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19.01.2012, 22:56 Uhr

 

Coburger Mord: Polizisten beschreiben Angeklagten als abgebrüht

Von Christian Pack

COBURG. Kooperativ, ruhig und abgebrüht – so beschreiben die Polizisten den Angeklagten Jerry J. bei ihren Zeugenaussagen am Donnerstag am zweiten Prozesstag vor dem Coburger Landgericht. Der 21-Jährige hatte zugegeben, eine 16-jährige Schülerin aus Coburg mit Hammer und Messer umgebracht zu haben.

 

Gegenüber den Beamten, die den 21-Jährigen nach der Tat mehrfach aufsuchen und befragen, bekräftigt er immer wieder, dass er nicht wisse, wo Linda H. sei. Dabei soll er nie nervös oder unsicher gewirkt haben – vielmehr interessiert. „Er sagte, wir sollen ihn informieren, wenn Linda gefunden wird. Dann wäre er beruhigt“, berichtet ein Polizeibeamter.

Am Sonntag, kurz nachdem das Handy von Linda H. gefunden wird, verstrickt er sich aber immer mehr in Widersprüche. Die Frage, warum sein Auto am Fundort des Handys gesehen wurde, erklärt er mit einer unglaubwürdigen Geschichte. „Er sagte, ihm sei der Autoschlüssel geklaut worden“, berichtet ein Polizist, der am Sonntag vor Ort war. Warum sein Auto wieder vor der Wohnung steht, wenn es entwendet worden sein soll, kann er nicht erklären.

Damalige Freundin gibt Alibi

Seine damalige Freundin, Nina R., die bei den Befragungen meist dabei ist, gibt ihm für die Zeit von Freitagabend bis Sonntag ein Alibi. Im Gegensatz zum Angeklagten wirkt die junge Frau bei den Befragungen wenig gefestigt. „Sie war aufgewühlt, hat mehrmals geweint. Jerry J. und seine Mutter kamen hingegen sehr abgeklärt rüber“, berichtet ein Polizist.

Irgendwann bricht Jerry J. auf der Polizeidienststelle in Coburg ein. Er gesteht die Tat unter Tränen und schimpft nach einem Telefonat mit seiner Mutter über sich selbst und das soziale Netzwerk Facebook. „Er hat sich auf sein Bein geschlagen und laut gerufen, dass er sich dafür hasst, jemals auf Facebook gegangen zu sein“, erinnert sich eine Polizeioberkommissarin. In dem sozialen Netzwerk hatte er das Opfer kennengelernt.

Wegen vieler Unterbrechungen hat Vorsitzender Richter Gerhard Amend einen zusätzlichen Prozesstag festgelegt. Am Mittwoch, 1. Februar, werden die Sachverständigen ihr Gutachten vortragen. Ob am selben Tag auch die Plädoyers gesprochen werden, ließ Amend offen. Die Verhandlung wird am Freitag, 8.30 Uhr, fortgesetzt. Vernommen wird die Ex-Freundin des Angeklagten.

Symbolbild: pa




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