17.02.2012, 22:42 Uhr
Von Stefan Linß
THURNAU. Das höchste Amt im Staat ist erheblich beschädigt, sagt der ehemalige Wahlmann Klaus Förster. Nach dem Wulff-Rücktritt hält der Thurnauer eine erneute Kandidatur von Joachim Gauck als Bundespräsident für unwahrscheinlich.
Es muss ein Gänsehautmoment für Klaus Förster gewesen sein. Im Juni 2010 gab der Zweite Bürgermeister seine Stimme bei der Bundespräsidentenwahl ab. Der Bezirksvorsitzende der Freien Wähler gehörte neben Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) als zweiter Wahlmann aus dem Landkreis Kulmbach der 14. Bundesversammlung an. Joachim Gauck wäre aus Försters Sicht ein geeigneter Präsident gewesen. Über Christian Wulff, der am Freitag zurückgetreten ist, will sich der Ex-Wahlmann kein Urteil erlauben. „Zu den Vorwürfen gegen ihn fehlen mir die Hintergründe.“
Vor dem dritten und entscheidenden Wahlgang 2010 war der Kreis- und Bezirksrat auf der Bundestagstribüne Kandidat Gauck begegnet. Kurz bevor der Pastor die Wahl zum Bundespräsidenten gegen Christian Wulff verlor, sprach er im Vertrauen zu Förster. „Er hat seine Hand auf meine gelegt und die Haltung der Linkspartei ganz richtig eingeschätzt“, erinnert sich Förster. Die Linke stimmte nicht für den DDR-Bürgerrechtler Gauck. Dadurch siegte Wulff, der Kandidat der Union und FDP.
Förster erinnert sich: „Wulff hat sich bei allen Wahlleuten der Parteien mit Namensnennung bedankt. Doch er hat leider die Freien Wähler aus Bayern vergessen. Dabei hatte er uns vor seiner Wahl noch versichert, dass er die Freien Wähler kennt und sehr schätzt.“ Die Freien Wähler standen damals mehrheitlich auf der Seite von Gauck. „Das heißt aber nicht, dass ihn alle gewählt haben“, sagt Förster. Einen Fraktionszwang gab es nicht. Der Bundesvorsitzende der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, sagt nun nach Wulffs Rücktritt: „Gauck ist für uns nach wie vor eine Option.“ Förster ist jedoch skeptisch und glaubt nicht, dass der Ex-Bürgerrechtler nochmals antreten will: „Er wird sich solch einem parteipolitischen Gezerre nicht mehr aussetzen.“
Als Wahlmann in Berlin sei es Förster eine große Ehre gewesen, mitbestimmen zu können, wer das neue Staatsoberhaupt wird. „Es war das erste und wahrscheinlich das einzige Mal für mich.“ Sein Respekt vor dem höchsten Amt im Staat ist gewachsen. „Der Präsident hat bei Weitem nicht nur Repräsentationsaufgaben. Er nimmt in unserem Land eine sehr wichtige Funktion wahr“, sagt der Thurnauer.
Umso schlimmer sei es, dass in der Wulff-Affäre das Amt „erheblich beschädigt worden ist“. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen das Staatsoberhaupt und die drohende Aufhebung der Immunität habe es in der Geschichte der Bundesrepublik bekanntlich noch nie gegeben. „Wulffs Rücktritt war die logische Konsequenz.“
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