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02.01.2012, 22:01 Uhr

 

Ziegelhütten: Ein Tannhäuser zum Lachen

Von Rainer Unger

KULMBACH. Warum ins Bayreuther Festspielhaus fahren, wenn „Tannhäuser“ auch im Ziegelhüttener Festspieltempel zu genießen ist?

 

Warum ins Bayreuther Festspielhaus fahren, wenn „Tannhäuser“ auch im Ziegelhüttener Festspieltempel zu genießen ist? Wenn die Erlebnisse des Minnesängers in einer Bearbeitung von Rüdiger Baumann im Ziegelhüttener Festspieltempel „Das Baumann“ gekostet werden können, ist eines garantiert: Zum Lachen gibt es hier wesentlich mehr.

Ihr zehnjähriges Bestehen feiert die Theatergruppe Schauhaufen in diesem Jahr. Das war für Gründer Rüdiger Baumann der Anlass, ein Stück von Johann Nestroy auf die Bühne zu bringen: Nahm doch mit Nestroys „Häuptling Abendwind“ die Erfolgsgeschichte des Ensembles ihren Anfang. Auf den Tag genau zehn Jahre nach der ersten Aufführung fand an Silvester eine Premiere statt, die es in sich hatte.

Erneut beeindruckend

Frank „Frecko“ Schott als Tannhäuser beeindruckte erneut mit einer herausragenden schauspielerischen Leistung. Trotz seiner Beziehung zur Liebesgöttin Venus (Linda Wagner), die er sichtlich genießt – „Ich habe einen tollen Posten, darf der Venus Liebe kosten“ – zieht es Tannhäuser zurück zur Erde und zu Elisabeth (Silvia Wallner). Er entzieht sich der Liebe der Göttin und widersteht den Versuchungen der ihn umgarnenden Nymphen.

Während er fast von allen mit offenen Armen aufgenommen wird, ist einzig Wolfram (Rüdiger Baumann) die Rückkehr ein Dorn im Auge, denn schließlich hatte er sich Chancen bei Elisabeth ausgerechnet: „Es ist ja wirklich wie verhext, warum bleibt der nicht, wo der Pfeffer wächst!“, macht der aus seinen Gefühlen keinen Hehl. Ein Sängerwettstreit soll entscheiden, wer Elisabeth bekommt, doch hat deren Vater, der Landgraf (Bernd Süß) eigentlich schon vorher dafür gesorgt, dass Tannhäuser gewinnt. Der schafft es aber, dank göttlicher Eingebung der ihm zürnenden Venus, sich in die Verbannung zu singen.

Unorthodoxe Reime

Rüdiger Baumann ist es wieder einmal gelungen, die Besucher mit seinem Werk zu begeistern. Witzige, pfiffige Dialoge, unorthodoxe Reime, die die Zeit der Minnesänger in die Gegenwart holen, eine Flötengruppe, deren Spiel fast schon an Körperverletzung grenzt, aber auch Bezüge zu aktuellen Themen prägen die Aufführung. So vergleicht Rüdiger Baumann beispielsweise die Minnesänger mit den heutigen Gesangsvereinen, die unter dem mangelnden Interesse der Jugend leiden. Thomas Schimmel zeichnet sich für die Musik verantwortlich und sorgt somit für die passende akustische Untermalung.

Foto: Unger




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