25.01.2012, 09:17 Uhr
BAYREUTH. Immer mehr Menschen leben auf der Erde. Und auch die Sonnenenergie wird in Masse umgewandelt. Es wäre also logisch, dass auch das Gewicht der Erde zunimmt. Aber stimmt das wirklich? Dieses Thema beschäftigt Kurier-Leser Peter Michael Schabert aus Heinersreuth schon eine ganze Weile

Eine zufriedenstellende Antwort hatte Schabert bislang nicht bekommen. Jetzt richtete er seine Frage an die Arbeitsgruppe Wissenschaftskommunikation der Universität Bayreuth, die zusammen mit der Redaktion des Kuriers die Serie „Leser fragen Forscher“ organisiert.
Sarah Schmid, Doktorandin am Lehrstuhl für die Didaktik der Biologie und Autorin der Arbeitsgruppe Wissenschaftskommunikation, fand mit Tobias Schmidt, Diplomabsolvent am Lehrstuhl Theoretische Physik IV, und Stefan Großhauser, Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Material- und Prozesssimulation an der Fakultät für angewandte Naturwissenschaften (FAN) der Universität Bayreuth, gleich zwei Experten.
Masse statt Gewicht
Wenn man ihnen diese Frage vorlegt, sprechen die beiden Physiker nicht vom Gewicht, sondern von der Masse der Erde. Denn in ihrem Sprachgebrauch ist Gewicht eine Kraft. „In einer ersten Näherung kann man die Erde inklusive Atmosphäre als ein in sich geschlossenes System betrachten“, so Schmidt und Großhauser. Chemische Reaktionen, etwa der Stoffwechsel aller Lebewesen, ändern die Gesamtmasse der verwendeten Molküle nicht. Daher nimmt die Gesamtmasse der Erde bei steigender Bevölkerungszahl auch nicht zu. Die dabei „neu entstehende“ Masse wird lediglich umgeformt und war schon vorher Teil der Erdmasse.
Doch die beiden Bayreuther Experten schauen genau hin: „Bei weiterer Betrachtung jedoch gibt es eine Reihe von Effekten, die die Masse der Erde erhöhen oder verringern können.“ Beispiele sind die Verflüchtigung einzelner Moleküle aus der oberen Atmosphäre in das Weltall, kleinere Meteoriteneinschläge oder Satelliten, die den Erdorbit verlassen. „Im Vergleich zur Gesamtmasse sind solche Effekte allerdings vernachlässigbar klein“, meinen Schmidt und Großhauser. „Zudem ist die Gravitationskonstante nicht präzise genug bekannt, als das eine Änderung der Schwerkraft messbar wäre.“
Haben auch Sie eine Frage an Forscher, die Sie immer schon mal stellen wollten? Dann senden Sie sie uns bitte als E-Mail an die Adresse leserfragenforscher@kurier.tmt.de.
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