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26.01.2012, 17:35 Uhr

 

Kampf um Windkraft-Standorte mit Druck und Tricks

Von Peter Engelbrecht

CREUSSEN/HOLLFELD. „Das ist wie beim Quartettspielen“, sagt Harald Mild. „Die Karten werden so lange hin- und hergeschoben, bis jeder seine Flächen hat.“

 

Mit launigen Worten beschreibt der Creußener Bürgermeister, wie manche Investoren bei der Suche nach Pachtflächen für Windkraftanlagen vorgehen. Auch im Landkreis Bayreuth herrscht ein bisschen Goldgräberstimmung beim Run auf die Vorranggebiete. Da glitzern bei vielen Grundbesitzern und Investoren die Eurozeichen in den Augen.

Auch Mild hat davon gehört, dass sich Außendienstler der Investoren einzelne Grundstücke „mit fragwürdigen Methoden“ sichern. Da werde Druck ausgeübt. Man könne sich die Unterschrift ja auch vom Nachbarn holen, heißt es beispielsweise. „Im Raum Creußen funktioniert das nicht, wir haben die gebremst“, berichtet Mild. Das Zauberwort heißt Flächenmodell. „Die Verträge werden erst unterschrieben, wenn alle einig sind“, sagt Mild. Damit bekommt nicht nur derjenige Pacht, auf dessen Grundstück der Rotor steht. Auch die anderen umliegenden Besitzer erhalten anteilig Pacht für den Bau eines Weges zum Windrad, für das Aufstellen des Transformatorenhäuschens und für die Bereitschaft, einen Kran zum Aufbau der Anlage und für Wartungsarbeiten aufstellen zu lassen. „Damit wird verhindert, dass Missgunst und Neid in die Dörfer kommen“, erläutert der Bürgermeister.

500 Euro für eine Unterschrift

Im Raum Hollfeld soll der Kampf um Vorrangflächen besonders stark toben. Der örtliche Stadtrat Gerd Krasser hat davon gehört, dass Vertreter der Investoren mit vorgefertigten Pachtverträgen bei den Grundstücksbesitzern auftauchen und mit 200 bis 500 Euro Barprämie bei sofortiger Unterschrift locken.

Die PNE Wind AG hatte die Eigentümer von Wald- und Ackerflächen in den geplanten Windparks nördlich Krögelstein sowie südlich Wiesentfels „um Kontaktaufnahme“ gebeten – im Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Hollfeld. Die Resonanz sei eher mau gewesen, räumt Klaus Piater von dem Projektentwickler auf Anfrage unserer Zeitung ein. Natürlich gebe es schwarze Schafe in der Branche, sagt Piater, aber die meisten Firmen arbeiteten korrekt. Auch er habe schon gehört, dass angeblich Kopfprämien für eine Vertragsunterzeichnung ausgelobt wurden. „Ehrlichkeit und Anstand führen am weitesten“, distanziert sich Piater von diesen Methoden.

Sichtlich verärgert reagiert die Hollfelder Bürgermeisterin Karin Barwisch auf die Anzeige. „So kann man nicht zusammenarbeiten. Wir wollen Windkraftanlagen, an denen sich alle Bürger beteiligen können.“ Demnächst will die Stadt zu einer Infoveranstaltung einladen.

Mehr dazu lesen Sie am Freitag in der Printausgabe des Kuriers.

Symbolbild: pa




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