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11.11.2011, 09:20 Uhr

 

Masern: Ärzte raten dringend zur Impfung

Von Anne Bürmann und Heidi Sandner

BAYREUTH. Der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Otto Bertermann, ist nach eigenen Angaben schockiert über den Anstieg der Masernerkrankungen in diesem Jahr. Das Robert-Koch-Institut zählte laut Bertermann bis Anfang dieses Monats doppelt so viele Fälle wie im Jahr 2010. Besonders stark sei in diesem Jahr Bayern mit 437 Fällen betroffen. In Bayreuth gibt es bisher keine Erkrankungen. Nach Angaben des Gesundheitsamtes Bayreuth war der letzte Masernfall im Jahr 2005.

 

Die Durchimpfungsraten in Bayern sind uneinheitlich“, sagt Dorothee Ganser, Medizinaloberrätin beim Gesundheitsamt. In Oberfranken habe man bei den zukünftigen Erstklässlern mit knapp 91 Prozent eine relativ hohe Rate erreicht. „In Südbayern und auch in Baden-Württemberg liegen die Impfraten deutlich niedriger.“ Der Grund dafür sei eine andere Bevölkerungsstruktur in diesen Gebieten. So würden beispielsweise Menschen mit höherem Einkommen dazu neigen, ihre Kinder nicht impfen zu lassen. Die hohe Zahl der in Oberfranken geimpften Kinder ist laut Ganser aber noch nicht zufriedenstellend. „Die Weltgesundheitsorganisation gibt das Ziel einer 95-prozentigen Immunisierung vor, die nötig wäre, um die Masern weltweit auszurotten.“ Die lokalen Impfzahlen würden aber steigen.

Wenig schwere Fälle

Im Klinikum Bayreuth werden pro Jahr etwa zwei bis drei Verdachtsfälle behandelt. „Da sie normal verlaufen, werden sie nicht gemeldet“, sagt Thomas Rupprecht, Leiter der Klinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin am Klinikum Bayreuth. Todesfälle und Epidemien müssen dagegen beim Gesundheitsamt gemeldet werden. Der Kinderarzt Hermann Pöhlmann hatte in seiner Praxis seit den 80er Jahren kaum Verdachtsfälle. „Vielleicht ein oder zwei“, so Pöhlmann. Dafür hatte er rund 250 Patienten, die er gegen Masern geimpft hat. Die Kinderärzte Stefan Jobst und Hans Schatz sowie der Allgemeinmediziner Friedmar Kröner hatten im vergangenen Jahr gar keinen Fall.

In Aschaffenburg ringt, wie bereits berichtet, derzeit ein sechsjähriges Mädchen mit dem Tod, das infolge einer Maserninfektion an einer Gehirnentzündung erkrankt ist. Bei dieser Erkrankung, die auch Subakute sklerosierende Panenzephalitis genannt wird, handelt es sich laut Ganser „um eine sehr seltene, aber stets tödliche Komplikation einer Masernerkrankung, die durchschnittlich sechs bis acht Jahre nach einer Erstinfektion – vor allem nach einer Erstinfektion im Säuglingsalter – auftritt“. Eine Meldepflicht für diese Komplikation bestehe nicht. „Uns ist kein solcher Fall aus Bayreuth oder der Region bekannt.“

Nicht nur Kinder betroffen - Ärzte raten Erwachsenen zur Impfung

Die Masernimpfung wird in der Regel in Kombination mit der Impfung gegen Mumps und Röteln verabreicht, bei Kindern auch mit Windpocken als Drei- oder Vierfachimpfung. Diese Impfung geschieht in der Regel zweimal beim Kinderarzt und ist laut Ganser im Allgemeinen gut verträglich. „Junge Leute und Erwachsene sollten unbedingt ihren eigenen Impfschutz überprüfen lassen, da die Masern keine typische Kinderkrankheit mehr sind. Gerade im Jugend- und Erwachsenenalter verlaufen sie häufig mit schwerwiegenden Komplikationen“, sagt Ganser. Wirklich akut gefährdet seien durch Impflücken bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen jedoch die Säuglinge, die in der Regel aufgrund ihres unausgereiften Immunsystems noch nicht geimpft werden können. „Alle Personen, die mit Säuglingen in Kontakt kommen, sollten unbedingt über einen ausreichenden Impfschutz verfügen.“ Laut dem Kinderarzt Pöhlmann wird in Bayern empfohlen, „dass alle die, die vor 1970 geboren sind und die Krankheit nicht hatten, sich die Impfung holen.“ Auch Rupprecht empfiehlt eine Impfung. Besonders sollten die Auffrischungstermine wahrgenommen werden.

Foto: dpa




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