11.11.2011, 09:52 Uhr
Von Gabi Schnetter
BAYREUTH. Auch wenn er sichtlich mit dem Fränkischen hadert – mein Lieblingswort ist „Schorsch“, das klingt wie eine Krankheit –, ein Franke wenigstens macht Michael Mittermeier kurzzeitig sprachlos. Und das mit einer simplen Frage: „Was machst du, wenn deine Tochter einen Kevin heiraten will?“
Da verschlägt’s auch dem Comedian Mittermeier, der fast drei Stunden lang die Oberfrankenhalle im Parforceritt befeuert, zunächst die Sprache. Wenn auch nur für Sekunden. Dann greift das Handwerkszeug des echten Stand-up-Comedian. Und er gibt raus.
Fleischfressender Vampir
Verlegenheit ist für Mittermeier ein Fremdwort. Genüsslich wälzt er sich, vor der überdimensionalen Nuckelflasche und dem quietschenden rosa Babyball auf der Bühne, in allen Peinlichkeiten, die werdenden und jungen Eltern so widerfahren können. Die mentale Veränderung der Schwangeren zum fleischfressenden Vampir bis hin zum Entwürdigendsten, was einem Mann passieren kann, der Samenabgabe beim Urologen, alles rund um Babywindel und Spuckflecken auf teurem Parkett garantieren ihm Schenkelklatscher im Publikum. Bis hin zum Lobgesang auf den windelwickelnden Mann, den man immer wieder motivieren muss, um ihn zum Superhelden werden zu lassen: „Lobe den Herren!“
Natürlich erlebt auch das „Arschlochkind“, bekannt aus früheren Programmen, in der ausverkauften Halle seine Renaissance. Kein Wunder. Das Tour-Thema heißt schließlich: „Achtung, Baby!“ Und eines von Mittermeiers Lieblingsthemen ist eben die Namensgebung. Bei ihm gleichzusetzen mit der Fähigkeit erwachsener Menschen, Kindern Namen zu geben, mit denen sie halbwegs unverarscht durchs Leben gehen können. Oder eben auch nicht.
Und was macht Mittermeiers-Michael jetzt mit einem Kevin? Er packt ihn und schickt ihn heim! Wenn’s halt immer nur so einfach wäre.
INFO: Michael Mittermeier tritt seit 1992 regelmäßig auf der Bühne des Stand-up-Klubs Quatsch Comedy Club in Berlin auf, der ihm zusammen mit Thomas Hermanns und der Person hinter Atze Schröder auch gehört
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