09.02.2012, 13:57 Uhr
Von Katja Paczynski
Vor der Aula des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums (MWG) stehen Jungs in Anzügen und Mädchen, die Fell oder mittelalterliche Kleider tragen. Aus der Aula klingt Klaviermusik. Vor den Musikern tuscheln Schäfer und tanzen holde Jungfern. Und in ihrer Mitte: König Artus und die blinde Emeline, eng umschlungen. Diese Szenen, gespielt von Schülern des MWG, sind Teil der Projektpräsentation des Theaterstücks „Purcells Traum von König Artus“.
Die Schüler haben sich ein Mammutprojekt vorgenommen: Bis Oktober wollen sie ein professionelles Theaterstück mit dem Titel „Purcells Traum von König Artus“ von Tankred Dorst und Ursula Ehler auf die Beine stellen – und das soll kein klassisches Schülertheater werden.
Ein Märchen
Henry Purcells Musik aus „King Arthur“ erweckt Geister zu neuem Leben: Den Figuren um den sagenhaften König Artus und Merlin, dem Zauberer, dazu ein paar schrägen Vögeln, Obdachlosen, Gescheiterten und einer Frau vom Zeitungskiosk nebenan, die sich in der Ruine einer alten Oper eingenistet haben, soll es an den Kragen gehen.
Investoren möchten aus dem alten Gemäuer ein großes, lukratives Einkaufszentrum machen. Die blinde Emeline, die Erbin einer reichen Tante, möchte sich ebenfalls an dem Projekt beteiligen. Den zum Leben erweckten Operngeistern passen diese Pläne natürlich ganz und gar nicht: Sie wollen ihre Ruine verteidigen.
Die Musik des englischen Komponisten Henry Purcell ist Teil zwei verschiedener Projektseminare am MWG: Zusammen mit dem Wirtschaft/Recht-Seminar arbeitet das Musik/Theater-Seminar daran, dass im Oktober ein bisher in Bayreuth einzigartiges Projekt präsentiert werden kann. Die zwei Gruppen, die aus jeweils 15 Schülern im Alter von 15 bis 19 Jahren bestehen, möchten ein professionelles Theaterstück auf die Beine stellen.
Reichshof
Julia Leicht ist eigentlich im Wirtschaft- und Recht-Seminar und hat die Projektleitung: „Wir möchten, dass es kein typisches Schülertheater wird.“ Unterstützt werden die Seminarler dabei durch die Schultheatergruppe Wilma. Der Wunschaufführungsort aller wäre das alte Reichshoftheater – wenn es bis dahin restauriert wäre.
Da das Stück nicht im üblichen Rahmen, sondern eher als Großprojekt geplant ist, müssen die Schüler Geld für die nötigen Investitionen sammeln. Am Anfang haben sie Anteilsscheine à zehn Euro ausgestellt. Jeder Projektteilnehmer bekam insgesamt drei Scheine, die er an Verwandte oder Freunde verkaufen sollte. Auch die Lehrer wurden eingespannt und mussten zehn bis 15 Anteilsscheine verkaufen. Damit wurden bisher 1000 Euro eingenommen.
Aber das reicht noch lange nicht aus: „Insgesamt werden wir voraussichtlich einen Betrag von 16 000 bis 20.000 Euro brauchen, um alles so wie geplant bewerkstelligen zu können“, erklärt Julia Leicht. Eine gewaltige Summe.
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