicht mehr einkaufen gehen. Aber zusammen mit ihrem Mann geht sie einkaufen. Er fährt noch Auto, die beiden versorgen sich selbst.

Ganz Europa mit dem Wohnwagen bereist

In ihrem Leben sind die Rupprichs viel herumgekommen. Ganz Europa haben sie bereist, hauptsächlich mit dem Wohnwagen. „Wir waren überall, wo man Deutsch spricht in Europa“, sagt Horst. Ab und zu Urlaub auf dem Bauernhof oder in einer Ferienwohnung.

Am liebsten waren ihnen Urlaube in der Schweiz bei guten Bekannten oder in Südtirol. „Südtirol könnte meine zweite Heimat sein“, sagt Horst. „Es gibt keine Ecke von der Schweiz, die wir nicht gesehen haben“, sagt Annemarie. So weite Reisen machen die beiden nicht mehr. „Zum Kaffeetrinken in die Fränkische Schweiz fahren wir aber noch“, sagt sie.

Feuerwehr musste schon öfters kommen

Die Zwillinge Harald und Udo sind beide bei der Freiwilligen Feuerwehr in Laineck. Und die musste schon öfter zu den Rupprichs kommen. „Am Haus hat es mal gebrannt, da ist Horst gleich raus und hat mit dem Gartenschlauch gelöscht bis die Feuerwehr Laineck da war“, sagt Annemarie. „Das war schlimm.“ Ein anderes Mal haben das Auto und der Wohnwagen gebrannt, lichterloh. Seitdem ist nichts mehr passiert.

Das nächste Ziel von Horst steht fest: „Ich will 100 werden“, sagt er mit fester Stimme. Aber zunächst ist am Sonntag ein großes Fest. „Wir feiern unsere eiserne Hochzeit und meinen Geburtstag“, sagt Annemarie. Sie wird 86 Jahre alt.

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