02.02.2012, 17:20 Uhr
Von Stefan Schreibelmayer
BAYREUTH. Innovationsallianz Carbon Nanotubes – hinter diesem etwas sperrigen Titel verbirgt sich ein Projekt, das vom Bundesforschungsministerium mit 50 Millionen Euro gefördert wird und das Ziel hat, die überragenden Eigenschaften winziger Kohlenstoffröhrchen aus der Grundlagenforschung in die praktische Anwendung zu übertragen. Der Abschlusskongress fand jetzt mit rund 300 Teilnehmern in Bayreuth statt – unter Federführung der Firma FutureCarbon mit Sitz im Kompetenzzentrum Neue Materialien.

Das Faxgerät und der MP3-Player sind nur zwei Beispiele für Techniken, die zwar in Deutschland entwickelt, aber in Asien zur Marktreife gebracht wurden – und mit denen vor allem dort viel Geld verdient wurde. „Das soll bei den Nanotubes nicht wieder passieren. Deutschland soll bei dieser Technik nicht wieder abgehängt werden“, sagt FutureCarbon-Geschäftsführer Walter Schütz. Die Innovationsallianz sollte deshalb binnen drei Jahren die bisherige Grundlagenforschung in möglichst praxisnahe Anwendungen überführen. Präsentiert wurden die Ergebnisse der 27 Projekte, in denen 90 Partner – von Forschungseinrichtungen über kleine und mittelständische Unternehmen bis hin zu Weltkonzernen wie Bayer – eng zusammengearbeitet haben, jetzt in Bayreuth.
„Dabei sind wirklich einige sehr interessante Dinge herausgekommen“, sagt Schütz. Materialien etwa, die Lithium-Ionen-Batterien wesentlich verbessern könnten und so unter anderem für die Autoindustrie sehr interessant sein könnten. Oder neue Werkstoffe, die Flügel für Windkraftanlagen zugleich leichter und widerstandsfähiger machen. Ein Projekt habe Nanotubes und Beton zu einem Baustoff zusammengebracht, mit dem sich bei gleicher Stabilität leichter und damit viel filigraner bauen lässt. Und schließlich FutureCarbon selber: Die Bayreuther haben unter anderem auf bis zu 500 Grad heizbare Beschichtungen entwickelt, die sich in Tanks, aber auch als Flächenheizung etwa in Autos einsetzen lassen.
Einstieg in die Produktion
Dass FutureCarbon vom Forschungsministerium gebeten wurde, den Abschlusskongress zusammen mit seiner Muttergesellschaft FutureCamp auszurichten, hat auch damit zu tun, „dass wir mit zu den Gründern der Initiative gehören“, so Schütz. Die bisherigen Kongresse wurden von den Konzernen Bayer und Evonik sowie der Fraunhofer-Gesellschaft veranstaltet. FutureCarbon befindet sich also in illustrer Gesellschaft. Neben 30 Fachvorträgen und einem interessanten Versuch, die Schwarmintelligenz der Teilnehmer einzusetzen, um die Zukunftschancen von Nanotubes auszuloten, diente der Kongress vor allem dazu, Unternehmen die künftigen Anwendungsmöglichkeiten vorzustellen und sie zum Einstieg in mögliche Produktionen zu motivieren.
Das Auslaufen der meisten Projekte bedeutet für Schütz übrigens nicht das Ende der Innovationsallianz an sich. Ihm schwebt ein zumindest in der Startphase erneut öffentlich gefördertes Netzwerk vor, dessen Sitz möglichst in Bayreuth sein sollte: „Das würde den Ruf der Werkstoffregion Oberfranken und des Standorts Bayreuth weiter stärken.“
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