1400 Menschen tanzen beim Uni Open Air zu Elektrobeats

Mit den Vögeln haben die Verantwortlichen in Sachen Elektro-Act dann die denkbar beste Wahl getroffen. Was Mense Reents und Jakobus Siebels aus ihrem Pult holten, machte einfach Spaß. Und wie sie dann beide mit fast aufreizender Coolness in ihre Blasinstrumente pusteten – da war ihnen von Seiten des Publikums auch das Prädikat „sympathisch wie sonst was“ sicher.

Spätestens beim Song „Blaue Moschee“ verwandelte sich der Innenhof der Naturwissenschaften II in eine einzige Tanzfläche. Da gab es auch für unverbesserliche Am-Rand-Hocker keine Ausrede mehr, nicht wenigstens ordentlich mitzuwippen. Es heißt zwar, man solle aufhören, wenn es am Schönsten ist. Der Auftritt der Vögel hätte aber gerne noch ein Stündchen länger gehen dürfen.

Das soll aber nicht heißen, dass es nicht vorher schon genug Grund zum Tanzen gab. Die Steaming Satellites durchbrachen das eher Synthie-Pop-lastige Line-Up am Nachmittag mit Gitarrenmusik – und waren der lebende Beweis dafür, dass mit Soul und Rock auch in Zeiten des Elektro-Hypes noch was zu holen ist. Was auf Platte ein Wenig an Portugal.The Man erinnert, unaufdringlich und sehr differenziert daherkommt, ging live doch ordentlich nach vorne – Piepsen im Ohr inklusive. Angetrieben von der kratzigen Stimme ihres Sängers Max Borchardt spielten sich die vier Jungs aus Salzburg in die Beine und Herzen der 1 400 Feierwilligen. Selten bekommt eine Band aus dem Vorabendprogramm so viele Zugabe-Rufe ab.

Die waren selbstverständlich auch den Headlinern BrandtBrauerFrick sicher. Sie waren Elektro-Act Nummer zwei. Und die Berliner Minimal-Techno-Truppe kam mit großen Vorschusslorbeeren in das kleine Bayreuth. Die Musikredaktionen des Landes scheinen sich seit einiger Zeit damit übertrumpfen zu wollen, wer die größte Lobeshymne auf die Berliner schreibt. Sicher: Die Jungs wissen, was sie tun, und von rudimentären Vier-Vierteltakt-Gepumpe sind BrandBrauerFrick weit entfernt. Dennoch verloren sie sich irgendwann auf der Bühne im Steigerungs-Wahn. Noch eine Steigerung hier, eine Pause da, hier noch mal an den Reglern gedreht, Tempo reinbringen, Tempo rausnehmen – immer wieder. Das mag auf der Bühne Spaß machen. Damit lieferten BrandBrauerFrick Kritikern, die elektronische Musik als eintönig bezeichnen, trotzdem kein Gegenargument.

Bleibt noch eine Lanze für den Opener zu brechen. Denn mit dem undankbaren Startplatz am frühen Nachmittag hatten The Mustard Tubes einen schweren Stand. Besonders deshalb, weil die Organisatoren laut Sänger Daniel Mügge schlicht vergessen hatten, pünktlich den Eingang zu öffnen. So verzögerte sich einerseits der Auftritt um zwanzig Minuten, andererseits stand der Großteil des Publikums noch in der über 50 Meter langen Schlange. Die Umstände konnten der jungen Band also nicht gerecht werden, die durchaus mit ihrem indiesken Sound, der sich irgendwo zwischen The Wombats und The Killers bewegt, zu überzeugen wusste.

Nicht bewertet

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