25.01.2012, 09:12 Uhr
Von Lena Neher
BAYREUTH. Das Künstlerkollektiv HGich.T hat am Sonntag im Glashaus Parolen geliefert, dem Wahnsinn entsprungen.
Körper in plüschigen Tierkostümen, Köpfe mit Diadem und Federschmuck: Das ist Bad Taste vom Feinsten. In freudiger Erwartung des abgedrehten Künstlerkollektivs HGich.T aus der Nähe von Hamburg, frönt das Glashauspublikum dem schlechten Geschmack. Ein fluoreszierendes Spinnennetz erstreckt sich von der Bühne bis über den Zuschauerraum, rosafarbene Flamingos hängen über der Bar – eine perfekte Kulisse für die schrägen Vögel.
„Der blaue Elefant onaniert im Park“
Auf den Trashzug aufgesprungen ist auch Glashausmitglied Thaddäus Zucker: Er hat mit ein paar Jungs das Projekt „Der blaue Elefant onaniert im Park“ als Vorband aus dem Boden gestampft. Experimentell elektronisches Gefrickel und Stroboskoplicht bilden den Rahmen für die Parolen des Sängers, die wohl dem Wahnsinn entsprungen sind.
Die Zuschauer jubeln; ernst nehmen muss man das Spektakel nicht.
Musik kann man auch das, was dann kommt, nicht nennen. Was aus den Boxen dringt, ist, milde ausgedrückt, einfach nur Lärm. Aber um Musik geht es auch nicht. Vielmehr gestaltet sich der Auftritt von HGich.T als abstruses Kunsthappening.
"Ich bin euer Vater"
„Mein Name ist Anna-Maria Kaiser und ich bin euer Vater“, gibt der Sänger dem Publikum zu verstehen – zugeknöpft in hellblauem Hemd und mit altmodischer Brille – und schnäuzt sich ins Mikrofon. Das Taschentuch reicht er ins Publikum.
Mit dieser Art von Interaktion und Übertretung der vierten Wand sieht sich der Glashausbesucher während dieser Groteske immer wieder konfrontiert. Anna-Maria Kaiser mischt sich unter die Fans und dirigiert mit starrer Miene die stupiden Mitgrölparolen. Die Menge tobt. Ein halbnacktes Mädchen verteilt versonnen Umarmungen, mit „Künstlerschweine, ich brech’ euch die Beine“ verschwindet Anna-Maria Kaiser. Jeder der neun Beteiligten verkörpert eine Rolle und trägt zum Gelingen der Kunst bei. Oder ist es doch nur Trash?
Das Chaos jedenfalls ist perfekt.
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