Siebeneinhalb Jahre Haft für 17-Jährige wegen versuchten Mordes
MEMMINGEN/SENDEN. Immer wieder haben Mutter und Tochter gestritten, weil sich die 17-Jährige für ihr verwahrlostes Zuhause schämte. Als die Situation eskalierte, schlug das Mädchen mit einer Flasche auf den Kopf der Mutter ein. Das Gericht verurteilte sie nun wegen versuchten Mordes.
Weil sie versucht hat, ihre Mutter zu töten, ist eine 17-Jährige am Dienstag zu sieben Jahren und sechs Monaten Jugendstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Memmingen sprach die
Jugendliche des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Sie hatte ihrer schlafenden Mutter mit einer Weinflasche mehrfach auf den Kopf und ins Gesicht
geschlagen. Das Opfer erlitt dadurch schwere Hirnverletzungen. "Sie war ungeheuer wütend und hat den Entschluss gefasst, die Mutter zu töten", sagte die Vorsitzende Richterin. Als Motiv
sah das Gericht familiäre Streitigkeiten, die bereits mehrere Jahre dauerten. Die Tochter habe sich geschämt für ihre Mutter und ihr verwahrlostes Zuhause.
Die Staatsanwaltschaft hatte für die 17-Jährige acht Jahre und fünf Monate, die Verteidigung vier Jahre Jugendstrafe gefordert. Der mitangeklagte Vater wurde wegen erwiesener
Unschuld freigesprochen.
Massive Blutspuren
Die Tat ereignete sich in der Nacht zum 28. Januar im Haus der Familie im schwäbischen Senden. Ihr war ein Streit zwischen den beiden Frauen und dem damals 13-jährigen Sohn
vorausgegangen. Als die Mutter schlief, ging die Tochter in das elterliche Schlafzimmer und schlug ihr mehrmals mit einer vollen Weinflasche auf den Kopf. Sie ließ zunächst von der
Schwerverletzten ab, ging später aber noch einmal ins Schlafzimmer und schlug erneut mit der Weinflasche auf das Gesicht und den Kopf der stark blutenden und röchelnden Frau. Nach
Auffassung des Gerichts zeigen die massiven Blutspuren am Tatort und die Schwere der Verletzungen, mit welcher Wucht die 17-Jährige die Tat ausgeübt hat. "Wer so zuschlägt, will
töten", sagte die Richterin.
Als der Vater kurz darauf von einem Kneipenbesuch nach Hause kam und das Opfer blutüberströmt im Bett liegen sah, verständigte er den Notarzt. "Mit dem Anruf hat er seiner Frau das
Leben gerettet", sagte die Richterin. Der 46-Jährige war nach der Tat festgenommen worden und musste sich zusammen mit seiner Tochter wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Die
Anklagebehörde war zunächst davon ausgegangen, dass er versucht hatte, das Werk seiner Tochter zu vollenden. Während des Prozesses wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen, weil
gegen ihn kein dringender Tatverdacht mehr bestand.
Die Frau überlebte die Attacke mit schweren Hirnverletzungen. Sie ist heute noch teilweise gelähmt und wird in einem Heim versorgt. In ihrem Schlusswort sagte die 17-Jährige, sie
hoffe, dass ihre Mutter wieder gesund und alles gut wird. "Es tut mir unendlich leid."
dpa/Symbolbild: pa
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