600 Zuschauer bei Fight Night

Wer geht da eigentlich hin? Großflächig tätowierte junge Männer sind ganz klar in der Überzahl. Unter den knapp 600 Zuschauern finden sich aber auch Frauen und vereinzelt Senioren. Der Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer schaut ebenfalls zu. Dass die meisten Gäste tatsächlich aus der Region kommen, wird klar, wenn ein Pegnitzer im Ring steht. Dann brüllen Hunderte Kehlen den Vornamen des Kämpfers und jubeln bei fast jedem gelandeten Schlag oder Tritt.

Mehr familienfreundlich als blutrünstig

Laut wird es auch beim MMA-Fight, dem einzigen Kampf des Abends, der – nach Mixed-Martial-Arts-Regeln – auch am Boden weitergeht. Eindeutig: Das Publikum ist gekommen, um ganz nah dran zu sein, wenn es zur Sache geht. Trotzdem ist die Stimmung in der Halle mehr familienfreundlich denn blutrünstig, das liegt vor allem an den Kämpfern und ihrem Sportsgeist. Vor jedem Aufeinandertreffen klatschen sie sich ab, und wenn Schluss ist, ist Schluss.

Keine Hinterhof-Atmosphäre

Außerdem: Wie viel Hinterhof-Atmosphäre kann schon aufkommen, bei all den bunten Linien auf dem Boden der Sporthalle, Basketballkörben an der Decke und Kletterstangen in der Ecke? Für wenigstens ein bisschen Fight-Club-Gefühl sorgt die Motorrad-Gang, die sich dort positioniert hat, wo die Sportler durch künstlichen Nebel zum Ring schreiten. Aber auch diese Gäste gehen zum Rauchen vor die Tür, Stress sucht hier niemand.

Gegner nicht ausgesucht

Sind die Pegnitzer gut? Als Gastgeber ist das immer so eine Sache: Gewinnst du alle Kämpfe, lästern sie in der Szene, dass absichtlich deutlich schwächere Gegner eingeladen wurden. Und wenn du alle verlierst, lachen sie dich aus. So ähnlich hat das auch Tobias Potzler vor dem Event gesagt, der Chef von Fight Sports Pegnitz und Veranstalter der Fight Night. Nach dem Event sagt er: „Ich denke, man hat gesehen, dass wir uns die Gegner nicht ausgesucht haben. Unsere Pegnitzer haben alle mit Würde gekämpft und alles gegeben.“

Chance auf Meistertitel

Für Fight Sports steigen Patrice Heer (Kickboxen), Stefan Maier (Muay Thai, K-1) und Nabi Mohammadi (Muay Thai, Oriental Rules) zwischen die Seile. Mohammadi bekommt im Hauptkampf die Chance auf den deutschen Meistertitel des Verbandes IFSA gegen Bashir Ghassemi aus Pforzheim. Doch schon im zweiten Aufeinandertreffen des Abends wird dem Hauptact die Show gestohlen: Die 16-jährige Patrice Heer gibt ihr Debüt. Sie liefert sich eine wahre Schlacht mit der Pforzheimerin Salina Berg.

Zwei Anfängerinnen

Dass sich hier zwei junge Anfängerinnen gegenüberstehen, ist auch für den Laien erkennbar: Viele Aktionen finden mangels Deckung ihr Ziel, was das Publikum erst recht zum Toben bringt. Nach der zweiten Runde sitzt Patrice Heer in ihrer Ecke und pumpt wie ein Maikäfer. Aber sie muss noch einmal für zwei Minuten ran. Wieder schenken sich die Mädchen nichts; als der Gong zum letzten Mal erklingt, erhebt sich das Publikum und zollt den Kontrahentinnen mit Applaus im Stehen Respekt.

Pegnitzerin knapp besser

Die Kampfrichter sehen die Pegnitzerin knapp besser. „Es hätte auch umgekehrt ausgehen können“, sagt Tobias Potzler, der natürlich mächtig stolz auf seine Schülerin ist. Aus Pegnitzer Sicht steht es am Ende 1:2, weil Stefan Maier (0:3 nach Runden gegen den Fürther Tarik Jassir Abdelkarim) und Nabi Mohammadi (1:4 nach Runden) ihre Kämpfe jeweils nach Kampfrichterentscheidung verlieren. Für sie gibt es genau wie für alle anderen Zweitplatzierten zum Trost Silbermedaillen, die elf Goldpokale sind für die Sieger.

After-Show-Party

Wie war es? Der Veranstalter ist mit dem Abend sehr zufrieden. Er endete nicht nach viereinhalb Stunden in der Halle, sondern irgendwann nachts nach einer After-Show-Party. „Es hat alles prima geklappt“, sagt Tobias Potzler, „das Niveau der Kämpfe war noch mal höher als im Jahr zuvor.“ Für ihn steht bereits fest: Die Fight Night wird im Herbst 2018 in ihre vierte Runde gehen.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06