24.11.2011, 15:50 Uhr
NEUALBENREUTH. Das Sibyllenbad schwimmt sich frei. Mitte der Neunziger Jahre vom Bezirk Oberpfalz mit Millionenaufwand gebaut, war das Kurzentrum jahrelang ein Draufzahlgeschäft, hatte mit deftigen Defiziten zu kämpfen. Nun, 15 Jahre nach der Eröffnung, scheint die Wende zum Besseren eingeläutet. Das Defizit wird geringer, die Besucherzahlen steigen, ebenso das Renommee bei den Gästen aus Nah und Fern.
Es war eine mutige Entscheidung: für damals 100 Millionen Mark bauten die Staatsregierung und der Bezirk Anfang der 90er-Jahre bei Neualbenreuth an der bayerisch-tschechischen Grenze das Sibyllenbad – ein Kurzentrum der Superlative. Es sollte der Motor werden für eine neue „weiße Industrie“, für Gesundheits- und Wellnesstourismus, auch als Ausgleich für den Niedergang der Porzellanindustrie in der Region. Das Fazit heute: das Experiment ist geglückt. In und um das Sibyllenbad entstanden Dutzende neue Arbeitsplätze und rund 3,8 Millionen Gäste brachten der Region seither eine zusätzliche Wirtschaftskraft von etwa sechs Millionen Euro jährlich.
Blick über die Grenze
Frühzeitig richtete die Führung des Sibyllenbads den Blick über die wieder offene Grenze im Osten. Mit Erfolg: Eine Kooperation mit dem Luftlinie nur zwölf Kilometer entfernten böhmischen Marienbad brachte beiden Kurorten seit der Jahrtausendwende einen großen Entwicklungsschub: Während tschechische Tagesgäste das umfangreiche Wellnessangebot des Sibyllenbades nutzen, freuen sich deutsche Besucher über die Bustouren mit Stadtführung durch das einzigartige Marienbad. „Wir haben durch die Zusammenarbeit mit dem Sibyllenbad deutsche Gäste hinzugewonnen. Davon profitieren wir bis heute“, sagt Patricie Irlvekova, Marketingdirektorin der Marienbad Kur&Spa Hotels.
Im Kurmittelhaus wachsen die Besucherzahlen – auch dank der Gäste aus Tschechien. Zum Halbjahr 2011 besuchten fast vier Prozent mehr Gäste den staatlich anerkannten Heilquellenkurbetrieb. Pro Jahr sind es im Durchschnitt über 260 000 Besucher. Seit den Anfängen des Sibyllenbades ist die Zahl der Übernachtungen in der Gemeinde Neualbenreuth von jährlich etwa 10.000 auf rund 110.000 gestiegen. Neben den mehr als 80 Mitarbeitern des Kurbetriebs sind etwa 200 Arbeitsplätze in Gastronomie, Hotels und Pensionen an das Bad gebunden. Auch die Städte Waldsassen, Mitterteich und Tirschenreuth profitieren vom Kurbetrieb.
Sibyllenbad wird erneuert
Durch seine in der Kombination und Intensität europaweit einmaligen Heilwasservorkommen hat sich das Kur- und Wellnesszentrum in der nördlichen Oberpfalz einen festen Platz im Gesundheitstourismus erobert: Neue Behandlungskonzepte wie die kombinierte Radon-Kohlensäuretherapie ermöglichen eine kreislaufschonende Behandlung von Gelenkerkrankungen. Aber auch zahlreiche Wellnessangebote hat das Sibyllenbad zu bieten: vom orientalischen Badetempel bis zum Kaminzimmer.
Im kommenden Jahr soll im Sibyllenbad erneut kräftig investiert werden: Geplant ist die Erneuerung der Becken und Bodenfliesen in der Heilwasserbadelandschaft und die Sanierung der Duschen in Badelandschaft und Dampfbad für insgesamt fast acht Millionen Euro. Geplanter Baubeginn ist im April.
Mehr darüber lesen Sie in der Freitagsausgabe des Kuriers.
red/Foto: red
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