01.02.2012, 16:35 Uhr
Von Peter Engelbrecht
MISTELBACH. „Das sind neue Nationalsozialisten.“ Mit drastischen Worten warnte Martin Becher vor den Freien Kameradschaften.
30 bis 40 dieser Kameradschaften gebe es in Bayern, sie zählten insgesamt rund 1.000 Mitglieder, bilanzierte der Leiter der Projektstelle gegen Rechtsextremismus in Bad Alexandersbad bei Wunsiedel. Er informierte gut 20 Zuhörer auf einer Veranstaltung in Mistelbach über Rechtsextremismus, eingeladen hatten die SPD-Frauen im Hummelgau. Die rege Diskussion zeigte, dass das Thema vielen Menschen auf den Nägeln brennt.
Die Freien Kameradschaften wollten die diktatorischen Verhältnisse in Deutschland zwischen 1933 und 1945 wieder herstellen. Zu den führenden Köpfen in Bayern gehörten unter anderem Matthias Fischer (Fürth), Tony Gentsch (Töpen/Hof) sowie der verurteilte Rechtsterrorist Martin Wiese. „Sie haben es geschafft, junge Leute an sich zu binden und zu radikalisieren“, berichtete Becher. Gemeinsam hätten sie das neonazistische „Freie Netz Süd“ (FNS) aufgebaut, um Propaganda zu betreiben. Laut dem bayerischen Innenministerium existieren in Oberfranken die „Freien Nationalisten Hof“ um den inzwischen inhaftierten Tony Gentsch (25 Anhänger) und die „Kameradschaft Bayreuth“ (zehn Aktivisten).
„Die Bereitschaft, Gewalt anzuwenden, ist sehr deutlich spürbar“, warnte Becher. In Fürth seien in drei Fällen bei politischen Gegnern Autoreifen zerstochen worden, in
Weißenburg hätten 20 Neonazis mit Leuchtmunition Andersdenkende überfallen. In Ansbach und Nürnberg habe es Überfälle auf Kneipen gegeben, in denen sich linke Gegner
trafen. Auch der Anschlag auf das Auto und das Haus des früheren Sprechers des Bürgerforums Gräfenberg Ende Dezember 2011 rechnete Becher dieser Serie zu. „Die Aktionen haben
einen Masterplan, das ist eine massive Form der Einschüchterung.“ Die Täter hätten das Auto gezielt ausgespäht und den Anschlag nach Mitternacht verübt. Becher
befürchtete, dass es auch zu Anschlägen gegen Leib und Leben kommen kann.
Symbolbild: pa
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