17.12.2011, 11:30 Uhr
Von Torsten Ernstberger
BAYREUTH. Schauspielerei ist ihre große Leidenschaft: Seit 1986 steht die Neudrossenfelderin Alexandra Voit (51) auf der Bühne des Brandenburger Kulturstadels in Bayreuth. Sie feiert am Samstag, 17. Dezember, im Stück „Die Schneekönigin“ ihren 700. Auftritt und hat damit mehr Bühnenerfahrung als jeder andere Laienschauspieler des Kulturstadels.
700 Auftritte: Das wären – bei einer durchschnittlichen Stücklänge von 90 Minuten – 1050 Stunden oder fast 44 Tage, die Voit in ihrer Zeit beim Kulturstadl auf der Bühne stand. Dazu kommen Proben und Zeit, die in das Lernen der Texte investiert werden muss. „Ja, außer der Schauspielerei habe ich keine anderen Hobbys“, sagt Voit im Gespräch mit dem Kurier. „Aber es macht mir einfach unendlich viel Spaß, in andere Welten, in ein anderes Ich abzutauchen“, beschreibt Voit ihre Liebe zur Schauspielerei. Obwohl Theater auch mal „Stress pur“ bedeutet, gelinge es ihr, sich bei ihren Auftritten zu entspannen.
Vor einem Vierteljahrhundert durchstöberte Voit ein Programmheft des Kulturstadels. „Dort stand auch der Aufruf: Schauspieler gesucht“, erinnert sich Voit. Als Frau der Tat schaute sie einfach vorbei. „Ich war sofort Feuer und Flamme und bin seitdem der Schauspielerei restlos verfallen.“
Spezialistin für böse Rollen
An ihr Debüt erinnert sie sich genau: In einer Nebenrolle in „Draußen vor der Tür“ musste sie elfmal den Satz „Mich friert vor diesen Menschen“ sagen. „Noch heute necken mich meine Kollegen wegen dieser wortkargen Rolle“, sagt Voit. Mit der Zeit bekam sie immer größere Sprechrollen und ist heute Spezialistin für „böse Charaktere“. Am liebsten spielt sie die Hexe im Märchen „Hänsel und Gretel“ und die Schneekönigin im gleichnamigen Theaterstück. Voit: „Da kann ich richtig aus mir rausgehen.“ Erst zu ihrem 40. Geburtstag erfüllte sie sich einen Kindertraum und spielte eine waschechte Prinzessin. „Ich hatte eine Perücke mit langen blonden Locken auf. Das war schon ziemlich hart für mich“, lacht Voit.
Als sie ihre eigene Familie gründete und ihre zwei Buben bekam – sie sind heute acht und zehn Jahre alt –, trat Voit im Kulturstadl etwas kürzer. Bis dahin hatte sie sich nicht nur als Darstellerin, sondern auch im Vorstand und als Regisseurin von Kinderstücken engagiert. „Die Truppe des Kulturstadels ist eine eingeschworene Gemeinschaft“, schwärmt Voit. Dort habe sie wahre Freunde gefunden.
An ein Ende ihrer Schauspielkarriere denkt die 51-jährige Neudrossenfelderin nicht: „Das macht mir so viel Spaß, dass ich auf der Bühne stehen werde, so lange es geht.“ Dann bestimmt auch einmal als Titelheldin in Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“: Von dieser Rolle träumt Voit schon lange.
Foto: Harbach
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