STUTTGART. Die Beweislast war erdrückend. Ein 57 Jahre alter Frührentner wandert für die sogenannten Parkplatzmorde an bekannten Homosexuellen-Treffpunkten lebenslang hinter Gitter.
Für die sogenannten Parkplatzmorde muss ein 57 Jahre alter Frührentner aus dem baden-württembergischen Esslingen lebenslang in Haft - sein Motiv für die Morde an zwei
Männern an bekannten Homosexuellen-Treffpunkten bleibt auch nach dem Urteil ein Rätsel. Das Stuttgarter Landgericht schloss in seinem Urteil am Mittwoch eine vorzeitige Haftentlassung
nach 15 Jahren aus und beantragte zudem Sicherungsverwahrung.
"Dass er die Taten begangen hat, steht zweifelsfrei fest", sagte die Vorsitzende Richterin Ute Baisch. Für die Kammer zeigten die Beweise eindeutig, dass der 57-Jährige Mitte 2010 zwei 30
und 70 Jahre alte Männer auf Parkplätzen, die als Homosexuellentreffpunkte gelten, erschossen hat. Beide Opfer waren völlig arg- und ahnungslos, als sie mit Kopfschüssen aus
unmittelbarer Nähe getötet wurden. Auch eine Messerattacke auf einen Touristen in Freudenstadt lastete das Gericht ihm an.
Was den ehemaligen Postangestellten zu den Taten trieb, bleibt aber ein Rätsel. "Die Frage ist am schwersten zu beantworten, weil er im Grunde keine Angaben gemacht hat", sagte Richterin
Baisch. Klar sei, dass die Morde eine Affinität zum Homosexuellen-Milieu zeigen - in welcher Form, lasse sich aber nicht sicher sagen.
Beim seltenen Motiv der "Mordlust" folgte die Kammer der Staatsanwaltschaft nicht. Dafür gebe es zwar intensive Anhaltspunkte, doch sie hätten "nicht ganz gereicht", sagte Baisch. Sie
sieht aber einen Vernichtungswillen und niedere Beweggründe.
dpa
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