30.12.2011, 11:00 Uhr
Von Frank Schmälzle
BAYREUTH. Zu Weihnachten hatte sich der Junge nichts sehnlicher gewünscht als ein Goldhamster-Pärchen. Groß war dann die Enttäuschung bei der Bescherung: Das Christkind hatte ihm Hamster einer anderen Rasse gebracht. Die kleinen Nager sind inzwischen im Bayreuther Tierheim gelandet.
Trotz der traurigen Geschichte: Guido Zahn, stellvertretender Vorsitzender des Tierschutzvereins Bayreuth, hat mit diesem Weihnachtsfest seinen Frieden gemacht. Denn die falsch ausgewählten Hamster sind die einzigen Weihnachtstiere, die nach dem Fest im Tierheim abgegeben wurden. „Noch vor drei, vier Jahren war das ganz anders“, sagt der aktive Tierschützer. Da wurden die so schnell abgeliebten Meerschweinchen auch schon mal kartonweise vor dem Tierheim abgestellt, kleine Hunde am Tor des Tierheims angebunden. Im juristischen Sinne ist das Aussetzen eines Tieres übrigens eine Straftat .
Dass die Appelle, keine Welpen unter den Weihnachtsbaum zu setzen und Tiere nicht unbedacht zu verschenken, anscheinend gefruchtet haben, freut Guido Zahn aufrichtig. Denn die Arbeit geht den Mitarbeitern im Tierheim auch ohne Weihnachtsgeschäft nicht aus.
Alljährlich nehmen sie etwa 500 Tiere auf, „die Zahl ist relativ konstant, aber leider auch sehr hoch“, so der stellvertretende Vereinsvorsitzende. Mehr als 300 Tiere vermittelt der Tierschutzverein an neue Frauchen und Herrchen weiter – auch Guido Zahn selbst hat seinen Hund aus einem Tierheim.
Wilde Geschichten
Nicht immer können die Mitarbeiterinnen des Tierschutzvereins so ganz glauben, was ihnen Menschen, die ihre einstigen Lieblinge loswerden wollen, an Geschichten auftischen. Eine Deutsche Dogge ist seit ein paar Tagen zu Gast im Tierheim. „Die Besitzer hatten das Tier für wenig Geld gekauft und uns erzählt, der Hund sei nicht stubenrein. Sie könnten ihn deshalb nicht in ihrer Wohnung halten“, sagt Zahn. Kann sein. Kann aber auch sein, dass manch Hundebesitzer irgendwann erstaunt feststellt, wie groß und anspruchsvoll sein Vierbeiner tatsächlich ist.
Dass sich die Zeiten grundlegend geändert haben und sich der Verein tatsächlich mit dem Tierschutz und nicht mehr mit internen Streitigkeiten beschäftigt, führt Guido Zahn auf ein gut harmonierendes Vorstandsteam zurück. Zu je einem Drittel finanziert man die Arbeit aus Spenden, aus Zuwendungen von Stadt und Landkreis und aus Mitgliedsbeiträgen. Gerade bei den Beiträgen ist noch Luft nach oben, meint der stellvertretende Vorsitzende. Gut 350 Menschen gehören dem Verein an. Für einen Tierschutzverein ist das eine verhältnismäßig kleine Zahl, „was sicherlich auch mit der turbulenten Vergangenheit zu tun hat“. Im Tierschutzverein hatten sich Vorstandsmitglieder über Jahre hinweg gegenseitig der Lüge und des Betrugs bezichtigt und sich wechselseitig mit Gerichtsverfahren überzogen. Seitdem Ruhe eingekehrt ist, steigt die Zahl der Mitglieder und verbessert sich das Renommee des Vereins. Manchmal, bei schönem Wetter, kommen an einem einzigen Sonntag um die 300 Menschen ins Tierheim. „Wir sind ein Treffpunkt geworden, an dem die Menschen gerne ihre Freizeit verbringen“, sagt Zahn. Darauf lasse sich aufbauen.
Investitionen
Auf Rosen gebettet sind die Tierschützer deshalb aber noch lange nicht. „Wir investieren. Aber wir müssen für jede etwas größere Ausgabe Spenden sammeln.“ Aktuell geht es um zwei neue Isolierstation für kranke Katzen. „Mich hat es umgehauen, als ich gehört habe, was schon eine solche Box kostet“, sagt Zahn. Satte 3600 Euro. Aber auch dieses Geld wird zusammengekommen. Da ist Zahn sehr zuversichtlich.
Foto: dpa
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