28.11.2011, 19:45 Uhr
Von Manfred Scherer
BAYREUTH. Drei Tage lang sagte sie aus über ihr Martyrium als Sexsklavin ihres Zuhälters aus. Sie berichtete so detailreich und spontan, dass das Gericht mehrmals andeutete, eine solche Geschichte könne niemand erfinden. Am Montag versuchte der Verteidiger Christian Masser, Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin zu säen.
Der angeklagte Zuhälter soll die Frau schon als junges Mädchen zu seiner Geliebten gemacht haben, sie systematisch ins Rotlichtmilieu eingeführt haben und mit seiner Prostituierten viel Geld gemacht haben – auf etwa 1,5 Millionen Euro schätzt die Anklage die Einkünfte, die der heute 64-jährige Mann der jungen Frau abgenommen haben soll. Der Mann ist wegen Zuhälterei, mehrerer brutaler Vergewaltigungen und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.
Ursprünglich hatte die Frau im Prozess ausgesagt, sie habe bis auf ganz wenig Geld nichts von ihren Einkünften behalten können. Der Verteidiger legte gestern einen Auszug aus dem Grundbuch vor, dem zufolge die 28-Jährige im Jahr 2007 ein Haus gekauft hatte – für 28.000 Euro.
Das Gericht ließ die Zeugin daraufhin am späten Montagabend erneut als Zeugin kommen. Die junge Frau bestätigte den Hauskauf und erklärte, sie habe das Geld tatsächlich vor ihrem Zuhälter beiseitegeschafft und investiert, damit er es nicht finde. Wie sich herausstellte, hatte die Frau darüber bereits bei der Polizei gesprochen – im Prozess war nur nicht danach gefragt worden.
Zuvor hatte eine ehemalige Lehrerin der jungen Frau berichtet, wie es ihr nach Jahren gelungen war, die junge Frau dazu zu bewegen, sich aus dem Rotlichtmilieu zu lösen: durch ständigen Kontakt und lange Briefe, die die 28-Jährige aus dem Hurenhaus heraus an die ehemalige Lehrerin schrieb. Die Briefe dienen der Staatsanwaltschaft als eines der Hauptbeweismittel.
Die ehemalige Lehrerin bestätigte die Berichte, nach denen die Hauptzeugin jahrelang Opfer brutaler seelischer, körperlicher und sexueller Gewalt wurde: „Erst mein dritter Besuch in dem Club in Bayreuth öffnete mir die Augen über das entsetzlich Leben, das dieses Kind führen musste.“ Die ehemalige Lehrerin bestätigte, wie stark die 28-Jährige an ihren Zuhälter gebunden war: „Sie war zwar nicht eingesperrt und konnte doch nicht gehen. Sie hatte in ihrem Inneren eine Türe.“ Noch im Frühjahr diesen Jahres, nachdem der Zuhälter verhaftet worden war, machte das Opfer sich Vorwürfe, berichtete die ehemalige Lehrerin: „Sie sagte, dass sie ihm gehört.“
Zeuge kippt um
In der vergangenen Woche hatte das Landgericht einen Mann als Zeugen geladen, den der Angeklagte mit Hilfe seiner Geliebten ausgenommen haben soll wie eine Weihnachtsgans: In der Hoffnung, die Frau heiraten zu können, soll der Mann sein Vermögen los geworden sein. Genaueres konnte das Gericht noch nicht erfahren, denn mitten in der Befragung erlitt der Mann einen epileptischen Anfall und musste mit dem Krankenwagen abtransportiert werden.
Symbolbild: pa
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