30.10.2011, 19:57 Uhr
Von Stephan Herbert Fuchs
KULMBACH. „In entsprechenden Dosen immer wieder ein Genuss.“ Dirigent Roger Boggasch kommt selbst ins Schwärmen bei dieser Mischung aus Wunsch- und Neujahrskonzert, mit dem die Hofer Symphoniker am Samstagabend in der Dr.-Stammberger-Halle in Kulmbach gastierten.
Feuriger Csardas und unsterbliche Walzer: „Tanz.Fieber!“ nannte der Klangkörper sein Programm. Die seltsame, dem Computerzeitalter geschuldete, Schreibweise sollte wohl modern klingen und keine Verwechslung mit einem Kurkonzert aufkommen lassen.
Doch das wäre gar nicht nötig gewesen. Die aufgeführten Kompositionen aus dem Repertoire des angestammten, gehobenen Unterhaltungssektors wurden praktisch alle sofort nach ihrem Erscheinen zu Ohrwürmern und sind es bis heute geblieben. Sie machten ihre Schöpfer populär, ihre Verleger reich und brachten auch am Samstag die Besucher in der leider nur dürftig besetzte Stadthalle zum Staunen.
Meisterliche Häppchen
Das Programm, das wirklich mehr Besucher verdient hätte, ist gut gemixt aus bekannten, eingängigen und doch immer wieder meisterlichen Häppchen, die Dirigent Boggasch mit launigen Worten in seiner Moderation wohldosiert serviert. Doch am eindrucksvollsten gelingen die Zugaben: neben der Schnellpolka „Unter Donner und Blitz“ von Johann Strauss, Leroy Andersons herrlich ironischer „Blue Tango“ und der Slow Waltz „Moon River“ aus dem Film „Frühstück bei Tiffany“ von Henri Mancini. Echte Raritäten sind diese Kompositionen, zumindest in symphonischen Konzerten, und dazu noch meisterhaft auf den Punkt gebracht von Maestro Boggasch, der von 2001 bis 2006 Musikdirektor am Theater Hof war, im kommenden Jahr Operndirektor in Innsbruck wird und hoffentlich auch weiterhin immer wieder als Gastdirigent der Symphoniker auftritt. Zuvor hatte sich das Orchester vom Barock mit einem Werk von Jean Philippe Rameau über die Klassik mit Christoph Willibald Gluck und Carl Maria von Webers „Aufforderung zum Tanz“ bis hin zur Romantik kontinuierlich vorgearbeitet.
Von Anton Dvorák wählte Boggasch einen Slawischen, von Johannes Brahms den berühmten 5. Ungarischen Tanz aus. Mehr noch als Dvorák hat Brahms stilisierte volkstümliche Elemente in seine Kompositionen eingebaut, deshalb funktioniert auch in Kulmbach der Wiedererkennungseffekt sofort.
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