3-D-Project macht Ende Januar zu

Um die Geschichte zu verstehen, muss man weit zurückblättern. Rainer Sölch ist 53 Jahre alt. Und er ist selbstständig, seit er 16 ist. Sölch ist einer der Väter der oberfränkischen Surferszene. Er hat mit 14 "den sehnlichsten Wunsch: ein Surfboard". Den erfüllt er sich mit seinem Konfirmationsgeld. Und bekommt gleich noch einen See dazu, in dessen Nähe er praktischerweise wohnt - den Förmitzspeicher. Sölch ist nicht zufrieden mit dem Surfbrett, "das Material war recht bescheiden in der Entwicklung", sagt er. "Im ersten Jahr habe ich damit begonnen, das Brett zu verbessern. Leichter, besser, schneller", sagt er.

Sölch legt mit 16 Grundstein für Manufaktur

Schnell finden andere Surfer Interesse an dem, was Sölch baut. Der Grundstein für eine Manufaktur ist gelegt, die er mit 16 aufzieht. "Ich habe mit 18 eine Schreinerlehre gemacht, parallel zur Manufaktur. Eigentlich wollte ich Bootsbau machen, was aber nicht möglich war. Aber es geht ja um den Werkstoff, um Holz." Nach dem anschließenden Zivildienst, Mitte der 80er Jahre, macht Sölch in Schwarzenbach einen Laden auf. "Da wir uns ja sehr stark mit dem Surfbrettbau beschäftigt haben, hatten wir großes Interesse daran, die Saison so lange wie möglich zu ziehen. Möglichst bis in den Winter rein." Die Idee, auf Schnee nicht nur mit zwei Skiern zu fahren, sondern mit einem großen Brett, dem Surfen nicht unähnlich, stand im Raum. Sölch sagt: "Wir haben mit Schneebrettern herumexperimentiert, bevor es offiziell als Snowboard bekannt wurde. Hier wurde das Snowboard sicher mit erfunden.“ In der Phase, in der aus der Ski- auch die Snowboardindustrie wurde, "war ausschlaggebend für unseren damaligen Geschäftserfolg: Wir haben durch unser Vorwissen viele Prototypen und Formen für die Industrie gebaut."

1992 startet das Geschäft so richtig durch

Mit dem Snowboard, der dazugehörigen Ausrüstung, "ist die Nachfrage in Schwarzenbach im Laden schnell durch die Decke gegangen". Sölch eröffnet 1992 mit seinem damaligen Partner eine Filiale in Hof, 1993 kommt er mit dem Watercolors nach Bayreuth. Ein kleines Geschäft in der Badstraße, das 1995 in die Sophienstraße zieht. Seit 1999 ist er in der Schulstraße. Dort, wo er voraussichtlich Ende Januar zusperrt. Aus mehreren Gründen, wie er sagt. Mit großer Zuversicht ist er damals dorthin. "Mit Aussicht auf eine große Frequenz, die ja wegen des Baus der Zentralen Omnibushaltestelle zugesagt war." Mehrere 10.000 Menschen sollten sich dort jeden Tag zwischen dem Markt und der ZOH bewegen, waren die Prognosen der Stadt. "Wenn ich an guten Tagen die Leute gezählt habe - bevor die Norma unten eröffnet hat - kam man auf 2000 Leute", sagt Sölch.

"Seit zehn Jahren die einzige Tür in der Straße"

Als das 3-D-Project, wie Watercolors aus innerbetrieblichen Gründen seit 1999 heißt, eröffnet, gibt es im Umfeld die Reise-Quelle, unten in der Kanalstraße Lotto-Urban, eine Bäckerei, den Karstadt-Seiteneingang. "Seit zehn Jahren sind wir die einzige Tür in der Straße." Zudem brächten große Veranstaltungen auf dem sanierten Marktplatz dem Handel nicht wirklich einen Nutzen: "Wenn Feste oder Märkte sind, ist die Schulstraße oft mit Baken abgesperrt. Da geht kaum ein Kunde runter. Wenn die Veranstaltung am ersten Samstag im Monat stattfindet, spürst du das den ganzen Monat."

Das Problem: Die Frequenz bei Veranstaltungen

Die Frequenz bei Veranstaltungen in der Innenstadt ist aber nicht das einzige Problem: "Selbst für die Grundfrequenz in der Innenstadt gibt es scheinbar keine Gesetzmäßigkeiten mehr. Das gilt wohl auch für andere Städte. Das macht es schwer, entsprechend mit Personal zu planen." Sölch macht den Laden seit einiger Zeit allein, vier Aushilfen "sind je nach zu erwartender Frequenz mit hier. Weil Personal eine der wesentlichen Stellschrauben ist, die man mit schwindendem Rohgewinn als Einzelhändler hat".

Ertragslage auch online "schwierig"

Obwohl Sölch seit langem im Internet mit seinem Shop aktiv ist, nennt er auch hier die Ertragslage "schwierig". Das Geschäft im Internet sei extrem preisgetrieben, deshalb sei er nach großen Investitionen vor gut sechs Jahren zu einem schmaleren Modell zurückgekehrt. "Die größte Effizienz des Onlineshops ist die Sichtbarkeit für den Kunden – ohne Onlineshop wäre die Frequenz im Stationärgeschäft geringer."

Fachhandel als Spielball des Klimawandels

Der Fachhandel, wie Sölch ihn betreibt, ist ebenso Spielball des Klimawandels: "Wir haben das dritte Jahr in Folge keinen wirklichen Winter mehr. Auch ein Grund, das Geschäftsmodell zu überdenken. Denn in guten Phasen haben wir 60 Prozent des Jahresumsatzes mit den Snowboards und deren Komplementärartikeln gemacht. Ein bisschen kompensieren können wir es mit Kletterausrüstung, aber da hat man eine extrem dünne Marge."   

Der Lockruf eines Freundes: Boards bauen nach einer ganz neuen Technologie

Was Sölch in den vergangenen Monaten intensiver daran denken ließ, den Laden vorerst aufzugeben, ist der Lockruf, der an seine Anfänge erinnert: Ein Freund hat "ein Patent auf eine neue, revolutionäre Sandwich-Bau-Technologie. Mit ihm zusammen werden wir Snowboards, Longboards, Ski produzieren. Ein Investor hat dafür eine Produktionsanlage bei Chemnitz gebaut". Im Januar wird die Manufaktur voll in Betrieb gehen. "Eine andere Aufgabe, als einen Laden am Laufen zu halten, der nur mit sehr, sehr hohem Aufwand wirtschaftlich zu betreiben ist." Ein kompletter Abschied aus dem Einzelhandel in Bayreuth sei das aber nicht, sagt Sölch. "Es ist was in der Pipeline." 

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