01.01.2012, 13:52 Uhr
Von Eric Waha
BAYREUTH. Der Euro und die Banken vor Ort: Schwerer Abschied von der Mark, der vor zehn Jahren viele Überstunden nötig machte.

Im Vergleich zu heute, zehn Jahre nach der Einführung, hatte es der Euro wesentlich leichter: Jeder wollte ihn haben. Das allerdings stellte die Banken vor eine Herausforderung, wie es vorher keine vergleichbare gegeben hat. Alles musste auf den 1. Januar 2002 zugeschnitten sein. Big Bang nannte man das damals, was der Vorstand der Bayreuther VR-Bank, Karlheinz Löbl, „eine Jahrtausendaufgabe“ nennt. Ein Rückblick.
"Jeder wollte ihn"
Löbls Nachbar und Mitbewerber am Luitpoldplatz, der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse, Siegmund Schiminski, vergleicht die Einführung es Euro mit „der Grenzöffnung, als alle zu den Banken kamen und das Begrüßungsgeld haben wollten“. Der Euro war in den ersten Tagen des Jahres 2002 eine gefragte Sache: „Jeder wollte ihn“, erinnert sich Schiminski im Kurier-Gespräch. „Die Mitarbeiter selber hätten am liebsten schon vor dem Start Euros gehabt. Insgesamt ist das aber bei uns sehr gut gelaufen, auch mit dem Sicherheitsdienst, der die Filialen versorgt hat, damit wir pünktlich zum Big Bang rauskamen. Wir waren aber auch durch die Landeszentralbank in Bayreuth gut versorgt.“
Eine große Herausforderung sei der Umtausch gewesen: Denn die meisten Bayreuther hätten „cash to cash haben wollen, da gab es am Anfang schon Engpässen mit dem Papiergeld, wenn einer richtig viel umtauschen wollte“. Nach dem ersten großen Ansturm mit tonnenschweren Tauschgeschäften folgte die Welle der Kredite, die umgearbeitet werden mussten: „Wir mussten praktisch jeden Kreditvorgang im ersten halben Jahr in die Hand nehmen und auf Euro umrechnen“, sagt Schiminski, dem es, wie er sich erinnert, nicht sehr schwer gefallen sei, auf die neue Währung umzusteigen. „Die D-Mark-Scheine waren vom Papier her weicher, das weiß ich noch. Aber ich könnte jetzt aus dem Stand nicht mehr sagen, wie die Scheine ausgesehen haben.“
Die bösen Buben
Aus seiner Sicht habe sich der Euro bewährt in den vergangenen zehn Jahren – auch wenn es keine Jubelfeiern zu seinem ersten runden Geburtstag gibt. „Das war doch schon im ersten Frühjahr nach der Einführung toll, dass man im Urlaub mit einer Währung zahlen konnte.“ Wenn es, wie Schiminski sagt, „die bösen Buben nicht gegeben hätte“, hätte der Euro keine Schrammen im Lack bekommen.
Bei dieser Aussage liegen Schiminski und Karlheinz Löbl auf einer Linie. Auch Löbl bescheinigt dem Euro „eine Erfolgsgeschichte“. Es gebe auch aus Sicht der beiden Bankdirektoren keine Euro-Krise, sondern eine Staatsschuldenkrise, das müsse man sehr fein trennen. „Der Euro ist stabil geblieben, was seinen Wert angeht. Und der Euro war auch dabei, im Wettbewerb zum Dollar zu einer der wichtigsten Währungen in der Welt zu werden. Diejenigen, die Überschüsse erwirtschaftet haben, haben in Euro angelegt – mit Blick auf den schwächelnden Dollar“, sagt Löbl.
Der Chef der VR-Bank kann sich noch genau erinnern, wie er der Umstellung auf die neue Währung entgegengefiebert hat: „Wir haben dieses bewusste Silvester bei Freunden in Bindlach gefeiert – und wir standen pünktlich um 0.01 Uhr am Geldautomaten, um zu sehen, ob es auch klappt. Ich war ganz nah dran am Geschehen und total erleichtert, als ich gesehen habe: es läuft störungsfrei. Ganz normal, wie wenn es die gute, alte D-Mark wäre“.
Mengen an Mark
Erstaunlich sei für ihn zum Zeitpunkt der Einführung des Euro gewesen, „welche Mengen an D-Mark getauscht wurden – und vor allem: welchen Bestand an D-Mark es heute noch gibt“. Er habe zum Jahres- und damit Währungswechsel 2002 weniger Sorge gehabt, dass den Banken die Euros ausgehen würden, sondern eher gebangt, „ob die Software und die Computer funktionieren werden, damit das alles reibungslos über die Bühne geht. Ich hatte auch Sorge, ob irgendwelche Kräfte das ganze Projekt boykottieren würden“.
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