11.01.2012, 12:50 Uhr
BAYREUTH. Kurier-Leser Sebastian Ott hat genau hingeschaut: Mal steht die 1 oben links, mal die 7. Die Ziffernblöcke auf Telefonen und Computern sind unterschiedlich. Aber warum?
Diese Frage stellte Ott der Arbeitsgruppe Wissenschaftskommunikation der Universität Bayreuth, die zusammen mit der Kurier-Redaktion die Serie „Leser fragen Forscher“ organisiert. Corinna Roth machte sich auf die Suche nach der Antwort und wurde bei Prof. Torsten Eymann, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bayreuth, fündig.
Lock-in-Effekt
„Man kann das mit dem sogenannten Lock-in-Effekt erklären“, sagt Eymann. Ist einmal die Entscheidung für ein bestimmtes technisches System gefallen, ist es sehr schwer und teuer, in ein anderes System zu wechseln. Beispiele dafür sind der Links- oder Rechtsverkehr auf den Straßen oder die je nach Land unterschiedlichen Steckdosenarten.
Dabei zeichnet sich sehr früh ab, welches der möglichen Systeme sich am Ende durchsetzt: durch viele kleine Entscheidungen und zufällige Entwicklungen zu Anfang der technischen Einführung, deren zukünftige Bedeutung man zu dem Zeitpunkt noch gar nicht abschätzen kann.
Vorläufer Wählscheibe
Einmal durchgesetzt, bleibt ein bestimmtes technisches System dann aufgrund des Lock-in-Effektes bestehen. „So war dies auch bei den Ziffernblöcken: Jene von Computertastatur und Taschenrechner stammen ursprünglich von den Registrierkassen, denn Computer wurden anfangs vor allem im Buchhaltungsbereich eingesetzt“, sagt Eymann.
Der technische Vorläufer des Telefon-Ziffernblocks ist die Wählscheibe, bei der die Zahlen von oben nach unten im Kreis laufen. Die Telefonbauer entschieden sich bei der Gestaltung des modernen Telefons dafür, die Leserichtung der Wählscheibe beizubehalten und einen „umgedrehten“ Ziffernblock zu schaffen, um damit die Wechselkosten von Wählscheibe zu Telefontastatur gering zu halten.
Geldautomat wie Telefon
Übrigens: Die Tastatur auf Geldautomaten ist die gleiche wie auf dem Telefon – die ersten Geldautomaten wurden nämlich von Telefonbaufirmen hergestellt, in Deutschland von AEG Telefunken.
Haben auch Sie eine Frage, die Sie schon immer mal von einem Wissenschaftler beantwortet haben wollten? Dann senden Sie diese an leserfragenforscher@kurier.tmt.de.
Foto: dpa
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