150 Jahre "Made in Gefrees"

Eigentlich wollte Gerd Langer Autodesigner werden. Heute produziert er unter anderem Pumpen für die Lebensmittelindustrie, die ihn in der deutschen Zuckerindustrie zum Marktführer gemacht haben. Seine Firma, der Maschinenbauer und Eisengießer Herold in Gefrees, ist genau 150 Jahre alt. Das feiert er an diesem Samstag mit seinen 85 Mitarbeitern.

150 Jahre, in denen sich bei Herold so ziemlich alles geändert hat, bis auf zwei Dinge: Die Firma arbeitet heute noch, wo sie 1867 gegründet wurde. Damals außerhalb der Stadt gelegen, heute mitten in der Stadt, da, wo die Witzleshofer Straße auf die Hauptstraße trifft. Und heute noch wird Eisen gegossen bei Herold.

Der Unternehmer: Gekauft hatte die Firma Herold vor 40 Jahren Gerd Langers Vater, damals Eigentümer des Marktschorgaster Landtechnikanbieters BSA. Gerd Langer führt Herold seit 20 Jahren. Der 67-Jährige mit dem vollen längeren Haar, das über den Kragen reicht, hatte zunächst Maschinenbau studiert, „weil mein Vater das zur Voraussetzung machte, in die Firma einzutreten.“

Doch Maschinenbau war nicht sein Ding. Und den Autodesigner schlug er sich auch wieder aus dem Kopf. Der „Stern“ hatte damals berichtet, welch unzufriedene und verkorkste Existenzen Autodesigner seien. Und als Student an der renommierten Folkwang-Hochschule in Essen war Langer in Kontakt mit Ford-Designern aus Köln gekommen. Deren Entwürfe selten Wirklichkeit wurden, weil die Manager es immer besser wussten. Langer wurde Industriedesigner.

Die Wendelkolbenpumpe: Eines der Hauptstandbeine von Herold sind Wendelkolbenpumpen für die Lebensmittelindustrie. Wer bei Aldi ein Glas Preiselbeeren kauft, kann sicher sein: Die Beeren sind zuvor durch eine Pumpe „Made in Gefrees“ gelaufen. Langers Vater hatte eine Pumpe entworfen, deren zwei Körper so geformt waren, dass sie Preiselbeeren und andere Lebensmittel gleichmäßig und schwankungsfrei befördert, ohne sie zu zerquetschen. Als das Patent auslief und die Konkurrenz schon in den Kopierstartlöchern stand, entwickelte Gerd Langer die Pumpe weiter, optimierte die Wendelkolben mit einem Sinuskörper. Und erhielt ein neues Patent. Was Herold von vielen anderen Anbietern unterscheidet, ist die hohe Fertigungstiefe. Bei Herold kommt alles aus einer Hand, sogar eine eigene Lackierei gibt es.

Die größte Lebensmittelpumpe von Herold leistet fast 1000 PS und schafft 730 Kubikmeter in der Stunde. Drei dieser Monsterpumpen stehen seit wenigen Jahren in Dubai, im größten Zuckerwerk der Welt.

Die Gießerei: Mit extrem kleinen Stückzahlen besetzt Herold eine Nische, die andere Gießereien nicht mehr bedienen. Wenn gewünscht, wird auch nur ein Unikat hergestellt. Das schwerste Gussstück, das jemals bei Herold entstand, wog 11,5 Tonnen. Zum Abtransport musste ein Tieflader direkt in die Halle fahren.

Die Zukunft: „Man muss immer wieder was Neues entwickeln“, ist Langers Credo. Und nicht immer wird aus einer Idee, einem Prototyp ein marktfähiges Produkt.

   Vor einigen Jahren tüftelte Langer an einer Pumpe für Biogasanlagen. Doch die Politik kam ihm in die Quere. Biogasanlagen standen auf einmal nicht mehr auf der Liste der bevorzugten Anlage für erneuerbare Energien, die Förderhürden für neue Anlagen stiegen, der Markt für das vielversprechende Produkt war im Grunde tot.

Doch Langer hat bereits ein neues Feld im Visier: kommunale Kläranlagen. Dort sorgt „Zopfbildung“ zunehmend für Probleme. Weil Menschen ihr Klo als Mülleimer missbrauchen, kommt immer mehr in der Kläranlage an, das sich im Klärprozess nicht zersetzt, zopfähnliche Klumpen verstopfen buchstäblich die Kläranlage. Im kommenden Jahr soll eine Schredderpumpe auf dem Markt kommen, die hier abhilft.

Langer wird in wenigen Tagen 68 Jahre alt. „Ein paar Jahre will ich noch machen. Ich habe noch viele Ideen. Und ich wüsste auch gar nicht, was ich den ganzen Tag daheim machen sollte.“ Wenn er mal nicht mehr kann oder mag, steht Reiner Müller als Geschäftsführer bereit. Der Escherlicher ist schon jetzt als Assistent der Geschäftsführung die rechte Hand Langers. Und Langers Tochter, 20 Jahre alt, ist als angehende Industriekauffrau ebenfalls im Unternehmen.

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