16.01.2012, 19:23 Uhr
Von Manfred Scherer
BAYREUTH/PEGNITZ/PLECH. Er verkaufte Autos, die nie geliefert wurden. Seit Montag steht ein 44-jähriger Mann als Serienbetrüger angeklagt vor dem Landgericht Bayreuth. Der Angeklagte, der zuletzt in Plech wohnte, sitzt seit Mai 2011 im Untersuchungsgefängnis und behauptet, er sei selbst betrogen worden – vom großen Unbekannten.
Vier Anklageschriften hat das Gericht gegen den Mann zugelassen – der Fall, der dem schwersten Vorwurf zugrunde liegt, wurde in einem Wirtshaus in Plech ausgebrütet: Der 44-Jährige brüstete sich über Mundpropaganda als Autohändler mit Kontakten in die USA. Von dort könne er bestimmte, auf dem Markt besonders begehrte Autos, besorgen und zu wesentlich günstigeren Preisen reimportieren.
Dies war nach Überzeugung der Anklagebehörde nur ein Köder: Tatsächlich bissen im Frühjahr 2009 zwei junge Männer an. Ein heute 28-Jähriger schloss einen Kaufvertrag für einen vier Monate alten Audi A 4 mit einer Laufleistung von rund 12.000 Kilometer. Kostenpunkt: 24.500 Euro. Die Sicherung des Schnäppchens für den Käufer sollte über eine Anzahlung von 10.000 Euro erfolgen. Der Käufer sah nie ein Auto. Als Zeuge im Gericht sagte er am Montag: „Es hat nie ein Auto gegeben, nur Vertröstungen.“
Über das Warten auf den Audi ließ sich der 28-Jährige gar eine zweite Summe von 10.000 Euro aus dem Kreuz leiern: Das Geld diente als Darlehen für einen supergünstigen Autokauf, den der Angeklagte abwickelte. Für das zweimonatige Darlehen versprach der Angeklagte dem 28-Jährigen eine Rendite von mehr als 3.000 Euro.Wenig später knöpfte der Angeklagte einem Freund des ersten Opfers mit derselben Masche – und dem selbem Wunschauto Audi A 4 – 12.000 Euro Anzahlung ab.
Die so um 32.000 Euro betrogenen Zeugen berichtete, es habe einige Zeit gedauert, bis ihnen klargeworden sei, dass sie übers Ohr gehauen wurden: „Täglich kam eine neue Ausrede per SMS auf mein Handy“, sagte einer.
Wesentliches Kriterium für den Vorwurf des Betruges ist das Vorspiegeln falscher Tatsachen, um damit einen finanziellen Vorteil zu erlangen. Der Angeklagte bestritt den Betrugsvorwurf, indem er behauptete, die in der Anklage genannten falschen Tatsachen seien Wirklichkeit: Er habe tatsächlich für einen griechischen Autohändler als Vermittler gearbeitet. Der habe über die guten Kontakte in die USA verfügt.
Der Name des Griechen kam erst spät ins Spiel, weil der Angeklagte untergetaucht war – angeblich hatte er auf eigene Faust nach dem Griechen gesucht. Das Betrugsdezernat der Bayreuther Kripo zapfte alle verfügbaren Melderegister und Computerdateien an – der Grieche existiert ebenso wenig wie die versprochenen Autos.
Der Prozess wird fortgesetzt.
Symbolbild: pa
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