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13.12.2011, 14:16 Uhr

 

Vier Hochschulen und vier Oberbürgermeister entwickeln Stiftungsidee

Von Frank Schmälzle

BAYREUTH. Mittelfristig sollen drei bis fünf Millionen Euro zusammenkommen: So viel Kapital braucht die in Gründung befindliche Wissenschaftsstiftung Oberfranken, um aus ihren Erträgen Studierende und Hochschulen, Wirtschaft und Wissenschaft in der Region wirksam zu unterstützen. Bei einem kommunalpolitischen Gipfeltreffen gestern im Bayreuther Rathaus stellten die Oberbürgermeister der vier oberfränkischen Hochschulstädte die Stiftungsidee und ihre Umsetzung vor.

 

Fünf von über 30.000: So viele junge Leute studieren in Oberfranken – ein Fachkäftereservoir für Unternehmen.Foto: Archiv/Lammel

Das Quartett aus den Oberzentren der Region sieht sich zurzeit öfter, die Oberbürgermeister üben demonstrativ den Schulterschluss im traditionell zerstrittenen Oberfranken. Bei einem Thema sind sich offenbar ganz besonders einig: Die Wissenschaftslandschaft Oberfranken, mit vier Hochschulen in einem Regierungsbezirk bereits heute eine Art Garten Eden in Bayern, soll wachsen und gedeihen.

Also machten sich die Oberbürgermeister gemeinsam mit den Präsidenten der Universität Bayreuth und Bamberg sowie der Fachhochschulen Coburg und Hof stark für die Technologieallianz Oberfranken, die statt einer weiteren Technischen Universität mit wahrscheinlichem Standort Nürnberg nunmehr 66 Millionen Euro für die Zukunftsforschung an die vier oberfränkischen Hochschulen bringt.

Forschung fördern und Innovationen anregen

Bei TAO geht es um Natur- und Ingenieurwissenschaften – um Mobilität und Energie, um Informationstechnologie und Neue Materialien. Die oberfränkische Wissenschaftsgemeinschaft, darauf wies gestern beim Hochschulgipfel im Rathaus Ekkehard Beck besonders hin, kann aber noch viel mehr: Über 200 Studiengänge aus unterschiedlichsten Disziplinen bieten die vier Hochschulen in Summe an. Mehr als 30.000 Studierende arbeiten in der Region auf ihren Abschluss hin. „Das ist ein Riesenreservoir an qualifiziertem Nachwuchs“, so der ehemalige Kanzler der Universität Bayreuth, der sich nach seiner Pensionierung in die Wissenschaftsstiftung hineinkniet.

Forschung fördern und Innovationen anregen, die Studienbedingungen in Oberfranken verbessern und die Hochschulen noch stärker für Bildung und berufsbegleitende Weiterbildung zu öffnen – das sind die satzungsgemäßen Ziele der neuen Stiftung. Der Weg dorthin ist ebenfalls bereits beschrieben: Ein Elitecampus für herausragende Studierende der vier Hochschulen in Oberfranken ist vorgesehen, zugleich ist der eine Art Kontaktbörse für Unternehmen, die junge Mitarbeiter suchen. Stipendien sollen junge Leute an den oberfränkischen Hochschulen halten oder sie nach Oberfranken locken. Kooperationen in Forschung und Lehre unter den vier Partnern will die Stiftung ebenso fördern wie den Dialog zwischen der Wissenschaft und der Öffentlichkeit. Insgesamt soll der Wissenschaftsstandort Oberfranken an Profil gewinnen.

Geld einwerben

Doch bevor all dies Wirklichkeit werden kann, ist Kernerarbeit zu leisten. Beck und sein Mitstreiter an der Spitze des Förderkreises der Wissenschaftsstiftung, der ehemalige Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer in Bayreuth Hans F. Trunzer, machen sich in diesen Tagen ans Einwerben von Stiftungsgeldern. Für ihre Arbeit im Förderkreis erhalten sie finanzielle Unterstützung von der Oberfrankenstiftung. Am Stiftungskapital selbst dürfen sich Oberfrankens Stiftungs-Wohltäter Nummer Eins indes nicht beteiligen. Privatpersonen und Unternehmen sprechen Trunzer und Beck nunmehr an und weisen dabei nicht nur auf die steuerlichen Vergünstigungen hin, die bei der Beteiligung an einer Stiftung winken. Forschungsprojekte, die Probleme in den Betreiben lösen, und der direkte Zugriff auf topausgebildete Fachkräfte sind Argumente, die ziehen: „Jedes Unternehmen, das diese Initiative unterstützt, tut etwas sehr Konkretes für seinen eigenen Standort“, sagt Trunzer.

Oberfrankens Wirtschaft profitiere bereits heute direkt oder indirekt von Oberfrankens Wissenschaft. Die Stiftung sei also eine gute Gelegenheit, „etwas von dem Profit zurückzugeben“, so Trunzer. Auch den beiden Universitäten und den beiden Hochschulen für angewandte Wissenschaften, sagt Trunzer, nutzt das Engagement der Stiftung und nutzt ihre darin sichtbar werdendeneue Bereitschaft zur Kooperation: In ein paar Jahren schon wird sich die Situation an den Universitäten und Hochschulen grundlegend verändert haben. Dann spricht keiner mehr von überfüllten Hörsälen, dann gehen die Studierendenzahlen deutlich zurück. Und dann, so meinen die Fürsprecher der Stiftung, brauchen die oberfränkischen Hochschulen über ihr Profil in Forschung und Lehre hinaus ein paar gute Argumente.




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