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12.12.2011, 09:46 Uhr

 

Luisenburg-Festspiele: Intendant Lerchenberg sorgt für steigende Besucherzahlen

WUNSIEDEL/BAYREUTH. Jammern hilft nicht. Michael Lerchenberg, Intendant der Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel, zeigt, dass es auch anders geht. Seit Jahren gelingt es ihm, die Besucherzahlen im Felsenlabyrinth kontinuierlich zu steigern. Umso mehr ärgert er sich über die Empfehlungen des Zukunftsrates. Auch im Interview mit Kurier-Redakteur Roman Kocholl.

 

Die Oberfranken sollten einfordern, was ihnen zusteht. Sagt Michael Lerchenberg. Foto: Archiv/dpa
Die Oberfranken sollten einfordern, was ihnen zusteht. Sagt Michael Lerchenberg. Foto: Archiv/dpa
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Die Oberfranken sollten einfordern, was ihnen zusteht. Sagt Michael Lerchenberg. Foto: Archiv/dpa
Tendenz Steigend: 152.000 Besucher kamen in dieser Spielzeit nach Wunsiedel. Vor acht Jahren, als Michael Lerchenberg die Leitung der Festspiele übernahm, waren es rund 120 000.Foto: Archiv/red
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Frage: Herr Lerchenberg, ruft denn der Begriff Zukunftsrat bei Ihnen inzwischen allergische Reaktion hervor?
Michael Lerchenberg: Nicht inzwischen, sondern schon immer. Schon im Jahr 2006 hat mir ein Mitglied eines solchen Beratergremiums der Staatskanzlei knallhart gesagt: Es gibt zwei Metropolregionen und der Rest kann schauen, wo er bleibt. Unter Stoiber hat man so etwas allerdings nicht öffentlich herumposaunt. Vielleicht waren damals auch weniger eitle Herren in diesem Zukunftsrat, als das jetzt der Fall ist. Man war damals nicht so sehr auf eine Schlagzeile aus. Auf der anderen Seite muss man aber fast dankbar sein, dass es diesen unsäglichen Verein mit seinen merkwürdigen Voten gibt, denn dadurch ist in diese Zukunftsdiskussion irrsinnig Würze hineingekommen. Inzwischen hat wohl auch der Letzte in der Region begriffen, sogar die von der CSU, dass es fünf vor zwölf ist und man dringend diesen Metropolregion-Fetischisten auf die Finger hauen muss.

Frage: Ziemlich feige, sich hinter einem Zukunftsrat zu verstecken ...
Lerchenberg: Man muss ja nur schauen, wer der Chef dieses Zukunftsrates ist. Das ist ein Unternehmensberater. Wenn heute ein Unternehmer zu feige ist, Leute zu entlassen, dann holt er sich einen Unternehmensberater. Genauso macht es die Staatsregierung. Sie alibisiert sich mit diesem Zukunftsrat. Und der haut ein Votum raus auf dem Niveau eines zweiten Semesters Betriebswirtschaftslehre: eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Auf gut Bayerisch gesagt: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen. Das heißt: In die zwei Metropolregionen München und Nürnberg wird investiert. Alles, was drum herum liegt und Geld kostet, lässt man fallen und am ausgestreckten Arm verhungern. Das mag für einen Betriebswirtschaftler richtig sein, aber das hat nichts mit der verantwortungsvollen Politik in einem Flächenstaat zu tun. Wir haben nun mal auch die Region um Coburg, das Allgäu, das Donauries oder das Fichtelgebirge zu bedienen.

Frage: Sie zitieren ja auch gerne mal Kant und verweisen auf die „selbst verschuldete Unmündigkeit“? Sind die Oberfranken wirklich selbst schuld an ihrer Situation? Für die Randlage können sie ja nichts.
Lerchenberg: Es kommt darauf an, wie man damit umgeht. In Oberfranken war schon immer der Jammerfaktor sehr hoch und die Bereitschaft, sich am eigenen Schopf aus dem Dreck zu ziehen, eher gering. Und wenn es einer getan hat, dann wurde er von den Umwohnern eher beneidet und argwöhnisch begleitet. Es gibt aber in Handwerk und Industrie genug positive Beispiele in Oberfranken, wie man sich gegen diesen Mainstream wehrt. Der Oberfranke hat es nur lange nicht verstanden, die Qualitäten seiner Region ins rechte Licht zu rücken. Das hat sich jetzt aber Gott sei Dank verändert. Lange Zeit ist man immer nur als Bittsteller mit dem Klingelbeutel nach München gefahren, anstatt viel selbstbewusster aufzutreten und zu sagen: Das steht uns zu.

Frage: Es gibt ja durchaus Ereignisse von überregionaler Strahlkraft ...
Lerchenberg: In der Kultur sind das natürlich die Bayreuther Festspiele, aber auch die Luisenburg-Festspiele. Im deutschsprachigen Raum ist Oberfranken – wenn man mal die Salzburger Festspiele ausklammert – Spitzenreiter, was Theaterfestspiele angeht. Außerdem haben wir das größte europäische Porzellanmuseum. Wir haben mit Hof, Coburg und Bamberg drei Symphonieorchester. Vergleichen Sie das mal mit Oberbayern und ziehen München und die Königsschlösser ab. Dann sehen Sie dort eine kulturelle Wüste. Da ist nix, außer alle zehn Jahre Oberammergau. Außer einem Theater in Ingolstadt findet man gar nichts in Oberbayern. Es zeigt sich, dass Oberfranken in dieser Hinsicht sogar Spitzenreiter ist.

Frage: Mit welchen Konsequenzen?
Lerchenberg: Nehmen wir den Landkreis Wunsiedel als einen der ärmsten Landkreise in Bayern im Vergleich zu einem Speckgürtel-Landkreis wie etwa Dachau oder Starnberg. Im Landkreis Starnberg gibt es kein Theater, kein Orchester, keine Veranstaltungsräume, kein Museum. Wenn ich das damit vergleiche, was etwa der Landkreis Wunsiedel den Bürgern kulturell bietet, dann muss man schon auch über die Mittelverteilung diskutieren. Die Leute engagieren sich hier ja ganz anders, sie machen ja viel mehr. Warum sollen sie dafür noch bestraft werden?

Frage: Die Kultur ist in Oberfranken also ein wichtiger Standortfaktor ...
Lerchenberg: Die Luisenburg hat eine sehr hohe Umwegrentabilität. Das heißt, die wenigen Steuereuros, die wir bekommen, die refinanzieren sich für den Staat um das 2,5-Fache. Das fängt ja schon damit an: Wenn in München einer ins Auto steigt, voll tankt und ins Fichtelgebirge fährt, dann klingelt beim Finanzminister die Kasse. Dann hat er aber noch keine Bratwurst gegessen und noch keinen Kaffee getrunken. Man bezeichnet Kultur gerne als weichen Standortfaktor. Das ist falsch. Kultur ist ein harter Standortfaktor, ja Wirtschaftsfaktor. Das zeigen die Luisenburg-Festspiele und natürlich auch die Festspiele in Bayreuth. Hier wird eine Menge Geld umgesetzt. Als Intendant sehe ich mich daher durchaus auch als mittelständischen Unternehmer. Der weiche Faktor ist dann eher das Emotionale, das Identitätsstiftende – aber auch das ist ungemein wichtig.




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