18.12.2011, 17:30 Uhr
Von Frank Schmälzle
BAYREUTH. Die Lainecker machen sich Sorgen: Jetzt schon gehen ihnen die Züge auf die Nerven, die allein an der Haltestelle Warmensteinacher Straße 5000 Warnsignale pro Jahr abgeben. Kein Einziges davon, sagen die betroffenen Anwohner, ist wirklich notwendig. Und jetzt droht neues Ungemach: Die Situation werde sich wohl weiter zuspitzen, wenn das Logistikzentrum auf dem Gelände der nahe gelegenen Markgrafenkaserne seinen Betrieb aufgenommen hat.
Man muss genau hinschauen, sagt Monika Meusel. Auf dem Bebauungsplan für das Logistikzentrum ist eher am Rande auch eine mögliche künftige Bahnanbindung vorgesehen. Sollte die gebaut werden, würden die Güterzüge auf Schienen entlang der Warmensteinancher Straße durch Laineck rumpeln, per Unterführung die Staatsstraße von Bayreuth in Richtung Weidenberg kreuzen und dann das Logistikzentrum erreichen. „Es ist viel über das Projekt selbst, aber so gut wie gar nichts über diese Bahnanbindung gesprochen worden.“ So viel beredtes Schweigen machen Monika Meusel und andere Anwohner eher misstrauisch.
Von der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik erwarten die Lainecker, dass Alternativen geprüft werden. Ein Ingenieur, der im Stadtteil wohnt, hat eine solche zweite Variante für einen Schienenanschluss des Logistikzentrums entwickelt: Bis zur Firma Bilsheim und auch zur Firma Lyondellbasell, beide an der Weiherstraße gelegen, liegen bereits intakte Schienen. Mit einer Stahlkonstruktion ließe sich die Autobahn überbrücken und das Logistikzentrum von der anderen Seite erreichen.
Durch das Industriegebiet
Stören würde das keine Menschenseele, denn die Erschließung würde durch das Industriegebiet erfolgen. Und dass diese Alternativlösung im Vergleich zur Trasse über Laineck die teurere Variante wäre, ist nach Meinung der dann betroffenen Anwohner keineswegs ausgemachte Sache. „Auch das müsste die Stadt unserer Meinung nach prüfen“, sagt Monika Meusel. So mancher in Laineck fürchtet, dass mit einer Bahnanbindung des Logistikzentrums auch noch die letzten Ruheoasen verloren gehen könnten. Von 6 Uhr morgens bis 22 Uhr abends sind jetzt schon Personenzüge des Betreibers Agilis zwischen Bayreuth und Weidenberg unterwegs. „Da passt der Güterverkehr wohl zeitlich kaum mehr dazwischen“, meint Monika Meusel. „Wir müssen also befürchten, dass die Güterzüge dann nachts hier durchrollen.“
Dabei ist die Lärmbelastung durch den Zugverkehr nach Ansicht der Anwohner heute schon so unnötig wie ein Kropf. „Was wir hier erleben, ist ein wahrer Schildbürgerstreich“, sagt Birgit Bühlmeyer. Denn schon einmal hatten die Lainecker gegen die pfeifenden Züge an der Warmensteinacher Straße gekämpft – und das mit Erfolg: Ein Übergang, den ausschließlich ein Bauer viermal im Jahr benutzt hatte, war geschlossen und zur Fußgängerfurt umgebaut worden. An solchen Überwegen müssen Zugführer nicht auf die Hupe drücken. Die Deutsche Bahn, die damals die Strecke bediente, hielt sich daran.
Bürger zogen weg
Pech für die Lainecker: Das Schild mit dem großen P, dass Zugführer dazu anhält, das Pfeifsignal zu betätigen, ist nach wie vor vorhanden. „Und seitdem Agilis jetzt die Strecke bedient, wird wieder regelmäßig gepfiffen“, ärgert sich Birgit Bühlmeyer. In Richtung Friedrichsthal existieren weitere Bahnübergänge, noch wesentlich näher an Wohnhäusern. „Es sind schon Leute entnervt hier weggezogen“, so die Anwohnerin. So weit wollen es Birgit Bühlmeyer, Monika Meusel und die Gruppe engagierter Lainecker für sich nicht kommen lassen. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen die Bahn“, sagen sie. „Aber wir wollen, dass der Unsinn aufhört und dass bürgerfreundlich geplant wird.“
Auch der evangelische Pfarrer in Laineck, Gottfried Lindner, fordert mehr Transparenz beim Thema Bahnanschluss des Logistikzentrums. Die Bürger sollten darüber aufgeklärt werden, was geplant sei, wann und wie viele Güterzüge fahren. „Man darf die Bürger nicht vor vollendete Tatsachen stellen“, sagt Lindner. Auch bei der Belästigung durch Pfeifsignale müsse eine Lösung gefunden werden.
Mehr zu dem Thema: Lesen Sie in der Montagsausgabe des Kuriers ein ausführliches Statement von der Stadt.
Foto: Lammel
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