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19.01.2012, 09:55 Uhr

 

Von einem, der auszog, Jazzer zu werden: Der Exilbayreuther Julian Ritter gastiert mit Band im Becher-Saal

BAYREUTH. Wenn ein Bayreuther aus der Stadt verschwindet, passiert es schnell, dass die in Bayreuth gebliebenen Bayreuther nicht mehr viel von ihm hören. Wenn er dann aber von sich reden macht, sagen sie stolz über ihn: „Der ist Bayreuther.“ Julian Ritter, 25, ist so einer: 2006 ging er nach Köln, um Saxofon zu studieren. Am Samstag spielt er ein Konzert in Bayreuth. Florian Zinnecker hat mit ihm gesprochen.

 

Rückkehr nach Bayreuth: Julian Ritter tritt im Becher-Saal auf. Foto: red

Frage: Wann haben Sie Bayreuth verlassen?

Julian Ritter: Im Herbst 2006, nach dem Zivildienst. Das Konzert am Samstag ist seitdem mein erstes in Bayreuth. Es wird höchste Zeit, dass ich mich mal blicken lasse.

Frage: Wie klingt Jazz von Julian Ritter? Gibt es Alleinstellungsmerkmale, anhand derer Ihre Musik beim Hören erkennbar ist?

Ritter: Wir machen zeitgenössischen Jazz, unsere Frontline (die Instrumente, die in der Band die Hauptrolle spielen, d. Red.) setzt sich zusammen aus Altsaxofon und Trompete. Das ist die klassische Besetzung von Charlie Parker und Dizzy Gillespie. Mit deren Stil hat die Musik, die wir machen, aber gar nichts zu tun.

Frage: Sondern?

Ritter: Wir machen zeitgenössischen Jazz. Mit viel Experimentierfreude, also einem großen Anteil an Improvisationen. Es gibt aber auch viele Stellen, die auskomponiert sind. Das ist mit Sicherheit ein Trend im zeitgenössischen Jazz – die Stücke sind sehr komplex geworden, es ist viel mehr auskomponiert als früher. Bei vielen alten Standards gibt es ja nur eine festgelegte Folge von Harmonien und dazu eine kleine Melodie, über die dann improvisiert wird. Bei mir halten sich Improvisation und auskomponierte Parts ungefähr die Waage.

Frage: Welche Rolle hat das Jazz-Forum – und die Bayreuther Jazz-Infrastruktur überhaupt – für Ihren Werdegang gespielt?

Ritter: Eine ganz entscheidende – wie auch die Musikschule Bad Berneck und das Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium, wo ich jahrlang Saxofonunterricht hatte. Aber letztlich waren es vor allem die Konzerte in Bayreuth, die mich dazu gebracht haben, das alles professionell zu machen. Wir waren eine kleine Clique, haben selbst Musik gemacht, sind auf die Konzerte in Bayreuth gegangen und haben uns dort wieder Anregungen für unsere eigene Musik geholt. Dabei ist eine unglaubliche Euphorie entstanden.

Frage: Dann unterscheidet sich das Konzert am Samstag auch emotional von anderen Konzerten Ihrer Band?

Ritter: Natürlich. Allein deshalb, weil ich wahrscheinlich sehr viele Leute im Publikum von früher kenne – und die meisten habe ich ja sehr lange nicht gesehen.

INFO  Das Konzert des Julian-Ritter- Quintetts am Samstag im Becher-Saal beginnt um 20.30 Uhr.




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