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03.02.2012, 10:04 Uhr

 

Wie schreibt man einen guten Text und wie trägt man ihn am besten vor? x-bay gibt euch Tipps

Von Katja Paczynski Wer von euch am vergangenen Mittwoch bei Stefan Raab rein geschaut hat, der hat ihn gesehen: Einen jungen Mann im schwarzen Kapuzenpulli, der sich krampfhaft an ein paar Zetteln fest hält und dabei seine Lebensansichten ziemlich trocken aber witzig zum Besten gibt. Das war Nico Semsrott und das, was er da macht, nennt sich Poetry Slam.

 

Am 25. Januar und vorgestern, am 1. Februar hat eine Gruppe von angehenden Slammern im Kommunalen Jugendzentrum (Komm) unter der Leitung von Michael Jakob gelernt, wie man einen guten Text verfasst und wie man ihn am besten vorträgt.

Jakob veranstaltet und moderiert seit März 2003 Poetry Slam Veranstaltungen in Mittel- und Oberfranken, sowie in der Oberpfalz. Sebastian ist ein Teilnehmer des Kurses und findet: „Mir hat es sehr gut gefallen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel Text in so kurzer Zeit schreiben kann.“

Poetry Slam kennen einige von euch auch schon von den regelmäßigen Veranstaltungen im Komm. Und denjenigen, denen das noch nichts sagt, stellen wir den Dichterwettstreit jetzt mal vor:

„Ich merke gerade, dass mein Text total scheiße ist – aber da müssen wir nun durch. Das hier ist für mich peinlicher als für euch.“ So locker kann, beziehungsweise sollte ein Poetry Slammer damit umgehen, wenn ein Publikum seinen – wie er denkt – witzigen Text überhaupt nicht lustig findet. Poetry Slam bedeutet übersetzt Dichterwettstreit und ist ein literarischer Vortragswettbewerb. Junge Menschen tragen auf einer Bühne selbst geschriebene Texte vor.

Aber was genau braucht man denn jetzt für einen guten Beitrag?

Als Erstes braucht ihr eine gute Idee. Aber was soll man tun, wenn einem einfach nichts einfällt? Ihr könnt zum Beispiel an verschiedenen Orten schreiben: Setzt euch doch mal in den Hofgarten, ins Straßencafé, in die Fußgängerzone oder wie wäre es mit der Eremitage? An den meisten dieser Orte werdet ihr schon einmal gewesen sein – ohne dass ihr dort etwas schreiben wolltet. Aber diese Orte können euch Ideen für ein gutes Thema geben. Die dicke Dame, die mit ihrem Zwergpinscher an der Leine längst die Geschäfte flaniert oder die junge Mutter mit ihrer kleinen Tochter an der Wasserrinne – sie könnten Grund für einen Gedanken, eine Idee sein. Am besten habt ihr immer ein kleines Notizbuch dabei. Dort könnt ihr kurze Geistesblitze festhalten. Man weiß nie, wofür sie gut sind.

Es muss 
sich nicht reimen

Wenn ihr eine Idee habt, dann geht’s ans Schreiben. Nicht jedes Gedicht muss sich reimen, in Verse und Strophen unterteilt sein oder einem bestimmten Sprechrhythmus unterliegen. Ihr könnt auch einfach eine Geschichte erzählen. Wie Kai im Workshop. Er ist der Älteste in der Runde und stellt sich ans Mikro. Er erzählt von einem Tag – er hat Führerscheinprüfung. Er erzählt, wie er sich mit seinem Fahrlehrer trifft, er ist nervös. Als er mit seinem Fahrlehrer und dem Prüfer im Auto sitzt, geht’s los. Dann kommt ein Kreisverkehr. Der Fahrlehrer und der Prüfer werden käseweiß, Schweißperlen auf ihrer Stirn. Bis hierher keine aufregende Geschichte, eher recht langweilig. Doch dann kommt’s: Der Prüfer ruft: durchgefallen. „Dabei habe ich doch das rot umrandete Schild vor dem Kreisverkehr gesehen, in dem eine 30 stand.“ Kai weiter: „Ich bin dann auch 30-mal im Kreis gefahren, wahrscheinlich habe ich mich verzählt.“ Und alle Kursteilnehmer lachen. Die Pointe ist gut, sie sitzt und kommt unerwartet. Erzählungen für die Slam-Bühne sind für den Vortrag gedacht. Der Slammer hat sieben Minuten für seinen Text. Das erfordert Kürze, einprägsame Strukturen, überraschende Wendungen und Effekte.

Gut ist es, wenn ihr während des Vortrags Blickkontakt mit dem Publikum sucht. Ihr könnt eure Texte frei vortragen oder von einem Zettel „ablesen“.

Wenn euer Text aber flüssig vorgetragen werden soll, ist es wichtig, dass ihr ihn im Kopf habt und dann nur so tut, als wenn ihr ihn ablesen würdet, denn abgelesene Texte wirken oft unsicher und klingen stockend. Ihr könnt auch mit eurem Körper arbeite, mit Gestik und Mimik. Wenn ihr einen eher traurigen Text vortragt, dann sollte eure Stimme dem Publikum auch die Traurigkeit vermitteln.




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