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03.02.2012, 18:25 Uhr

 

„Ein pflichtbewusster Mitarbeiter“

Von Peter Engelbrecht

BAYREUTH/SPEICHERSDORF. „Er war ein unauffälliger, ruhiger und pflichtbewusster Mitarbeiter.“ So beschrieb der zuständige Abteilungsleiter der Rosenthal-Porzellanfabrik in Speichersdorf den Mann, der dort über mehr als zwei Jahre während der Nachtschicht Porzellan im Verkaufswert von 126.000 Euro gestohlen haben soll.

 

„Er hatte keine Konflikte mit Beschäftigten und Vorgesetzten“, schilderte der Zeuge vor dem Landgericht Bayreuth. „Ich war erschüttert“, sagte er zu den Diebstahlsvorwürfen. Alle Mitarbeiter in der automatischen Produktion hätten Rucksäcke und Taschen dabei gehabt, da direkt an der Fertigungsstraße Brotzeit gemacht wurde. Der Arbeiter ist wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in 115 Fällen, seine Ehefrau wegen gewerbsmäßiger Hehlerei in 901 Fallen angeklagt. Sie hatte die heiße Ware im Internet verkauft.

Es sei eine sehr große Menge Porzellan in der Wohnung der Eheleute in Speichersdorf sichergestellt worden, berichtete der Produktionsleiter der Fabrik über die Festnahme des Diebes am Morgen des 7. April 2011. In seinem schwarzen Rucksack hatte er an diesem Tag 45 Teile drin. Den Ladenverkaufspreis der Ware in der Wohnung und des über E-Bay verkauften Porzellans bezifferte der Manager auf knapp 400.000 Euro. Insgesamt 4.000 Stück Porzellan seien in der Vier-Zimmer-Wohnung sichergestellt und später auch taxiert worden. In der Anklageschrift ist hingegen nur von 585 Stück die Rede. „So etwas ist noch nie da gewesen“, zeigte sich der Zeuge sichtlich erschüttert über den Vertrauensbruch. Er machte deutlich, dass seine Firma das Porzellan von den Käufern nicht zurückfordern wird.

Das Ehepaar saß schweigend auf der Anklagebank.

Foto: Archiv




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