17.01.2012, 18:48 Uhr
Von Peter Engelbrecht
BAYREUTH. Der Krieg vertreibt die Menschen: Bis zu zwölf jugendliche Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan sollen in Bayreuth untergebracht werden. Gleichzeitig werden in ganz Oberfranken händeringend mindestens 200 neue Plätze in Flüchtlingsheimen gesucht.
Das teilten die Behörden auf Anfrage unserer Zeitung mit. Die Jugendlichen sind ohne Eltern oder Verwandte aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. 130 von ihnen sind in einer Münchner Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Um die Lage dort zu entspannen, brachte Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer ein Konzept zur Verteilung von minderjährigen Asylbewerbern in Jugendhilfeeinrichtungen auf den Weg. Jedem Regierungsbezirk wird dabei eine Gruppe zugeteilt.
Konkret sollen neun bis zwölf Jugendliche nach Bayreuth kommen, teilte das Sozialministerium mit. Der Leiter des Stadtjugendamtes, Christian Hübsch, will nun schauen, wo er die jungen Leute im Zuge eines Asylbewerberverfahrens unterbringen kann. Denkbar sei die Zusammenarbeit mit dem Jugendhilfeträger Jean-Paul-Verein, der bereits grundsätzliches Interesse gezeigt habe. In einer neu einzurichtenden Gruppe könnten sie bis zur Volljährigkeit unterkommen, an Sprachkursen und Firmenpraktika teilnehmen.
Die Not ist groß: Im gesamten Regierungsbezirk befinden sich derzeit 1014 Flüchtlinge, berichtete die Regierung von Oberfranken. Die größte Gemeinschaftsunterkunft befindet sich in Bayreuth in der Wilhelm-Busch-Straße mit 215 Menschen, sagte Jürgen Neubauer, der bei der Bezirksregierung für die Betreuungsarbeit zuständig ist. „Wir suchen händeringend Unterkünfte“, betonte er, die Zahl der Asylbewerber steige bundes- und bayernweit.
Bei verschiedenen Gebäuden liefen derzeit die Verhandlungen, doch Mietverträge seien aktuell noch keine unterschrieben. Zusätzlich wären rund 200 Plätze in Oberfranken notwendig, schätzte Neubauer. Die zentralen Aufnahmeeinrichtungen in München und Zirndorf seien derzeit überfüllt. Wenn der Zustrom so anhält, sind noch mehr als 200 Plätze notwendig“, schätzte Neubauer. Die meisten Flüchtlinge kommen aus den kriegszerstörten Ländern Afghanistan und Irak, gefolgt von den Krisenländern Iran, Serbien und Äthiopien, so die aktuellen bayernweiten Zahlen.
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