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25.11.2011, 12:37 Uhr

 

Laura Schmid schildert für x-bay ihre persönlichen Eindrücke vom Tahrir-Platz

BAYREUTH. In Ägypten kommt es derzeit täglich zu Straßenschlachten zwischen Gegnern des Militärrats und Sicherheitskräften. Auf dem Tahrir-Platz im Zentrum Kairos setzt die Polizei Tränengas gegen Steine werfende Demonstranten ein. All das ist nicht der Platz, an dem man eine 23-jährige deutsche Studentin vermutet. Laura Schmid ist derzeit für ein Praktikum in Kairo. Sie war gestern und vorgestern auf dem Platz, auf den die Welt schaut. Für x-bay berichtet sie von ihren Erlebnissen.

 

Antonius Sadik ist 25 und der Guide von Laura (Mitte) und Valerie. Er ist Christ und dadurch ist der Umgang mit ihm leichter, als mit den vielen muslimischen Männern, mit denen die Frauen in Kairo zu tun haben.Foto: red
Antonius Sadik ist 25 und der Guide von Laura (Mitte) und Valerie. Er ist Christ und dadurch ist der Umgang mit ihm leichter, als mit den vielen muslimischen Männern, mit denen die Frauen in Kairo zu tun haben.Foto: red
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Antonius Sadik ist 25 und der Guide von Laura (Mitte) und Valerie. Er ist Christ und dadurch ist der Umgang mit ihm leichter, als mit den vielen muslimischen Männern, mit denen die Frauen in Kairo zu tun haben.Foto: red
Ein junger ägyptischer Demonstrant sitzt auf der Straße und zeigt seinen Mundschutz.Foto: red
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Nachts heulen die Sirenen, die Innenstadt erstickt in einem Nebel von Tränengas. Die Zahl der Toten ist nach vier Tagen heftigster Proteste – laut dem ägyptischen Gesundheitsministerium – auf 33 gestiegen. Über 2000 Menschen wurden vor allem durch Gummigeschosse sowie Tränen- und CS-Gas-Vergiftungen verletzt. Nichtsdestotrotz habe ich mich gestern dazu entschlossen, auf den Tahrir-Platz zu gehen, um Geschichte hautnah mitzuerleben und den Helfern im Feldlazarett Decken und Laken zu bringen.

Warum 
mache ich das?

Was bewegt mich, ein 23-jähriges deutsches Mädchen, dem sogenannten Marsch der Millionen am vergangenen Dienstag zu folgen und sich unter Tausende entschlossene, protestierende Ägypter auf dem Tahrir-Platz zu mischen? Es ist nicht mein Land, es ist nicht meine Revolution und einige Ägypter haben wenig Verständnis für schaulustige Ausländer, die Fotos von Toten und Verletzten machen. „Es ist kein Spiel, Menschen sterben hier für ein Ziel, ich habe nichts gegen Ausländer, aber es ist der Kampf des ägyptischen Volkes für eine bessere Zukunft“, äußert sich ein junger aufgebrachter Demonstrant. Dennoch kann ich dem Drang nicht widerstehen, auf den Tahrir-Platz zu gehen. Getrieben von einer Mischung aus Neugier, Adrenalin und auch gewissen Schuldgefühlen. Als ich während der Proteste im Januar und Februar dieses Jahres schon einmal in Kairo war, habe ich die Angebote ägyptischer Freunde, sie zu den Demonstrationen zu begleiten, nie angenommen. Ich hatte nicht den Mut. Eine Entscheidung, die ich rückblickend bereue. Ich stelle mir die Frage: Habe ich darauf verzichtet, Geschichte mitzuerleben?

Es ist ruhig

Diesmal habe ich mir vorgenommen, zu einem der mittlerweile schon rituellen Freitagsproteste am Tahrir-Platz zu gehen. Doch in den Wochen nach meiner Ankunft ist es ruhig, die Zahl der Protestanten ist gering und Themen wie Syrien und die Wall-Street-Besetzung dominieren am Tahrir-Platz. Doch je näher die am 28. November beginnenden Parlamentswahlen rücken, umso angespannter wird die Atmosphäre in der ägyptischen Hauptstadt. Als am Freitag, 18. November, die ägyptischen Oppositionsparteien zu einer landesweiten Protestaktion aufforderten, folgen Tausende Ägypter dem Ruf. Es bleibt entgegen aller Erwartungen ruhig. Nur eine kleine Gruppe vereinte sich zu einem Sitzstreik und bleibt über Nacht. Als jedoch die Polizei, im Bestreben den Platz zu räumen am folgenden Samstag den Sitzstreik auflösen will, eskaliert die Situation.

Blutiger Kampf

Als Gegenreaktion auf das Vorgehen der Sicherheitskräfte aktivieren die Bewegung 6. April und die Muslimbruderschaft ihre Anhänger. Seitdem herrscht in Kairos Innenstadt Belagerungszustand und es kommt in den Straßen um den Tahrir-Platz immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen. Vor allem Samstag und Sonntag ähnelt die Innenstadt, vor allem in den Seitenstraßen um das Innenministerium, einem Kriegsgebiet und meine ägyptischen Freunde raten mir mit Nachdruck, mich vom Zentrum des Geschehens fern zu halten.

Ich weiß, was passiert

Trotzdem beschließe ich Montagabend, dass es Zeit ist, mir ein eigenes Bild von der „zweiten ägyptischen Revolution“ zu machen.




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