13.12.2011, 18:42 Uhr
Von Manfred Scherer
BAYREUTH. Die ehemalige Sexsklavin bekommt Schützenhilfe von Zeugen: Im Lauf der Beweisaufnahme im Bayreuther Rotlichtprozess verdichten sich die Indizien, dass der 64-jährige Angeklagte die 36 Jahre jüngere Prostituierte schwer misshandelte. „Er hielt sie wie ein Stück Vieh“, erklärte eine ehemalige Barfrau des Clubs. Klar wurde auch: Das heute 28-jährige Opfer ist eine besondere Frau – einige Männer verliebten sich in sie, fast wie in dem Schmalzfilm „Pretty Woman“, in dem Richard Gere Julia Roberts aus dem Rotlichtmilieu rettet.
Wie mehrfach berichtet, legt die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten eine Reihe schwerer Verbrechen und Delikte zur Last: Zuhälterei, Menschenhandel, mehrfache Vergewaltigung, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Betrug. Das Opfer fiel seiner eigenen Aussage zufolge als 14-jährige Gymnasiastin in die Hände des viel älteren Mannes und verliebte sich. Aus Liebe und für den den Traum, einen gemeinsamen Reitstall aufzubauen, erklärte die Frau sich anfangs bereit anschaffen zu gehen. Doch im Lauf der Jahre entpuppte sich ihr Geliebter als brutaler Sklavenhalter: Begehrte sie auf, setzte es massive Prügel, Vergewaltigung setzte der Mann als Machtmittel ein.
Zeugenaussagen
An vier Prozesstagen hatte die 28-Jährige ihr mehrjähriges Martyrium geschildert. Mit einer aufwändigen Beweisaufnahme haben sich die Richter der Strafkammer seither daran gemacht, die schier unglaubliche Geschichte der Frau auf ihren Wahrheitsgehalt abzuklopfen.
Am gestrigen siebten Verhandlungstag untermauerte eine 55-jährige Zeugin die Glaubwürdigkeit des Opfers. Die Zeugin war mehrere Jahre Barfrau in dem Bayreuther Club, den der Angeklagte gepachtet hatte. Hauptattraktion in dem Club war die 28-jährige Freundin des Angeklagten. Eine der anderen Huren hatte das so ausgedrückt: „Sie war das beste Pferd im Stall.“ Doch das beste Pferd wurde nicht gehegt und nicht gepflegt, wie die Barfrau als Zeugin aussagte: „Er behandelte sie wie ein Stück Vieh, es war manchmal unvorstellbar.“ Die Barfrau bestätigte, dass das Opfer von mehreren brutalen Vergewaltigungen und Misshandlungen berichtet habe – in einem Fall sei das Opfer stundenlang ans Bett gefesselt gewesen.
Die die Zeugenaussage einer ehemaligen Arbeitskollegin, die sich auffällig bemühte, die Hauptzeugin zu belasten, wurde trotzdem zum weiteren Glied in der Indizienkette, die für die Glaubwürdigkeit der 28-Jährigen spricht: Die 30-jährige Zeugin, die behauptete, sie habe nichts von Misshandlungen mitbekommen, musste ihre Aussage vor Gericht Zug um Zug zurücknehmen: Die Richter hielten ihr nämlich das Polizeiprotokoll vor, in dem die Zeugin sehr wohl die Glaubwürdigkeit des Opfers bestätigt.
Mann wollte Frau aus Liebe retten
Mehrere Männer verliebten sich in das Opfer. Darunter ein junger Mann aus einem Ort bei Pegnitz. Er bildete sich ein, die 28-Jährige retten zu können und verlor sein Vermögen, das der Angeklagte ihm durch Lug und Trug abgeluchst haben soll. Als die 28-Jährige sich aber weigerte, dem Betrugsopfer ein Heiratsversprechen zu geben, brach der Angeklagte ihr einen Finger. Ein Taxifahrer, der mit der Frau eine heimliche Affäre hatte, bekannte: „Ich wollte sie aus dem Milieu holen. Aber das war zu schwer, sie war ihm hörig. Sie sagte, sie sei programmiert worden.“ Der Prozess wird fortgesetzt
Symbolbild: pa
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