09.12.2011, 14:56 Uhr
Von Udo Fürst
WEIDEN/ESCHENBACH. Der Krankenhausstandort Eschenbach bleibt erhalten! Zumindest vorerst und auch nur in abgespeckter Version. Die wichtigsten Änderungen: Von den beiden akutstationären Abteilungen bleibt nur die internistische – vorerst bis zum 30. Juni 2012 – in Eschenbach, während die Chirurgie ab 1. Januar nach Kemnath verlagert wird. Im Gegenzug wird in Eschenbach eine Pflegeeinrichtung für Demenzkranke aufgebaut.
Gute Nachricht für Neustadt/Waldnaab: Das dortige Krankenhaus wird wie ursprünglichvorgesehen bis Ende 2013 weiterarbeiten. Diesen „tragfähigen und wirtschaftlich vertretbaren Kompromiss“ gaben Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Lippert und Klinikenvorstand Josef Götz gestern bei einer Pressekonferenz im Klinikum Weiden bekannt. In dieser Entscheidung, die vom Aufsichtsrat mit der überwältigenden Mehrheit von 20:1 Stimmen getroffen worden sei, liege auch eine Chance für das Krankenhaus in Eschenbach.
Eine Million Euro
„Nun kommt es darauf an, wie die Bürgerinnen und Bürger dort ihr Haus annehmen. Sie müssen den Unterschriften jetzt Taten folgen lassen“, sagte der Tirschenreuther Landrat. Davon und von der Kostenentwicklung des zuletzt arg defizitären Eschenbacher Hauses hänge es ab, ob die internistische Abteilung über den Juni hinaus erhalten werden könne. Lippert: „Damit wurden im Rahmen der Möglichkeiten auch die Bedenken der Bürger berücksichtigt.“
Lippert und Götz machten klar, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe. Den Eschenbacher Mitarbeitern werde angeboten, sich entweder für die neue Demenzeinrichtung zu qualifizieren oder in ein anderes Akutkrankenhaus der Kliniken Nordoberpfalz zu wechseln.
In den zweistufigen Aufbau der Pflegeeinrichtung für Demenzkranke investiert das Unternehmen laut Josef Götz eine Million Euro. Zunächst sind zwei Stationen mit 40 Plätzen geplant, später soll eine dritte Station mit weiteren 20 Pflegeplätzen hinzukommen.
Mitarbeiter verzichteten in letzten Jahren sogar auf Lohn
Das wirtschaftliche Risiko dieser neuen akutstationären Struktur tragen einmalig die Landkreise Neustadt/Waldnaab und Tirschenreuth bis zu einem nicht näher definierten Höchstbetrag. Den eventuell verbleibenden Rest übernimmt die Kliniken AG. Komplett außen vor bleibt die Stadt Weiden, die einen Beitrag verweigerte.
Unisono wiesen Lippert und Götz die Vorwürfe der vergangenen Wochen von regionalen Politikern als unberechtigt und unsachlich zurück. Man habe Prügel bezogen für etwas, das man überhaupt nicht zu verantworten habe. Schuld an der ganzen Misere seien die drastisch verschärften wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durch die Bundesregierung. „Diese Festlegungen machen es unmöglich, ohne weitere Strukturmaßnahmen zu überleben. „Wir mussten reagieren, um nicht die ganze Versorgungsstruktur in der Region zu gefährden“, verdeutlichte der Vorstand die prekäre Situation. „Die Leute hätten ihre Unterschriften besser in Berlin überreichen sollen.“
So sehe die wirtschaftliche Prognose auch für das kommende Jahr nicht rosig aus. „Wir müssen 2012 von einer Unterdeckung von mindestens 3,1 Millionen Euro ausgehen.“ Die Reduzierung dieses Defizits sei auf keinen Fall den Mitarbeitern durch eine weitere Arbeitsverdichtung zuzumuten. „Unsere Leute waren in den vergangenen Jahren überaus engagiert und haben sogar auf Lohn verzichtet. Das kann nicht immer so weiter gehen.“, sagte der Vorstand.
Foto: red
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