13.12.2011, 16:44 Uhr
Von Eric Waha
BAYREUTH. Sie sprechen. Und es gibt sehr viel, was sie erzählen, die Knochen, die der Archäologe Magnus Wintergerst aus dem unmittelbaren Umfeld der Stadtkirche geholt hat. Bis ins zwölfte Jahrhundert kann Wintergerst die Bestattung der Skelette datieren. Rund 300 Tote hat der Archäologe in den vergangenen Wochen geborgen.
Es gehört nicht zu den gemütlichsten Aufgaben, im nasskalten Spätherbst im Boden rund um die Stadtkirche zu arbeiten. Dennoch scheint der promovierte Archäologe Magnus Wintergerst aus Bamberg nicht unglücklich zu sein – „auch, wenn es gerade ein bisschen beschwerlich wird. Der Boden wird nicht mehr trocken, die Knochen kriegt man nicht mehr sauber“, wie er sagt. Weil rund um die Stadtkirche ein Kanal für die Dachentwässerung verlegt werden muss, ist Wintergerst unter fachlicher Aufsicht des Landesamts für Denkmalpflege im Vorfeld der Bauarbeiten im Einsatz. Ein Verdienst der vergangenen zehn, 20 Jahre, seit auch die Bodendenkmäler kartiert und bekannt sind. „Vorher hat man sich darum nicht groß gekümmert“, sagt Wintergerst. Bester Beleg dafür: Ein altes Abwasserrohr, das quer durch mehrere Schichten Knochen verlegt ist.
Gestreckt oder gekreuzt
Im Norden der Kirche liegen die Gräber „ziemlich tief. Dort ist auch offenbar Erdreich aufgetragen worden im Verlauf der Jahrhunderte. Auf der Südseite sieht das anders aus: dort stößt man bereits nach 60, 70 Zentimetern auf Skelette“, sagt Wintergerst. Särge hat er „nur drei oder vier gefunden. Die anderen Bestattungen haben ohne Sarg stattgefunden“. An der Armhaltung der Toten lasse sich deutlich ablesen, wann die Beisetzung stattgefunden hat: „Die ersten Bestattungen waren wohl um 1200 hier rund um die Stadtkirche. Die ersten Toten liegen hier mit seitlich angelegten Armen. Später ändert sich die Armhaltung, was den Wechsel vom Hoch- zum Spätmittelalter andeutet.“ Die Menschen wurden dann mit über dem Bauch verschränkten und später vor der Brust gekreuzten Armen beigesetzt. Auf der Nordseite der Kirche liegen die Toten aus der urkundlich überlieferten Anfangszeit Bayreuths, dort fand man auch die Reste der romanischen Vorgängerkirche.
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