Christoph Mehler nimmt Büchners Drama-Fragment, das erst 1913, lange nach dem Tod des Dichters (1813 bis 1837), in München aufgeführt wurde, beim Wort und stellt es in Szenenfetzen,
untermalt von einer ohrenbetäubenden Geräuschkulisse, auf die kahle Bühne von Nele Balkhausen. Stefan Lorch spielt diesen „hirnwütigen“, in den Wahnsinn und in den
Mord an seiner Marie getriebenen armen Teufel. Über eine Stunde rennt er buchstäblich um sein Leben, bis zur physischen Erschöpfung.
Von Gesichten und Halluzinationen getrieben, verkauft er seinen Körper zur Vivisektion an den Doktor (ein eiskalter und hämischer Jochen Kuhl), wird schikaniert vom Hauptmann (Pius Maria
Cüppers) und gedemütigt vom Tambourmajor (Thomas Klenk), der seine Braut Marie (Julia Bartolome) vor Woyzecks Augen verführt. In natura hört man nur Woyzecks keuchenden Atem;
die Stimmen seiner Plagegeister dröhnen aus Lautsprechern an die Ohren der Zuschauer – krass, wie Mensch und Technik da aufeinanderprallen. In einem orgiastischen Crescendo endet die
Inszenierung.
War das nun Büchner? Trotz eindrucksvoller Ansätze und greller Effekte bliebt diese Produktion vieles schuldig. Manchmal ist er geradezu unverständlich. Auch das Publikum war
über diesen seltsam unbehauenen Abend gespalten: Zwischen begeistertem Applaus hörte man heftige Buhs. F. J. Bröder
INFO Nächste Vorstellungen am 21. und 30. Dezember sowie am 8., 12., 18., 21. und 28. Januar. Karten unter 01 80/5 23 16 00.