04.02.2012, 10:59 Uhr
Von Udo Meixner
HOLLFELD/BINDLACH. Mindestens einmal im Jahr üben sich die Bürgermeister in einem festen Ritual: Laut Gemeindeordnung muss das Wahlvolk im Zuge einer Bürgerversammlung über aktuelle Projekte und Planungen informiert werden. Ganz wichtig ist dabei, dass der Bürger – anders als im Stadt- oder Gemeinderat – dort auch Rederecht hat.
Die Realität ist aber oft eine andere: Jahr für Jahr lauscht ein fester Zuhörerstamm den meist sehr umfangreichen Ausführungen des Bürgermeisters. Kritische Beiträge aus dem Auditorium sind meist Mangelware und betreffen nicht selten persönliche Interessen der Redner. Mitten in den Bürgerversammlungen steckt Bindlachs Bürgermeister Gerald Kolb – drei Veranstaltungen hat er gerade hinter, drei noch vor sich. Die Resonanz im Kernort selbst bezeichnet Kolb salomonisch als „akzeptabel“. In den Vorjahren seien es meist noch weniger Zuhörer gewesen, Jugendliche trifft Kolb fast nie. „Je größer eine Kommune, umso unpersönlicher wird es“, meint Kolb. Für ihn sind die Bürgerversammlungen aber keine lästige Pflichtübung: „Ich mache das sehr gerne!“ Ein Patentrezept für mehr Interesse an den Bürgerversammlungen hat Kolb aber nicht. Eine generelle Politikverdrossenheit könne nicht das Problem sein – das hat Kolb 2010 bei seinem persönlichen „Bindlach 21“, der kontroversen Auseinandersetzung um die Umgehung am Bindlacher Berg, erfahren müssen. Und auch wenn Kolb beim Bürgerentscheid eine Niederlage einstecken musste, steht für ihn außer Frage, dass bei weiteren Großprojekten die Bevölkerung natürlich wieder frühzeitig informiert wird.
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