05.12.2011, 20:39 Uhr
KULMBACH/THURNAU. Er könne sich sehr gut vorstellen, das Modell „Genussregion Oberfranken“ in ähnlicher Weise in seiner Heimat an der Amalfiküste zu etablieren. Das sagte der Zweite Bürgermeister von Positano, Francesco Fusco, nach einem Empfang der Reisegruppe aus der Partnerstadt Thurnaus im Landratsamt am Montag.
Landrat Klaus Peter Söllner hatte die Gruppe eingeladen und in einem Referat die Erfolgsgeschichte und deren Hintergründe der seit sechs Jahren bestehenden Genussregion vorgestellt.
Aufmerksam lauschten die Teilnehmer im großen Sitzungssaal den Ausführungen des Landrats, die von der gebürtigen Oberfränkin Heidi Tuttino übersetzt wurden.
Regionale Identität
Nicht nur, dass Essen und Trinken in Italien einen hohen Stellenwert besitzen, auch für die Menschen in Süditalien wird es immer wichtiger, die eigene regionale Identität innerhalb des europäischen Staatenverbundes und vor dem Hintergrund der Globalisierung zu stärken und zu bewahren. „Europa ist nur denkbar als Verbund der starken Regionen“, betonte der Präsident des Freundeskreises Thurnau-Positano, Volker Seitter. „Nur wenn die Kulturen erhalten bleiben, hat Europa eine Chance und nur dann wird Europa gelingen.“
Oberfranken macht es mit dem Label Genussregion vor, wie es aussehen könnte, eine starke Region zu sein. Selbstbewusst und nicht ohne Stolz präsentierte Söllner das Konzept und eine Reihe von eindrucksvollen Zahlen zur Genussregion. So kann Oberfranken mit seinen 1,1 Millionen Einwohnern gleich drei Weltrekorde aufweisen: die größte Brauereidichte mit 202 Klein- bis Großbrauereien sowie die größte Dichte an Bäckereien und Konditoreien mit 529 Betrieben und an Metzgereien mit 714 Betrieben.
In einem Bierwettstreit, bei dem unabhängige Juroren in einer Blindverkostung ermitteln sollten, ob die Münchner oder die Oberfranken das bessere Bier brauen, hätten die Franken klar gewonnen. „Wenn’s ums Essen und Trinken geht, wollen wir die Italiener Bayerns sein“, erklärte Söllner zur allgemeinen Freude der italienischen Gäste. „Genuss braucht Heimat.“ Mit Braukultur, Biergartenführern, Brauerei-Wanderungen und Bratwurstfesten machen die Oberfranken auch auf großen Messen im In- und Ausland auf sich aufmerksam.
"Zündende Idee"
„Das ist eine zündende Idee“, begeisterte sich Francesco Fusco, „die Lebensqualität einer Region wird erhöht, kleine Betriebe werden erhalten oder neu entwickelt, Arbeitsplätze geschaffen.“ Denn das Siegel „Genussregion“ ist verbunden mit einer Qualitätsgarantie. Diese Qualität wird von den Verbrauchern honoriert. Über die Genussregion wird auch versucht, regionale Spezialitäten zu erhalten oder wiederzuentdecken. Mittlerweile umfasst der Bestand mehr als 300 Rezepte aus Oberfranken, über 500 sollen es werden.
Die lokale Küche ist ein entscheidendes Identifikationsmerkmal einer Region. Wie Oberfranken weist auch die Region Salerno, zu der die Amalfiküste gehört, eine Fülle an lokalen Spezialitäten auf, wie den Limoncello oder Marmeladen.
Die Restaurants könnten ihren Beitrag dazu leisten, indem sie traditionelle Gerichte wie Linsen mit Gemüse oder kleine, in der Grande Cuisine meist verschmähte Fische wieder auf die Speisekarte setzen. Kein Zweifel: die zündende Idee der Genussregion hatte bei Francesco Fusco das Feuer der Begeisterung entfacht.
hes
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